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Zion · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 160 (sequence 12)
Language
German
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Seite 160 2 I 0 N Nr. 12 bringt, ein Niveau zu gestalten, das höchsten geistigen Forderungen gerecht wird. Zwar kann man sich keinen Begriff machen., mit welch primitiven Mitteln man sich diese Welt gebaut hat und wieviel zu tun wäre — aber man ist hier sehr stolz und lehnt es ab, andere Hilfe als die der Institutionen in Anspruch zu nehmen, die dazu verpflichtet sind. Ich bin ganz stolz darauf, daß man mir. als -dazugehörig, doch einige Verbesserungen erlaubt hat —; ich nehme aber doch an, daß wir einmal, wenn wir mal wieder viel Geld haben werden, auch mittun dürfen. S. Winter Kauft Tozereth Haarez. Von Mirjam R e i c h e n b a c h. Tel-Aviv. Die Woche vom 23. bis 30. November war seitens der städtischen Behörden und öffentlichen Institutionen Erez-Israels zu einer Propagandawoche für die Erzeugnisse des Landes in ganz Palästina proklamiert worden. Als Anlaß zu dieser Maßnahme dürfte wohl eine Kundgebung der Tel-Aviver Schuh- und Lederarbeiter angesehen werden. 400 jüdische Schuh- und Lederarbeiter zogen durch die Straßen und protestierten gegen die Eröffnung eines großen Schuhgeschäftes einer bedeutenden ausländischen Schuhgesellschaft in der Hauptgeschäftsstraße Tel-Avivs. 400 jüdische Arbeiter eines Faches in einer Stadt von 40000 Seelen: Schuster, sie wollen und müssen ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familie finden, wollen in Erez-Israel leben und arbeiten und und sie finden keine Beachtung, man importiert aus Deutschland, Oesterreich, der Tschechoslowakei, England Schuhe und das Publikum kauft Erzeugnisse des Auslandes, die hier in derselben Qualität von jüdischer Hände Arbeit hergestellt werden. Und dieser eindringliche Protest jener 400 Menschen kann wohl manchem die Notwendigkeit des Kaufes hiesiger Produkte, durch den einzig allein der Weg zu einem Aufschwung des Wirtschaftslebens in Erez-Israel gefunden und sicher begangen werden kann, zum Bewußtsein gebracht und die öffentlichen Stellen veranlaßt haben, im ganzen Lande diese Propagandawoche. anzukünden. Und wie wird hier diese Propaganda ohne großen Kostenaufwand organisiert? Man setzt Volksversammlungen an, die einige Tage vorher an Anschlagsäulen und in den Zeitungen angekündigt werden und in denen im Wirtschaftsleben an führenden Stellen stehende Männer zu Worte kommen und gibt außerdem den sämtlichen Rabbinen und Vorständen der Synagogen Anweisung, eigens — und nur darauf eingestellt — zugunsten des Verbrauchs von Tozereth Haarez in den Synagogen zu reden. Und es gab sicherlich an dem für diesen Zweck bestimmten Schabbath keine Synagoge, in der nicht, über die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Tozereth-Haarez-Kaufes — nicht allein von dem Standpunkt aus, daß es doch eigentlich für den Juden selbstverständliche Pflicht sein sollte, Erzeugnisse seines Landes, von Juden hergestellt, zu gebrauchen —, sondern auch vom rein wirtschaftlichen Standpunkte aus, eingehend besprochen wurde. Wir sind doch nun in Erez-Israel glücklich schon so weit, daß wir fast alle zum täglichen Gebrauch erforderlichen Sachen hier herstellen können. Nur bei einigen Rohstoffen, dann allerdings auch bei Maschinen und Chemikalien, sind wir auf Import unbedingt angewiesen. Dagegen gibt es hier Strumpf-, Strick- und Wirkwarenfabriken, Schuh-, Hut- und Mützenfabriken, Zigaretten-, Schokoladen-, Keks- und Konservenfabriken, wir haben große Imkereien, große Weinkeltereien und große Mühlen, Mazzothfabriken, eine Fischräucherei, die Shemen-Fabrik, die Oel, Kokosin und Seifen liefert, wir haben die Zementfabrik „Nesher", Ziegel- und Steinfabriken, wir haben über das ganze Land ausgedehnt eine gute Landwirtschaft und Viehzucht, wir haben Orangen-, Zitronen-, Bananen-Pflanzungen. Welche Lebensbedürfnisse könnten da von allen diesen Einrichtungen nicht befriedigt werden? Es steht zu erwarten, daß durch die großzügige Propaganda dieser Woche der Bevölkerung Erez- Israels die Notwendigkeit des Tozereth-Haarez- Kaufes klar gemacht wurde, und sie die praktischen Konsequenzen für die Zukunft daraus ziehen wird. Aber nicht nur wir in Erez-Israel allein haben die Pflicht, den Aufschwung unseres Landes in dieser Weise zu fördern. Die Höhe der Produktion auf allen Gebieten ist ausreichend auch für einen Export und setzt dieser Export ein, wird eine entsprechende Nachfrage geschaffen, so kann die Produktion mit Leichtigkeit noch erhöht werden. Eis sollte für alle Juden, denen der Aufbau Erez-Israels am Herzen liegt, eine Ehrenpflicht sein, die Erzeugnisse Erez-Israels in ihren Ländern zu gebrauchen; diese Förderung des Aufbauwerkes ist mit keinen Geldopfern — die die Juden, die irgendwelche Beziehungen zu Erez-Israel haben, nur zu leicht befürchten <■— verknüpft, bringt aber dem Lande großen Nutzen. Es wäre meiner Ansicht nach zunächst Aufgabe der Zionistischen Vereinigungen der verschiedenen Länder, eventuell durch Bereitstellung entsprechender Mittel, die wohl für einen solchen Zweck als Anleihen mit entsprechender Sicherstellung durch Privatpersonen beschafft werden könnten, die Einrichtung von Verkaufsstellen für Tozereth Haarez in den größeren Städten ihrer Länder zu ermöglichen. Diese Einrichtung müßte selbstverständlich rein kaufmännisch aufgezogen werden, man hätte in Erez-Israel selbst eine Einkaufszentrale zu errichten, von der aus zu billigsten Preisen der Einkauf erfolgt, von der aus der Versand seitens der einzelnen Lieferanten überwacht wird, die die Abrechnung mit den palästinensischen Stellen durchzuführen hätte. Der Versand müßte an eine Zentralstelle des betreffenden Landes gehen, von wo aus die Waren in die einzelnen Städte geleitet werden. Diese Zentralstelle wäre auch der palästinensischen Einkaufsstelle für glatte Abwicklung aller Geschäfte verantwortlich. Was könnte man an den Verkaufsstellen zum Verkauf bringen? Orangen, Zitronen, Bananen, Trauben, Wein, Gemüse- und Obstkonserven, Honig, Halva, Mandeln, Schokolade, Keks, Fruchtsäfte, Mazzoth, Shemen Oel, Kokosin und Seifen, Zigaretten, Lederwaren etc. Man sollte eine Abteilung zum Verkauf von Ritualien, wie Talijoth, Sidurim, Psalmbücher, zu Sukkoth von Ethrogim einrichten, man sollte die bekannten und beliebten Palästinakleider, Mützchen, Decken, sowie Erzeugnisse der Bezalelwerkstätten stets auf Lager haben. Und würde dann seitens der verschiedenen Organisationen in geeigneter Weise der Verkauf all dieser Tozereth-Haarez-Artikel propagiert, so kann man sicher sein, daß sowohl infolge der Güte der Erzeugnisse, wie auch auf Grund dessen, daß man zu der Einsicht gekommen ist, daß es eine leicht und angenehm zu erfüllende Pflicht ist, palästinensische Arbeit zu fördern, sich im Laufe der Zeit ein reges Geschäft entwickeln wird, ein Geschäft, das dem Lande einen beträchtlichen Nutzen bringen wird. Aber auch die Orte, für die sich das Einrichten der Verkaufsstellen zum ständigen Verkauf nicht

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