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Zion · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 159 (sequence 11)
Language
German
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Kr. 12 2 I Ö Seite 159 gäbe steht im Vordergrund, alle anderen Fragen sind ihm von zweitrangiger Bedeutung. Der Bund weiß, welche Aufgaben er allein durchzukämpfen hat, und welche er anderen überlassen kann'. Wenn, der Bund auch die Bedeutung des Sozialismus durchaus anerkennt, so hat er doch zunäc'nst viel näher liegende Ziele und für den jungen Juden lebenswichtigere Aufgaben. In der Debatte wurde dafc Thema näher behandelt; außer einigen selbstverständlichen Nuancierungen, die hervortraten, zeigte sich ein einheitliches Bild gemeinsamen Wollens. Das Referat über die Gemeinschaftsformen des Lebens in Erez-Israel (Kibuz oder Moschaw) hielt ebenfalls Rudi Herz. Er ging in seinem soziologischen Ueberblick von den alten Formen der Familie — Sippe — aus, die sich zur heutigen Familie entwickelt habe. Der Familie droht die Gefahr der Auflösung oder doch der Lockerung. Mann u n d Frau werden in immer stärkerer Weise in den Wirtschaftsprozeß eingespannt, so daß das Familienleben, das bisher die Hauptquelle der Kultur besonders im Judentum war, in den Hintergrund tritt. Diesem Wirtschaftsvorgang werden wir •uns auch in Erez-Israel, wo doch das Leben noch in viel größerem Ausmaß als in den Ländern mit seit langem geordneter Wirtschaft den Einsatz des vollen Menschen verlangt, nicht entziehen können. Unsere ganze Energie werden wir dem Lande nur geben können, wenn wir eine Wirtschaftsform annehmen, in der sich die Kräfte stark summieren können. Herz stellt die Vorzüge und Nachteile von Kibuz (Gemeinwirtschaft) und Moschaw (Privatwirtschaft unter gegenseitiger Hilfeleistung) besonders in bezug auf die notwendige Konzentrierung der Kräfte einander gegenüber. Im Moschaw könne sich das Privatleben freier entwickeln, das Individuelle stärker zur Entfaltung kommen, während im Kibuz alle positiven Faktoren zu lebenskräftiger Einheitlichkeit zusammengetragen werden. Die Debatte über dieses Thema war sehr lebhaft und temperamentvoll. Die Frage wurde aufgeworfen, ob die durch den Kibuz hervorgerufene Abschwächung des Familienlebens nicht dem Sinne der Thora entgegenstehe. Den Anhängern des Kibuz war die „Summierung der jüdischen Kräfte" das Hauptargument. Am Mozae Schabbath sprach man über die künftige Arbeit. Erwähnenswert ist, daß man äußerst nüchtern beriet, sich keine großen Illusionen machte,, und die Arbeit (Vergrößerung und Vertiefung des Bundes) den vorhandenen Möglichkeiten anpaßte. Man teilte die verschiedenen Arbeiten z. B. Stellenbeschaffung bei Bauern, die eventuelle Gründung eines städtischen Handwerkerzentrums, Heranziehung von Tarbuthleitern, Verbindung mit der Nachwuchsbewegung, an geeignete Chawerim ein. Dann wurde über die Stellungnahme zu verschiedenen Organisationen gesprochen. Man war der Ansicht, daß der Brith sich in allen bündischen Fragen im Interesse einer inneren gesunden Arbeit neutral verhalten soll. Die alte Leitung wurde entlastet und an ihre Stelle eine neue gesetzt. Es übernahmen sie einige Chawerim,. die diesen Winter ausnützen, um auf der Jeschiwah, in Frankfurt ihr jüdisches Wissen zu vertiefen. S. B. Brief einer Touristin. T e 1 - A v i v, im November 1930. .... Ich bin noch immer in Tel-Aviv und habe außer einigen Ausflügen in die Umgegend noch nichts vom Land gesehen — zweimal war ich über Schabbos im Kibuz Rodges, und davon will ich Ihnen zuerst erzählen, in der Annahme, daß Sie das besonders interessiert. Man fährt mit dem Autobus bis Petach Tikwah, und wenn man dann noch ungefähr 20 Minuten auf einer gut gepflasterten Autostraße gelaufen ist — die auch' unsere Chaluzim geebnet haben —, dann ist man am Ziel. Wohnraum der Jungen und Küche sind in einem besonderen Raum, davon getrennt liegt sowohl die Baracke der Mädchen als auch eine neue Baracke der Jungen, die ihnen erst kürzlich von der Zionistischen Organisation zugewiesen wurde. Moses Unna wohnt mit seiner Frau und Kind in einem hübschen Steinhaus mitten in einem Pardeß — die Mahlzeiten indes nehmen sie gemeinsam mit den Chawerim. Die kleine Ruth, ein herziges hellblondes Mädelchen von 15 Monaten, ist der Verzug des ganzen Kibuz — obwohl sie nicht der einzige Nachwuchs ist —. noch 2 Ehepaare mit 3 Kindern sind angeschlossen, die aber etwas entfernter wohnen. Der Kibuz selbst ist nicht ganz einheitlich gestaltet — man führt zwar gemeinsame Küche und die Erzeugnisse von Hühnerhof und Garten werden auch für den Kibuz gemeinschaftlich verwertet — aber jeder Chawer sorgt für sich auch, er muß auch selbst für Arbeit sorgen, im übrigen aber sind Bestrebungen im Gange, gemeinsame Kasse und alles gemeinsam zu führen — also eine richtige Kwuzah zu gründen. Der Freitagabend im Kibuz war wunderschön, man muß zwar auf elektrisches Licht verzichten, dafür aber brannten in allen Ecken hell leuchtende Petroleumlampen — der Zrif (Baracke) selbst ist weiß gestrichen und alles blitzsauber. Zum Dawinen kamen auch viele, die nicht dazu gehören; es ist ergreifend und rührend, wenn die Menschen, die bis zu dieser Minute in der brennenden Hitze mit der ganzen Kraft gearbeitet haben, sich nun zusammenfinden und für den Sabbath, für die Ruhe danken, die sie so nötig gebrauchen. Wir waren ungefähr 25 Menschen bei Tisch — alles von einer Ruhe und einer ernsten Würde getragen; der Sabbath bedeutet hier im Lande ganz etwas anderes als bei uns draußen — jeder Gedanke an die Arbeit ist ausgeschaltet —. der ganze Freitagabend und der ganze Sabbath sind vergeistigt. Nach Tisch wurden nicht endenwollende Semiroth gesungen — dann Horra getanzt —, nicht wild, nicht laut, aber von froher Freude getragen — wer müde war, er wußte es nicht mehr, und dann ging man zu zweien oder mehreren in die Nacht hinaus, die in Erez-Israel doch so herrlich schön ist. Und' der Sabbath war ausgefüllt mit Gebet, mit Schiurim und Vorträgen, mit Gemorohlernen und profanen geistigen Dingen — da habe ich begreifen gelernt, wie man bei schwerer körperlicher Arbeit es fertig

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