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Zion · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 158 (sequence 10)
Language
German
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Seite 158 Z I 0 N Nr. 12 wir jetzt auch in einem Chaluzzentrum in Almelo (Holland) untergebracht. Wir hatten große Schwierigkeiten, die nötige Anzahl schabbosfreier Stellen zu finden. Die hiermit verbundenen Schwierigkeilen sind auch finanzieller Natur, da beträchtliche Mehrkosten durch die Verpflegung unserer Chaluzim entstehen. Mit der beruflichen Ausbildung unserer Chawerim sind wir zufrieden. Die von uns zur Alijah gebrachten Chawerim finden, dank ihrer guten Kenntnisse, leicht Stellung in Erez-Israel. Die meisten von ihnen sind in Petach Tikwah in Pardessim untergebracht und arbeiten nebenher im Kibuz Rodges in Petach Tikwah, wo man jetzt daran gegangen ist, eine eigene Wirtschaft auf vom Salvendi-Komitee in Frankfurt a. M. langfristig zur Verfügung gestellten Boden anzusiedeln. Die geistige Ausbildung bezieht sich nicht nur auf die Vermittlung von hebräischen Sprachkenntnissen und solchen von neuerer Literatur, sondern sie umfaß,l das ganze jüdisch-geistige Gut, in dem sich unsere Chawerim vervollkommnen sollen. Seit einigen Jahren wird regelmäßig eine Anzahl Chawerim aus Rodges für die Wintermonate auf die Jeschiwah nach Frankfurt a .M. geschickt, in diesem Winter sechs Chawerim. Die zentrale Stellung, die diese das gesamte jüdische Wissensgebiet umfassende Ausbildung, sowie die Ueberführung der hierdurch gewonnenen Erkenntnis in das tägliche Leben in unserer Hachscharah einnimmt, ist der Wesensunterschied zwischen dem Brith Chaluzim Datijim und dem Hechaluz. Sie macht es notwendig, daß unser Bund neben dem Hechaluz ein selbständiges Eigenleben führt. Bis vor einigen Jahren rekrutierte sicli unser Menschenmateriai überwiegend aus ostjüdischen Kreisen. Seit dem Erstarken des Zeire Misrachi und seitdem der „Esra'; an den Aufgaben unserer Hachtscharah größeres Interesse nimmt, ist hierin ein Wandel eingetreten. Heute ist schon ein ziemlich großer Prozentsatz unserer Chaluzim deutsch-jüdischer Herkunft, vielfach aus akademischen Häusern. Diese Chawerim haben höhere Schulen besucht und beeinflussen das Niveau in unserer Hachscharah günstig. Die Finanzierung unserer Hachscharah ist außerordentlich schwer; Zeire Misrachi und „Esra" unterstützen die Arbeit nach Kräften. Durch den Ankauf des neuen Gutes „Gehringshof" ist die Ausbildungsmöglichkeit weiter wesentlich verbessert worden. Es wird jetzt im größerem Umfang als bisher Vieh- und Geflügel - Wirtschaft betrieben werden. Der Getreidebau wird gegenüber der Gartenwirtschaft in den Hintergrund treten. Besonderer Wert soll auf Obstkultur gelegt werden, so daß der ganze Betrieb auf eine Spezialisierung der Chaluzim für diejenigen Arbeitszweige, die in Erez-Israel am aussichtsreichsten sind, eingestellt wird. Mit dem Kibuz Rodges in Petach Tikwah stehen wir in dauernem Kontakt und Briefwechsel und erhalten Anregungen für die Ausbildung, die von Nutzen sein werden. Wir hoffen, daß die zionistische Oeffentlichkeit die Mittel zur Verfügung stellen wird, um die Möglichr keit zu geben, daß dieses einzige zionistische L e h r g u t, das in Deutschland existiert, in seinem vollen Umfang für die Hachscharah ausgenutzt werden kann. Die Pegischah des Brith Chaluzim Datum in Rodges. Am Sabbath Bereschith fand in Rodges eine Tagung des Brith Chaluzim Datijim, der religiösen Chaluzorganisation. statt. Infolge des ungünstigen Termins konnte ein Teil der Chawerim nicht erscheinen, wodurch die Tagung nicht die große Bedeutung erhielt, die man von ihr erwartete. Die Pegischah zerfiel in eine große Aussprache über die geleistete Arbeit, eine Debatte über Fragen zur Ideologie, ein Referat über Lebensformen in Erez-Israel und eine Beratung über die künftige Arbeit. In der Eröffnung kam man auf die Entwicklung des Bundes zu sprechen. Aus der allgemeinen Hechaluzbewegung haben sich Einzelmenschen, denen ein Leben, dessen einzige religiöse Bindung in der Beobachtung von Kaschruth und Sabbath bestand, nicht genügte, zur vollen Idee der Thora entwickelt und haben den Grundstein zu einer Bewegung gelegt, die heute zwar noch klein, aber doch lebensfähig und im Wachsen begriffen ist. Große praktische Leistungen sind zwar bis heute nicht vollbracht worden, man ist noch nicht einmal in allen Kreisen bekannt; denn der Bund mußte seine Zeit und Energie für innere Entwicklung (Konzentration auf Jüdisches) zunächst haben. Wenn dabei auch noch vieles zu bemängeln ist, so hat man das Bewußtsein, daß man vorwärts schreitet. Im letzten Jahre hat sich der Brith sehr vergrößert. Es gelang ihm dieses Jahr unter den größten Schwierigkeiten (Besorgung sabbathfreier Stellen, Verhandlungen mit Behörden wegen Beschäftigung ausländischer Arbeiter usw.) in Zentren 45 Chawerim unterzubringen. Die Zentren befinden sich in der Umgebung Fuldas. Ein Teil der ausländischen Chawerim mußte seine Arbeitsplätze verlassen und setzt heute in Holland in einem neu geschaffenen Zentrum seine Hachscharah fort. Im zweiten Teil der Pegischah sprach Rudi Herz zur Ideologie. Er schilderte in klaren Umrissen die sozialen Nöte des Proletariats, die Entwickhing der sozialistischen Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten auszugleichen. Die Probleme des Sozialismus berühren auch den Brith und er muß zu ihnen Stellung nehmen. Das Ziel des Bundes ist, die Thora zur Lebensgestalterin der neuen jüdischen Gemeinschaft zu machen. Diese Auf-

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