Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 12 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 156 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 156 Z I 0 N Nr. 12 Welt hat aber auch gesehen, daß die Reihen derer, die umgekehrt denken und handeln, im Anwachsen begriffen sind, daß ihr Vormarsch nicht aufzuhalten, ist Die Jugend, die Zukunft, gehört der jüdischnationalen Front und in ihrem Zeichen wird der Sieg erfochten werden. . Für die große jüdische Welt ist diese Erkenntnis das ausschlaggebende, für uns dieses Bewußtsein das erfreuliche Ergebnis der Berliner jüdischen Wahl von 1930. A. A. Zur neuen Alijah. Im Mittelpunkt des Interesses der am Palästinawerk mitarbeitenden Judenheit steht heute die Möglichkeit der Einwanderung in das Land. Weit übler die zionistischen Kreise hinaus, oder besser gesagt, weit über die Kreise hinaus, die sich ihres Zionismus bewußt sind, wurde die Frage der Suspendierung der Einwanderungs-Zertifikate durch die englische Regierung im vergangenen Sommer leidenschaftlich diskutiert und fast ausnahmslos verurteilt. Weit über diese Kreise hinaus besteht heute Genugtuung darüber, daß jetzt, wenn auch eine nur geringe £ahl von Zertifikaten wieder bewilligt worden ist. Nach Deutschland ist eine ganz ungenügende Anzahl von Zertifikaten gekommen, die einschlägigen zionistischen Stellen bemühen sich zurzeit noch darum, eine Nachbewilligung durchzusetzen, um auch nur den allerdringendsten Anforderungen gerecht werden zu können. Es stehen etwa viermal so viel Chaluzim und Chaluzoth zur sofortigen Alijah bereit, und zwar Menschen, die auf Grund ihrer jahrelangen Ausbildung und chaluzischen Einstellung-ein unbedingtes Anrecht auf sofortige Zertifikats-Erteilung haben, als uns Zertifikate von der Exekutive der Agency zugebilligt wurden. Es darf daher wohl vorausgesetzt werden, daß es unsere Leserschaft interessiert, etwas mehr vom Leben und Treiben unserer in der Ausbildung befindlichen Chaluzim zü erfahren, und wir geben hier kurze Abschnitte aus der Hachscharah der misrachistischen Chaluzim in Deutschland, sowie etwas aus dem Leben der von Deutschland aus bereits nach Erez-Israel verpflanzten jungen Menschen wieder. Efe wäre außerordentlich zu begrüssen, wenn sich die misrachistische Gesellschaft fltaehr mit den Aufgaben, mit den Sorgen, aber feuch mit den Freuden unserer in Hachscharah befindlichen Chawerim befassen und sich um sie kümmern würde. Wir hoffen, daß die hier veröffentlichten Aufsätze Veranlassung hierzu geben werden. Das -neue misrachistische Lehr gut Gehringshof bei Hilda. In diesem Monat läuft der Pachtvertrag ab, den das Kuratorium für das jüdische Lehrgut Rodges mit den Besitzern dieses Gutes gehabt hat. Das Kuratorium hat zwar ein Vorkaufsrecht für das Gut, da aber von einem anderen Reflektanten eine sehr hohe Summe geboten war, kam der Ankauf für uns nicht in Frage, und wir bemühten uns fechon seit Monaten, ein anderes geeignetes Objekt käuflich zu erwerben. Eine neue Pachtung erschien dem Kuratorium nicht das Geeignete zu sein, da die ganze Arbeit darunter leidet, wenn man nach wenigen Jahren, wie das jetzt in Rodges der Fall gewesen ist, den alten Platz verlassen muß und sich wieder an neue Verhältnisse zu gewöhnen gezwungen ist. Auch ist es unzweckmäßig, in ein fremdes Gut Geld zu investieren, Bodenverbesserungen vorzunehmen u. dgl. ohne zu wissen, wie lange man den Nutzen aus diesen Verbesserungen ziehen kann. Mehrere große Projekte, die uns angeboten wurden, mußten ausgeschlagen werden, weil uns das nötige Kapital zu deren Ankauf nicht erreichbar war. Schließlich gelang es, ein günstiges Angebot in dem Bauerngut Gehringshof bei Hattenhof, Kreis Fulda, zu erhalten, und wir entschlossen uns, dieses Gu'tt zu einem Preise von 43 000 Mark zu erwerben. Der Gehringshof ist 180 Morgen groß und umfaßt neben dem für Getreidebau zu benutzenden Boden umfangreiche Wiesen- und Weidengelände, sowie etwa 50 Morgen alten Waldbestand, der in späterer Zeit abgeholzt werden kann, um weiteren Boden für die Landwirtschaft zur Verfügung zu bekommen. Der Ackerboden eignet sich nicht sonderlich zum Getreidebau, da es aber ohnehin in der Absicht unserer Chaluzim und der Leitung des Gutes liegt, in Zukunft in größerem Ausmaß Gartenwirtschaft zu betreiben als bisher, wird ein Teil der heutigen Aecker zürn Gartenbau benutzt werden. Der ganze Betrieb wird dadurch mehr und besser den Erfordernissen der Ausbildung für Erez- Israel entsprechend eingerichtet werden, denn für drüben ist es wesentlich wichtiger, daß die Neueinwanderer die Gartenwirtschaft gründlich kennen und hierin Spezialisten sind, als daß sie im Getreidebau Erfahrung besitzen. Ein zweiter wichtiger Betriebszweig wird in Gehringshof die Viehwirtschaft sein, die ja auch in Erez-Israel ein wesentlicher Faktor für rentable Landwirtschaft ist. Bereits in Rodges ist diesem Zweig der Tätigkeit große Aufmerksamkeit gewidmet worden, und es wurden dort gute Resultate erzielt. Die Einnahmen aus dem Kuhstall machten schon in Rodges einen wesentlichen Teil des Jahresbudgets aus. In Gehringshof besteht die Möglichkeit, den Viehbestand etwa zu verdoppeln, daß heißt, es auf etwa 30 Stück Großvieh zu bringen. Es ist ein ganz modern eingerichteter Kuhstall vorhanden, durch den der Betrieb sehr erleichtert und auf eine gute sanitäre Grundlage gestellt wird. Die reichlich vorhandenen, in gutem Zustande befindlichen Weiden, ermöglichen es, das Vieh den, ganzen Sommer über im Freien zu halten, was seinen Gesundheitszustand verbessern wird und auch einen rationelleren Betrieb gewährleistet. In Rodges hatten wir nämlich keinerlei Möglichkeiten unser 'Vieh auf die Weide zu treiben. Auch die Geflügelzucht wird in Gehringshof in großem Maßstabe betrieben werden können. Die vorhandenen massiven Schweineställe werden ohne große Kosten zu Hühnerställen umgebaut werden,