Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 12 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 152 Z I 0 N Nr. 12 züngen des Aktions-Komitees und der politischen Kommission einzuberufen und telegraphische Informationen in größerem Umfange zu versenden. Durch den Schekel, in Deutschland Mk. 1,50, durch eine außerordentlich große Zahl dieser außerordentlich kleinen Beiträge soll der Spitze der Organisaton die Möglichkeit gegeben werden, diese Tätigkeit zu entfalten und durchzuführen. Es sind, dies die einzigen Beiträge, die der Zionist an die Gesamtorganisation zu leisten hat. Versagen die Zionisten, so,kann die Arbeit nicht geführt werden, bleiben Anfänge stecken und versanden. Der Kongreß steht vor der Tür und ohne befürchten zu müssen, daß die allgemein abgenutzte Phrase auch hier nur eine Phrase ist, darf mlan 6agen, daß seit dem Kriege noch nie ein Kongreß vor dringenderen Aufgaben gestanden hat als dieser. Im Januar hat sich der Zionist mit dem Stimmzettel in der Hand zu entscheiden, wen er als Delegierten zum Kongreß entsendet. Dieser Stimmzettel ist nur für den Schekelzahler vorhanden. Wenn der Wahlkampf beginnt und alle Probleme politischer, organisatorischer und finanztechnischer Art die Debatten in Karlsbad beherrschen werden, in den Versammlungen aufgerollt werden, wenn die große Schlacht für uns wieder ausgekämpft werden wird, wenn es jeden leidenschaftlich drängen wird Anteil zu nehmen, dann ist keine Möglichkeit mehr den Schekel zu erwerben. Am 16. Januar ist unwiderruflich der letzte Tag, an dem der Schekel genommen werden kann, da sonst die Termine nicht eingehalten werden können, die das Statut für die Wahlhandlung vorschreibt. Zu dieser Zeit müssen wir Misrachisten gerüstet sein. Wichtiger als je ist es diesmal, daß wir geschlossen bei diesen Wahlen auftreten, daß alle diejenigen, von denen wir wissen, daß sie au'f unserer Seite stehen, die Möglichkeit nicht verpaßt haben, ihren Stimmzettel für unsere Kandidaten abzugeben. Jeder, der dies empfindet, gehe herum und kämpfe gegen die Gedankenlosigkeit, die den Schekel mißachtet, trotzdem er das Fundament dei Organisation ist, die aufgeht in großangelegten jüdischen Diskussionen, und nicht daran denkt, daß die Basis all dessen, was der Zionismus! schafft und erweckt, die Organisation ist und daß die Organisation zu erhalten eine Aufgabe ist,, deren Wichtigkeit nicht überschätzt werden kann. Der Misrachi kann, wie jeder andere Sonderverband, nur im Rahmen der Gesamtorganisation seine Tätigkeit entfalten, deshalb nutze jeder die wenigen Tage, die noch zur Verfügung stehen, erwerbe den Schekel und werbe für ihn! L. B. Wahlergebnisse. Eine Wahl, wie die in der Berliner Gemeinde eine gewesen ist, hat mehr als ein Ergebnis. Diese verschiedenen Ergebnisse wollen wir hier werten und gegeneinander abwägen, welches das wichtigste für uns ist, und da ein so bedeutender Ausschnitt^ aus der jüdischen Gesamtwelt, wie die Berliner jüdische Gemeinde es ist, in ihren Lebensäußerungen symptomhaft für die jüdische Gesamtheit wirkt, wollen wir zu erkennen versuchen, welches dieser Ergebnisse für die große jüdische Welt das bedeutsamste genannt werden muß. Diese Wahl hat ein Zahlenergebnis, ein gemeindepolitisches und ein moralisches Ergebnis. I. Das Zahlenergebnis. Die Wahl hat eine Niederlage der jüdischen Volkspartei gebracht, eine Niederlage allerdings auch nur, wenn man rein arithmetisch die für sie und die gegen sie abgegebenen Stimmen wertet. Die Anzahl der in Berlin lebenden Juden beträgt 172000, von diesen kind 133 000 wahlberechtigt. An der Wahl beteiligten sich hiervon nicht ganz 60 Prozent. Eö war der Volkspartei von vorneherein klar, daß bei einer solchen Wahlbeteiligung ein zahlenmäßiger Sieg nicht zu erringen war. Die Frage war von Anbeginn die, ob und inwieweit es den Liberalen gelingen würde, die an Gemeindefragen, man kann sogar sagen, die an der Gemeinde überhaupt völlig" uninteressierten Menschen durch geschickte Wahlparolen und durch Aufwendung von Unsummen an die Wahlurne zu bringen. Es liegt sicherlich eine Berechtigung darin, die Interessenten an jüdischem Gemeindeleben in Relation zu bringen zu den Synagogenbesuchern an den höchsten Feiertagen. Wer selbst am Rosch Haschanah und Jörn Hakippurim nicht mehr das Bedürfnis fühlt, einen Gottesdienst zubesuchen, kann wohl nur in Ausnahmefällen noch zu den Menschen gezählt werden, die ein wirklich lebendiges Interesse an den Geschehnissen in der Gemeinde nehmen. In Berlin gibt es, einschließlich der Plätze in den vielen für gottesdienstliche Zwecke an den höchsten Feiertagen von der Gemeinde gemieteten Sälen, etwa 55 000 Synagogenplätze, während über 77 000 Wähler ihre Stimme zur Gemeindewahl abgegeben haben. Gegenüber den vorangegangenen Gemeindewahlen haben die Liberalen bei dieser Wahl 17000 Stimmen gewonnen. Diese Zahl deckt sich ungefähr mit der Differenz zwischen der Anzahl der Synagogenplätze und der Gesamtzahl der an der letzten Wahl beteiligten Wähler. Man kann also mit einem gewissen Recht, besonders wenn man die Wählerschaft der deutschen Liste (Naumann-Partei) hinzurechnet (denn bei diesen handelt es sich ja auch um liberale Wähler^)', sagen, daß die Neuwähler der liberalen Listen aus den Reihen derjenigen kommen, die auch an den höchsten Feiertagen keine Synagogenbesucher mehr sind. Auf der anderen Seite hat die Volkspartei eine Stimmenanzahl von etwa 26 000 erreichen können. Dies bedeutet gegenüber der Wahl vor vier Jahren einen Stimmenzuwachs von über 9000 oder in