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Zion · 1930-06-01 · 6-7 (6.1930) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
6-7 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 90 (sequence 24)
Language
German
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Seite 90 Z 10 N Nr. 6/7 als so bedeutsam, daß sie in die große Rommsche Ausgabe aufgenommen worden sind: neben ihnen sind Bemerkungen zur Liturgie sowie zwei besondere halachische Werke zu erwähnen. Prins war seiner ganzen Richtung nach ein persönlicher Freund und wissenschaftlicher Anhänger des berühmten Amsterdamer Oberrabbiners Dr. D ü n n e r und stand in der Auseinandersetzung mit Rabbiner Salomon Breuer, die um das Recht der wissenschaftlichen kritischen Methode beim 1almudischen Studium geführt wurde, auf seiner .Seile. Der tiefen Freudigkeit, mit der Prins sein Judentum lebte, entsprach es auch, daß* er die Zionslicbc Hoch vor Hcrzl als ein praktisch zu verwirklichendes, freudig aufzugreifendes Ideal ansah und so einer der ersten westeuropäischen Zionisten wurde. Dieser Mann hat im Laufe seines Lebens eine überaus wertvolle Bibliothek zusammengebracht, die nach der katalogischen Bestandsaufnahme 6300 Werke und wohl etwa 8—9000 Bände zählt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Hebraica; doch finden sich auch einige nichthebräische Judaica, vor allem Zeitschriften. Entsprechend der Richtung des Sammlers stehen naturgemäß talmudische und rabbinische Schriften im Vordergrund: unter ihnen gibt es sehr zahlreiche Amsterdamer Ausgaben aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Liebe, die Prins seinen Büchern entgegenbrachte, dokumentiert sich auch in den besonders schönen und wertvollen Einbänden, die der Bibliothek ein ganz eigenartiges Gepräge geben. Außerdem enthält sie aber auch einige besonders wertvolle Werke, so — gleich der Universitätsbibliothek — den Kommentar des Nachmanides zur Tbora aus dem Jahre 1490. also eine Inkunabel: ein ..Seier Hajasehar". Venedig 16.25. und alte Responsenwerke aus dem 16. Jahrhundert. Doch nicht nur einzelne Bücher, auch ganze Bibliotheken haben ihr Schicksal. Diese hier sollte, infolge verwickelter, aber durchaus berechtigter, weiser und menschenfreundlicher Erbschaftsvorschriften lange Jahre warten, bis sie ihren „Erlöser" fand, der ihr nun in einem Sohne des ältesten Sohnes von Liepman Philipp Prins. in Herrn George Prins. London, geworden ist. Dieser hat vor kurzem die Bibliothek von den eigentlichen Erben gekauft, und sie. zunächst ohne nähere Bestimmung, für einen Jerusalemer Zweck geschenkt, dessen konkrete Festsetzung er seinem Schwager, Prof. Adolf Franke 1. überließ. Dieser beschloß schließlich, die Bibliothek als selbständige Institution dem Lehrerseminar des Misrachi anzugliedern, wo sie in einem eigenen Raum aufbewahrt werden, beinahe ausschließlich als Präsenzbibliothek dienen und von einem eigenen Kuratorium verwaltet werden wird. Die betreffenden Stiftungsbestimmungen — der „Hekdesch-Brief — sind nicht nach bürgerlichem, sondern nach jüdischem Recht beim palästinensischen Oberrabbinat eingetragen worden, obwohl die Schwerfälligkeit dieser Maschinerie das beinahe vereitelt hätte. Bei der oben erwähnten Einweihungsfeier sprachen die Herren Direktor A. M. Lipschilz, Raw Kuck. Raw Berlin und Prof. Frankel. Herr Lipschitz sprach über die Persönlichkeit von Liepman Philipp Prins, Raw Kuck und Raw Berlin über die Bedeutung der mündlichen Lehre, die sich gerade in Bibliotheken niederschlage, und Professor Fränkel erzählte u. a. eine ihm von seiner Frau, der Enkelin des Sammlers, überlieferte, höchst bezeichnende Anekdote, mit der wir schließen wollen: Einmal kam ein Frommer zu Liepman Philipp Prins in Frankfurt und fragte ihn: „Wie könnt Ihr. frommer und gelehrter Herr, mit den ungläubigen Zionisten zusammenarbeiten?" Prins {iber antwortete: „Wer weiß denn, mit welchem Werkzeug Gott Erez-Israel erlösen will?" Ein Brief von unterwegs. Jacob van C 1 e e f. Köln. ,.....Auf meiner Reise nach Erez-Isracl hatte unser Schiff einen kurzen Aufenthalt in Alexandrien. Ich benutzte diese Gelegenheit zur Besichtigung der Stadt. Von besonderein Interesse für den jüdischen Besucher ist die Talmud-Thora-Schulc der Gemeinde, von der hier einiges berichtet sei.' Mitten in der Rue Daniel wird die Häuserreihe durch ein mächtiges Gittertor unterbrochen. In einem wunderbaren Garten liegt das große noasn n»2. Nach Durchschreiten des Gartens gelangt man auf den seitlich gelegenen, geräumigen Schulhof, an den sich das stattliche Gebäude anschließt. Die Pause ist gerade zu Ende und die unübersehbare Schar der Schüler und Schülerinnen geht geordnet ins Gebäude. Ich begebe mich zum Dir rektor der Anstalt, der mir gern die Erlaubnis zur Besichtigung der Schule erteilt. Ein Lehrer geleitet mich. Er — selbst geborener Palästinenser — ist. wie alle Lehrer und Lehrerinnen für die jüdischen Fächer, am Lehrerseminar des Misrachi in Jerusalem ausgebildet. Natürlich unterhalten wir uns auf Hebräisch. Er erzählt mir von der Judenheit Alexandriens. Thoratreue in unserem Sinne gibt es kaum. Am Schabbath fahren auch viele derjenigen, die ihre Geschäfte geschlossen haben, mit der Straßenbahn, geben Geld aus; usw. Um so erfreulicher ist das Bild, das die Elementarschule der Gemeinde mit ihren 400 Kindern bietet. Die Unterrichtssprache in den Profanfächern ist Französisch und' Arabisch; in den jüdischen Fächern Hebräisch. Inzwischen hat der Unterricht schon begonnen, und ich gehe in einige Klassen, um bei „Hebräisch" zuzuhören. Man unterrichtet hier nach ganz modernen Methoden; n'"DJ?2 nnaj? schon in der untersten Klasse! Längere Zeit verweile ich bei den 8- bis 9jährigen: die Stunde ist sehr lebhaft, und doch herrscht Disziplin. Es wird ein Lesestück durchgenommen. Neue und unbekannte Vokabeln werden von den Schülern hebräisch erklärt und manchmal auch ins Französische übersetzt. Besonders reizvoll ist der Unterricht bei den ganz Kleinen. Die Kinder singen hebräische Lieder, sagen hebräische Gedichte auf. erzählen Geschichten usw. Lehrer und Lehrerinnen machen einen ausgezeichneten Eindruck. Ich werfe noch einen Blick in eine Klasse!, in der gerade Nähunterricht stattfindet, gehe durch den Speisesaal, wo die Kinder unvermögender Eltern Mittagessen erhalten und besichtige das ärztliche Untersuchungszimmer. Alles ist sauber und wohlgeordnet. Wieder auf dem Hof, verweile ich noch einige Minuten bei einer großen Klasse der Jüngsten; die Kinder sitzen auf Steinbänken an einer Mauer entlang in frischer Luft unter schatten'- spendenden Bäumen. Eine Lehrerin erteilt Handfertigkeitsunterricht; man macht gerade Papier a arbeiten. Kein Wunder, daß mir beim Verabschieden von den Lehrern und Lehrerinnen stets ein Gruß' an Erez-Israel aufgetragen wird, denn Erez-Israel hat diese Schule gegründet. Könnten wir nicht in Deutschland Aehnliches erreichen? ...."

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