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Zion · 1930-06-01 · 6-7 (6.1930) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
6-7 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 89 (sequence 23)
Language
German
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Nr. 6/7 Z I 0 N Seite 89 dieses Sefer schreiben zu dürfen. Und immdr, •nachdem der Chawcr, der dann die Bracha für die einzelnen machte, geendigt hatte und die einzelnen schrieben, setzte die am anderen Ende des Zimmers befindliche Musikkapelle ein, die schönsten Horramelodien zu spielen, nach denen dann gleichzeitig in der Mitte des Zimmers alte Fraueiii und Männer, die eigens zu dem Zweck gekommen waren, chassidische Tänze tanzten. Da das Zimmer, in dem all dieses stattfand, mit bunten Ketten und Lampions ausgeschmückt war, machte das Ganze für den, der nicht tiefer auf die Ursache, aus der aus sich das alles ereignete, sah, den Eindruck eines Karnevals. Für 9 Uhr abends war ein Festzug durch die Straßen zum Beth Plaknesseth Hagadol angesetzt; es hatten sich bis dahin viele Hunderte von Menschen eingefunden. Aus Tel- Aviv fehlte wohl kein einziger der Chawerim des Poel Hamisrachi und selbst die ihm angehörenden nntai» hatten sich vom Dienst befreien lassen und waren zur Feier erschienen. Aber nicht allein aus Tel-Aviv, sondern auch aus vielen benachbarten Kolonien waren Festteilnehmer in großer 'Zahl erschienen. Erst kurz vor 10 Uhr wurde man mit dem Schreiben fertig: man hatte absichtlich es so lange hinausgeschoben, damit auch die Spätkominenden noch Gelegenheit haben sollten, an dem Sefer des Poel Hamisrachi mitzuschreiben, um sie teilhaben zu lassen an deimxo und vielleicht auch ein ganz klein wenig, um die Fiaster nicht zu verlieren, die sie tür die nixa -»villig bezahlten. Also um 10 Uhr erschien dann Raw Usiel auf dem Dach des Beth Poalim — durch den Schein der Fackeln hell beleuchtet und weithin sichtbar — und hielt eine Ansprache an die auf dem Platz' vor dem Beth Poalim Versammelten. Nach ihm verlas ein Chawer des Poel Hamisrachi die ßegrüssungen der verschiedensten Organisationen und begrüßte dann im Namen der Poel Hamisrachi Tel-Aviv die Erschienenen; mit starken, aus dem Herzen kommenden Worten wies er darauf hin, was für uns „Thora wa Awodah" und ..Awodah im Thora" bedeute, wie dieses zwei voneinander untrennbare Begriffe seien; und als er noch redete, 'hörte man bereits vom Hause her Singen und Tanzen und R a w Usiel, mit dem neuen Sefer auf dem Arm, umringt von einer Schar Bachurim, kam die Treppe herunter unter die Chuppah und der Zug, der sicherlich — zu solch später Nachtstunde — noch 3000 Menschen zählte, setzte sich in Bewegung. Singend, tanzend, unter Begleitung der Kapelle, so zog man den langen Weg zum Beth Haknesseth Hagadol, alle Fenster und Balkone öffneten sich und Hedadrufe erschallten von den Fenstern, vor manchen Häusern waren brennende Menoroth zum Zeichen der Ehrung für die neue Thorarolle aufgestellt, eine Anzahl kräftiger Chawerim hatte große Mühe, während des ganzen Weges zum Beth Flaknesseth in einem weiten Umkreise die Leute zurückzuhalten, daß.' sie nicht zu nahe an das neue Sefer mit ihren Tänzen herankamen. Als man kurz vor dem Beth Haknesseth angelangt war. kamen etwa 30—40 Thorarollen der „Neuen" entgegen, um sie abzuholen und weiter tanzend gingen alle zum Beth Haknesseth. das in hellem Lichterglanz strahlte und in dem bereits wieder Hunderte von Menschen warteten. Erst vor drei Wochen war das Beth Haknesseth Hagadol in Tel-Aviv. gleichfalls unter starker Beteiligung der ganzen Stach, der Oeffentlichkeit übergeben worden und das ganze äußere Aussehen dieses Beth Flaknesseth paßte wieder besonders gut zu der Stimmung, die von den Gesichtern aller Anwesenden deutlich zu erkennen war: jeder einzelne feierte mit. als sei es sein höchstes Fest, der Geburtstag seines Kindes. Im Beth Haknesseth wurden weitere Ansprachen' von Raw Usiel. Chawcr Schragai. als Vertreter des Brith (Jlamith schel Zeire-Hcchaluz we Hapoel Hamisrachi. und Dir. Pinkas. als Vertreter des Waad Beth Haknesseth Hagadol. gehalten, es folgten dann Umzüge mit den Setanni. Gesänge des Chasan, Einheben der Sefarim und als Schluß der Feier im Beth Flaknesseth die ,.H a t i k w a h", die von allen gesungen wurde. Aber des Feierns war noch nicht genug, noch um 12 Uhr nachts gingen ein großer Teil der Festteilnehmer in das Beth Poel Hamisrachi zur Seudalh Mizwah und man verbrachte dort unter Gesang und Tanz noch einige Zeit. Und dann ging man nach Flause; voll befriedigt: von dem schönen Tag und mit dein. Gefühl, daß doch nur hier in Erez-Israel die Heimat der Thora ist. und daß man nur hier in würdiger Weise für sie arbeiten und sie feiern kann. Ein neues Kulturwerk in Palästina. Am Ausgange des Pessachfestes wurde in Jerusalem, im Flause des Misrachi-Lehrerseminars, eine neue große Bibliothek eingeweiht, über deren Vorgeschichte und Bedeutung hier etwas erzählt sei. Aelteren Frankfurtern ist die Persönlichkeit von L i e p m a n P h i 1 i p p P r i n s noch wohl in Erinnerung. Ursprünglich Kaufmann im holländischen Arnheim. später 'in Amsterdam, hat teer sich bereits im vierten Lebensjahrzehnt, als wohlhabender Mann vom Geschäft zurückgezogen und ganz dem Thoralernen sowie jüdisch-wissenschaftlicher Beschäftigung gewidmet. L'm das Jahr 1S90 übersiedelte er, nicht allzu weit vom 00. Lebensjahre entfernt, nach Frankfurt a. M.. weil er dort den Inbegriff seines jüdischen religiösen Ideals zu finden hoffte. Er hat dort noch beinahe drei Jahrzehnte gelebt und gelernt, hochgeachtet von allen Kreisen und ein Quellpunkt lebendigen Thorajudentums. Seine Novellen zum babylonischen Talmud gelten

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