Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 82 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 82 Z I 0 N Nr. 6/7 und daß das Leben selbst die nötigen Differenzierungen und Reglungen schaffen wird. Dich eb r ä i s c h lesende J u d e n h e i t in der Diaspora könnte allerdings diesen Prozeß durch ein größeres und tätigeres Interesse an dem hebräischen Buche erheblich beschleunigen. Grenzt man die Gebiete der großen Yerlagshandlungen voneinander ab. so kann man sagen, daß der D w i r und neben ihm die zum Teil selbst publizierenden Institute der Universität und des Waad Halaschon wissenschaftlich führen, daß der O m o n u t h-Y e r 1 a g für Kinder- und Jugendliteratur, für Schulbücher und Schulmaterialien sein Bestes zu tun versucht und daß der Stvbel- Verlag für Uebersetzungen aus der großen Wellliteratur und für die hebräisqhe Belletristik noch immer an der Spitze stellt. Neuerdings sucht sich das hebräische Buch in Erez-Israel noch ein uraltes und doch erst wieder zu eroberndes Gebiet: die heiligen Bücher. Der Omonuth-Verlag hat einen, mit besonderer Sorgfalt gedruckten Siddur 'eo whhvj und eine künstlerisch ausgestattete Hagadah auf den Markt gebracht. Chamoschim, Machsorim und — a»2n Inn«;nn« — der Tenach sind in Vorbereitung. Dieser Anfang wird die Buchindustrie in Palästina einen Schritt vorwärts bringen und! für viele Hunderte jüdischer Familien neue Arbeit schaffen, wenn er zielbewußt und erfolgreich fortgesetzt werden kann. Dazu gehört allerdings, daß die immer wachsende Schar von Palästina-Freunden in der Diaspora dafür sorgt, daß in keinem jüdischen' Hause und in keiner Synagoge der Chumisch und der Siddur. der Machsor und der Tenach aus Erez- Israel fehlt. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß auch der größte halachische Verlag, der der Wwe. und Brüder R o m m in Wilna gehört, sich mit dem Gedanken tragen soll, nach Palästina zu übersiedeln. „Die Thora kehrt in ihre alte Gaststätte zurück". Wenn der Schein nicht trügt, so werden wir wenigstens auf diesem Gebiete bald sagen können: .D'tart'o 'n -um min ssn ]v»xo Lea und Abraham. Von Dr. E. M. Zweig-Jerusalem. Glaubt nicht, daß Euch jetzt eine romantische Liebesgeschichte aufgetischt wird, etwa Tristan und Isolde ins Palästinensische übersetzt. Er und Sie haben miteinander nur das gemein, woher sie stammen, wo sie ihr Tagewerk tun und was ihr Wert ist. Sie stammen wie ich und Du vom uralten und ewig jugendlichen Baum des jüdischen Volkstums und hausen überdies beide in Schamaa, einer der kläglichen Vorstadtsiedlungen Jerusalems, wo die heimatsüchtigen orientalischen Juden sich festzuklammern pflegen. Schamaa liegt sozusagen am Eingang zur Hölle, seitlich der Fahrstraße vom' Bahnhof zum Jaffator, dort wo neben der Brücke? das Gehinnom sich niedersenkt, um seine Abwässer ins Kidrontal zu leiten. Ein wirres! Gemenge baufälliger Hütten im Rinnsal und an den beiden Steilhängen dieser düsteren Schlucht. Hier hat die hohe Town Planning Commission jede Macht verloren. Alles steht und fällt da, wie es will. Nebst Stein und Ziege! ist hier jede Art Baustoff verwertet: Lehm und Holz. Glas und Blech, besonders Blech. Dazu phantastische Tünchen: die grellsten Farben schreien durcheinander und doch scheint das Ganze ein schwermütiges Grau zu überschweben. Hier sitzen Juden aus dem letzten Winkel Afrikas und Asiens und mitten zwischen ihnen in den besseren Häusern, Araber der ärmeren Schicht. Diese Juden fristen ihr Dasein karg, ehrlich und genügsam von der Mühe ihrer schwieligeil Hand. Frühmorgens vom Gebet daheim hinaus zur Arbeit, spät abends von der Arbeit draußen heim zum Gebet. Ein Teil der Juden von Schamaa nun lebt mit ihren Volksgenossen in der „Gartenstadt" Talpioth. die sich zwei Kilometer entfernt am Hügel nach Bethlehem ausbreitet, in einer Art Symbiose. Schamaa stellt Dienstmädchen, Wäscherinnen, Gartenknechte und sonstige Hilfskräfte für Talpioth und unter ihnen auch unser Paar: Lea uac Abraham. Den Damen der Vortritt. Denn ja. es sei gleich gesagt. Lea i s t eine Dame, ein hochadliges Wesen. Du siehst es ihrer schlichten Gewandung, die rein aber schäbig ist, nicht gleich an; auch nicht' ihrer schmächtigen, leicht gebückten Gestalt; die olivenblassen, eingefallenen Wangen unter den vorstehenden Backenknochen sind abgehärmt und das dünne Haar ist an den Schläfen sorgengrau. Doch die Augen! Sie strahlen in ihrem melancholischer Schimmer aus mandelförmigem, schw arzbewimpertem Rahmen den Zauber einer schönen Seele wieder. Woher ich Lea kenne? Hilft sie doch meiner Frau bei der Hausarbeit; kommt! je nach1 .Bedarf ein- oder zweimal wöchentlich für einet? Halbtag zu uns, Boden reiben. Fensler putzen.. Wäsche waschen, und wo es sonst; hart zugreifen gilt. Sie hat kein frohes Leben hinter sich. Mit 23 Jahren ließ sie ein Handwerker in Kairo als ■Witwe mit vier Kindern mittellos zurück. Von Stund an hat sie das anvertraute Menschengut durch ihre Arbeit, erhalten und drei davon glücklich hochgebracht. Als ihr Vater und die Brüder nach Jerusalem hinaufzogen, schloß sie sich gern ge-