Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 80 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 80 Z I 0 N Nr. 6/7 für sich, darf nicht glauben, daß deshalb sein Wort nicht wirkt. Es wird von Freund und Feind gewertet, und wenn es keine andere Wirkung hätte als die, daß es das Ansehen der berufenen Führer untergräbt oder den Gegnern des; jüdischen Palästinaaufbaus die Möglichkeit gibt, sich für Magnes gegen den Zionismus (nicht gegen Weizmann) zu entscheiden — nicht etwa weil sie ehrlichen Herzens Magnes' Ziele verwirklichen, sondern durch ihn — gegen ihn — unsere Sehnsucht vernichten wollen — so würde das mehrfach genügen. — Was die Debatte über Majorität angeht, so könnte sie zurücktreten, wenn nicht immer wieder die Festlegung auf eine qualifizierte Minorität uns entgegengetragen würde. Das bedeutet mindestens ein gewaltsames Stoppen eines normal wachsenden Organismus, eine von außen erzwungene Wachstumshemmung, die zur Krankheit des Volkskörpers führen kann. Noch schlimmer aber als die ja vorläufig in weiter Ferne drohenden Gefahren des plötzlichen ,.Das Ganze halt" bei Erreichung der 40—45-Prozent-Grenze der jüdischen Bevölkerung, ist die schon für die Gegenwart zu befürchtende Wirkung. Wer gibt uns die Sicherheit, daß man nicht von außen her früher die Tore schließt und sagt: Euer Nationalheim ist fertig, und das, bevor 40 Prozent erreicht sind. Und wird die innerjüdische Kraftanstrengung ausreichend sein, wenn Schranke auf Schranke sich erhebt? IV. Es widerstrebt mir nachzuweisen, wie hoch und groß unser Ethos ist, die wir nicht dem Brith Schalom angehören. Ich finde, Simon sollte etwas maßvoller sein. Seine eigenen Bemerkungen im Aufsätze über Magnes, die sich an die zahlreichen Zitate anschließen, und die Berichte über seine Vorträge wimmeln von Ausdrücken wie u t op i s c h, pseudomessianisch, s a b b a t i an i s c h, b 1 a s p h e m i s c h, wenn er die Richtungen kennzeichnet, die nach ihm in die Irre' gehen. Ich will ihm auf dass Gebiet nicht folgen, obgleich ich diese Wertungen für ebenso gefährlich wie ungerecht halte. Wir zitieren gar nicht so oft Prophetenworte und wenn, dann gewiß nicht in blasphemischer Absicht oder aus Blasphemie heraus. Wir fühlen uns durchaus als Sünder, aber nicht vor unseren besserwissenden, ein wenig hochmütigen Gegnern. M i t diesen stehen wir vor einem Höheren als Irrende da. Fehler mag die zionistische Politik begangen haben. Sie hat aber immer ihre feierlichen Erklärungen gegenüber den Arabern ernst gemeint und ist jetzt ganz •ernst dabei, Wege zu finden, die die Fortführung unseres Werkes in Einklang mit jeder weitgehendsten berechtigten Schonung, Entschädigung etc. der Araber, die durch das Siedlungswerk eventuell getroffen werden könnten, gewähr^ leisten sollen. Ein mehr an Altruismus ist gewiß notwendig, und wer uns ihn lehrt, wird immer willkommen sein. Aber wir werden über die Integrität unseres Werkes wachen, das doch mit allen seinen Irrungen und gelegentlichen Entgleisungen von keiner anderen historischen Anstrengung eines Volkes erreicht oder gar übertroffen wird. Es sind Antriebe stärkster jüdischer Religiosität, die uns gebieten, das Werk der nationalen Wiedergeburt groß zu errichten. Religiös sind die Emotionen, die uns erfüllen, wenn wir am, Bau arbeiten, und selbst; weit in das Kognitive strahlt. Religiosität, ein. Aber das Wesen der Religiosität ist nicht Deklamation, sondern Keuschheit, und so wollen wir möglichst unpathetisch, aber ernst Zion bauen und in Freundschaft zu der Brüdernation der Araber nie vergessen, was ein Mensch dem Mitmenschen, eine Nation der Schwesternation schuldet. Wir bestreiten weder Magnes noch Hans Kohn die Religiosität. Sie hat die unsere nicht verdrängt und zu Boden geworfen. Sie hat eine andere Ausprägung. Wir achten die Gesinnung, aus der sie stammt, fürchten aber, daß durch die Haltung und Lehre dieser Männer Positionen preisgegeben werden, die unentbehrlich sind. Nie werden wir auf die ethische Haltung der Nation verzichten. Aber während das Individuum sich aus der Geschichte fast völlig ausschalten und doch leben und sittlich reden kann, ist der Platz eines Volkes in der Geschichte. Und so ist das Problem demnach uns gestellt: sittlich zu schaffen, in der Geschichte. Das historische Schatten muß aber die Ausmaße haben, die ein Verharren und Gedeihen im Raum der Geschichte ermöglicht. Deshalb ist kulturelles Zentrum" nicht hinreichend. Das hebräische Buch in Palästina. Von S c h o c h a nah P e r s i t z, Tel-Aviv. Der außerordentliche Schaffensdrang, der ein Kennzeichen unserer jüdischen Renaissance-Bewegung und des Zionismus ist, hat auch auf dein Felde des jüdischen Buches eingesetzt. Vor etwa 5 Jahren übersiedelte, der Verlag ..Dwir" aus Berlin nach Erez-Israel, vor etwa 4 Jahren folgte, ihn» der Verlag ..Omonuth" aus Homburg v. d. Höhe, vor 2 Jahren begann schließlich auch der Stybel- Verlag teilweise in Palästina zu arbeiten, bis er jetzt seine gesamte Tätigkeit dorthin übertragen hat. Außer diesen 3 großen Verlagshäuscrn existiert in Palästina noch eine Reihe kleinerer, wie Mizpah, Tarbuth, Dawar, Koheleth, Kupath Hasefer. Alle diese Firmen bemühen sich redlich, jede nach ihrem Können und ihrer Eigenart, unsere Literatur zu bereichern. Der palästinensische Büchermarkt, der höchstens 1000-1200 Käufer für jede«