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Zion · 1930-06-01 · 6-7 (6.1930) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
6-7 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 79 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6/7 Z I 0 N Seite 79 nun zurück müssen in die Heimat, und daß Außerordentliches geschehen muß, um diese Rückkehr schnell und in großem Ausmaß zu ermöglichen. II. Aber Magnes' Auffassung von Erez-Israels Stellung im Zusammenklang der jüdischen Grundfaktoren weicht erheblich von der unseren ab. Ob dieser Unterschied zu der unterschiedlichen Hallung in der Politik führte, oder ob diese Palästinas Rolle bei Magnes einengte, will ich nicht entscheiden. Es gehört fast zum Urerlebnis des Zionismus, daß unser Land unsere Lebensfähigkeit heute und künftig bedingt. Ich kann leider dieses schwerwiegende Problem nicht in extenso behandeln, glaube aber, daß in weitesten Kreisen darüber Einstimmigkeit herrscht, daß der Lauf der Geschichte eine Konstellation herbeigeführt hat. die dem Land die Schicksalsrolle für die Existenz der Nation und der Lehre zuerteilte. Ohne daß wir die Diaspora preisgeben, sehen wir sie aufs schwerste gefährdet. Auch hier weicht Magnes ab: er preist die Gola und -insbesondere die amerikanische Judenheit, die er. allen Mängeln zum' Trotz, in Lebensiiille erschaut. Natürlich verkennt Magnes Palästinas Bedeutung nicht völlig. Aber wiederum begegnen wir einem Gedankengang, den wir für bedrohlich halten: Wenn das Experiment, sagt er. diesmal — was Gott verhüte — jetzt mißlingt, so wird es einen anderen Zeitpunkt finden. Hier erfüllte unsi bisher mit starker Gewißheit der Glaube, daß die Einmaligkeit im Geschichtlichen eine ungemein ernste, bedrohliche Sache sei. Es erscheint mir beinahe trivial und unerlaubt vertrauensselig, sich und uns auf einen anderen Termin zu vertrösten, falls das Werk mißlingt. Eben d es h a 1 b darf es nicht m i ß 1 i n g e n. weil wir z i 11 e r n. es möchte eine unwiederbringliche Gelegenheit i! n g e n u t z t. v o r ü b e r g e h e n. Es ist kein Mangel an Glauben, diese Befürchtung zu hegen. Aus tiefster Religiosität kann die Sorge fließen, daß nur einmal dem jüdischen Volke historisch eine Chance gegeben sei, und daß ein Versagen uns endgültig in die Zerstreuung zurückstoßen würde. Weil diese Erkenntnis von Palästinas ausschlaggebender Bedeutung für das Schicksal von Volk und Thora überhaupt und in unserer Zeit insbesondere uns allen gehört, in uns gewachsen und nicht von uns erzwungen, deshalb nur gelang der Bewegung so Großes. Wie sollten wir der Skepsis eines Mannes zuliebe die seelische Grundlage unserer jüdischen Attitüde preisgeben? Sollte nicht aber umgekehrt selbst ein Skeptiker, der nicht die Vorrangstellung Palästinas wie wir erfaßt, dem das Verhältnis der Heimat zur Diaspora sich anders darstellt, dem Erez-Israel nur Wert unter Werten ist, die Notwendigkeit erkennen, die Fiktion zu schaffen, daß Palästina so gewertet werden muß, wie wir es lehren? Die Desillusionierung. die gewisse Kreise anstreben, hat hier längst das politische Gebiet verlassen und auf die Grundlagen übergegriffen, die man nicht untergraben kann, ohne alle Voraussetzungen unserer Bewegung und unseres Werkes zu erschüttern. Die Beziehung zum zionistischen Wollen und Sein, die aus Magnes' Darstellung hervorleuchtet, mag interessant sein, die müde, etwes blutarme Haltung, die sich sehr aristokratisch gibt und es vermeidet, in die Mitte des Volkes hinabzusteigen. Aber das ist gewiß, aus einer Gesinnung, wie der Magnes' wäre nie die zionistische Bewegung geboren worden — nicht nur das nicht, was ihm und anderen als Ueberschwang erscheint: selbst die Form, die er will, ist. nur möglich auf den Schultern der Organisation, die größeren Aspirationen Entstehung verdankt. Aber auch fortführen läßt sich ein Werk nicht mit der seelischen Nahrung, die uns hier vom Skopus gereicht wird. III. Es wird der Welt suggeriert, daß die zionistische Organisation aus Revisionisten und Pseudorevisionisten und Anhängern des Brith Schal Dm besteht, zwischen denen eine Schicht steht, die aus der offiziellen Führung und einer ziemlich .amorphen Gruppe besteht, die nicht recht weiß, wie sie die Realitäten in Palästina meistern soll. Damit wird eine völlig irrige Vorstellung erzeugt. In Wirklichkeit geht der politische Führer den schweren dornenvollen Weg zwischen all den Hemmnissen, die auf unserem Wege liegen, und viele folgen ihm mit Vertrauen. Er und sie wollen das national home verwirklichen und dennoch das Werk nicht mit Unrecht beflecken. Die Minimalisten und Maximalisten könnten sich brüsten, daß sie Grundsätzen treuer geblieben sind, daß sie kein Deut ihrer programmatischen Forderungen aufgaben. Wir anderen wissen, daß wir Geschichtliches zu leisten haben. Vielleicht wird dereinst die Linie Weidmanns sich auch geschichtsphilosophisch gesehen, größer erweisen als die seiner Widersacher. Ex hat Perspektiven, aber er weiß, empirisch; zu verfahren. Er redet nicht viel und nicht bombastisch,; aber er handelt. Ich wage die Behauptung, daß in dieser Arbeit, schweigend, duldend aber doch handelnd, zäh und unentwegt schreitend, sich mehr Ethos offenbart als in Proklamationen und Theorien. Der Staatsmann, der wirklich sittlichen Impulsen folgt und sie in seinem, dem geschichtlichen Bezirk angehörigen Tun maßgebend sein läßt, trägt zum Siege der Sittlichkeit mehr bei als der Verfasser ethischer Bücher.- Der, wie Magnes, erklärt, er spreche lediglich

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