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Zion · 1930-06-01 · 6-7 (6.1930) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
6-7 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 78 (sequence 12)
Language
German
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Seite 78 Z I 0 N Nr. 6/7 keit auch des quantitativen Wachstums, die Alternative aufstellt: ..Aber lieber klein und armselig und treu dem Judentum, als groß und mächtig gleich allen Völkern". Ist auch Euer Zionismus nur der überkompensierte nationale Minderwertigkeitskomplex, der nun alles haben muß, was er im Galuth nicht hatte? Bejaht Ihr die Frage: ..Wie alle Völker .. ."• und leugnet das auch von Magnes zitierte Wort aus dem Alenu-Gebet, ..daß unser Teil nicht ist wie das ihre und unser Los wie all ihre Massen"? Steht es so? Dann laßt Euch von dem liberalen Juden beschämen. Ihr rabbinischen Juden, und hört noch das letzte Wort seiner politischen Theologie, das ihren Kern wahrhaft formuliert: ..Für. das jüdische Volk wird niemals ein hohes Ziel niedrige Mittel rechtfertigen. Dazu sind wir zu lange i n der rabbinischen Tradition aufgezogen worden". Bemerkungen zu Dr. Simons Artikel „Für Magnes". Von Dr. Oskar Wolfs b e r g. Ich entspreche einem Wunsche Dr. Simons, wenn ich zu seinen Ausführungen hier und jetzt Stellung nehme. Nur ungern tue ich es. Es mag Simon am Herzen liegen, ein Bekenntnis zu Magnes abzulegen. Für mich aber liegt kein unmittelbarer Anlaß vor. die Kontroverse an einen N a m e n, an den Namen Magnes, anzuknüpfen. Es ist eine Verschiebung der Problemlage, mindestens eine Akzentverlegung, wenn zum Schlachtruf der Name eines Mannes wird, dem Herr Simon gern freudig zujubelt, den zu höhnen oder herabzuziehen ich weder den Anlaß noch den Wunsch' habe. Ferner aber ist für mich — und1 vermutlich auch für andere — die Stunde noch nicht gekommen, einen politisch-theologischen Traktat zu schreiben. Am' wenigsten aber will mir die Pol d in i k als der geeignete Ausgangspunkt dafür erscheinen. Simon identifiziert sich, wie es scheint, mit Magnes. Es ist darum nicht nöri.g. in der Auseinandersetzung beide zu trennen. Simons Aufsatz über Magnes ist nur Glied in der Kette seiner Kundgebungen zu den Problemen des Zionismus, iasbesondere zur Kritik der Sittlichkeit unseres Werkes. Es kann daher nicht lediglich bezug auf den obenstehenden Artikel genommen werden. I. Ich will nur einige Bedenken hier äußern, die Magnes' Einstellung, wie sie in seiner Broschüre „Like all the nations" erkennbar ist, erweckt. Da ist zunächst die Unterschätzung der Bedeutung der Balfour-Deklaration und des Mandats. Es könne, meint Magnes, uns nichts geben, als worauf wir auch sonst im Namen der Gerechtigkeit Anspruch hätten: das Recht auf Einwanderung, Bodenerwerb und freie kulturelle Entwicklung-. Dafür sei die Gefahr groß, daß das Mandat uns zum Fallstrick werden könnte, falls staatspolitischc Notwendigkeiten Großbritanniens zu einer Revidierung der ursprünglichen Haltung der Mandatarmacht nötigten. Warum verkennt Magnes die positive Bedeutung des Mandats? Daß nur auf diesem Wege, unser Anspruch auf unsere Heimat Gemeingut, der Staaten und Völker wurde, daß er zu einer internationalen Verpflichtung ward? Und was ist sündhaft an dein Tatbestand, daß uns Juden in bezug auf Erez-Israel eine Art Privileg zuteil wurde, Privileg nicht zuungunsten der Araber, wohl aber zugunsten der Errichtung der nationalen Heimstätte? Das ist nämlich der Unterschied zwischen Magnes und seinen Anhängern auf der einen und uns auf der anderen Seite, daß wir in der Balfour- Deklaration die politische Sicherung des Zieles — soweit so etwas möglich ist — beschlossen sehen, wählend der von Magnes auf Palästina erhobene Anspruch dieser Forin der Anerkenntnis durch die Welt entbehrt bzw. auf sie leichten Flerzens verzichten möchte. Gegenüber allen Anfeindungen unseres Werkes, können wir auf ein historisches Dokument hinweisen, das die durch die ganze Geschichte hindurch vom Genius der jüdischen nie aufgegebene Forderung aktualisiert und in den Bereich der Verwirklichungen bringt. Man kann natürlich den Großmächten, dem Völkerbund und allen Zusicherungen mit größter Skepsis gegenüberstehen, und manches berechtigt zu Mißtrauen. Aber wie glaubt, man dann überhaupt' das zionistische Streben realisieren zu können? Und warum häuft man alle Skepsis und Schwarzseherei immer dort, wo sich politisch ein Weg für uns ankündigt. Auch die Forderungen Magnes! lassen sich nur in der Welt der politischen Wirklichkeit durchsetzen. Ist er sicher, daß die von ihm gewünschte Interpretation der Balfour-Deklaration alle Widerstände beseitigen würde? Wir meinen, daß eine Interpretation, wie er sie formuliert, sehr unklar ist und leicht als ein Verzicht gedeutet werden könnte. Denn wir fordern die Mitwirkung der Mandatarmacht und der Welt, nicht etwa in dem Sinne, daß die arabische Bevölkerung bedrängt werden soll, sondern daß das aus den Notwendigkeiten unserer jüdischen Existenz und dem gerechten Spruch der Geschichte fließende Postulat der Heimstätte Tat werde. Hier nun alle Sicherungen einzuschalten, die die arabische Bevölkerung beanspruchen darf, ist die wahre sittliche' Aufgabe. Aber Klarheit muß darüber bestehen, daß wir, das einzige wurzellose Volk der Geschichte,

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