Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 77 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6/7 Z I 0 N Seite 77 Gemeinschaft undenkbar. Dieses System eines binationalen Staates ist durch ein ewiges Mandat zu schützen, wobei die „besondere und tiefe und einzigartige Verknüpfung dieses jüdischen Volkes sui generis mit diesem Lande sui generis" durch ein. parlamentarisches Zweikammer-Systcm zum Ausdruck kommen möge: das Unterhaus aus gewählten, Vertretern bestehend, das Oberhaus aus je gleichviel Juden, Arabern und Engländern zusammengesetzt, in Analogie zum amerikanischen Senat. II. Dies ist. in gekürzter Wiedergabc. die das L.'sen nicht cisparen, sondern es anregen soll, das System von Magnes, das sich in vielen entscheidenden Punkten mit den längst vor den Unruhen seitens des Brith Schalom veröffentlichten Verfassungsentwürfen berührt. Ich will vor denn. Leserkreis dieser Zeitschrift die eine Hauptfrage stellen: Wie sollte die Haltung des religiös bestimmten Juden zu Magnes sein? Auf dem Titelblatt der Broschüre steht das Motto aus II Sani. VII.23: ..Ein einzig Volk". Magnes Kampf gegen den falschen Messianismus stützt sich auf die Argumentation von; Rabbi Kuck vor der Untersuchungskommission. Leber unsere grundsätzliche Einstellung zu Recht: und Unrecht im Völkcrleben sagt Magnes wörtlich: .,Israels Frage ist immer und wird, ob wir es wollen oder nicht, immer sein: Sind meine eigenen Hände rein von Blut? Nicht: Sind seine Hände1 rein? Habe ich ihm Unrecht getan? und nicht: hat er mir Unrecht getan?" Ueber die traditionelle Zionsliebe sagt er: „Gab es jemals in der Geschichte eine solche Sehnsucht, wie die Jahrhunderte lang währende Sehnsucht Israels nach seinem geheiligten Boden?" Ueber die Beziehung zwischen Volk, Land und Thora. die ihm, gleich dem Programm des Misrachi, die drei Grundfesten des Judentums sind, meint er, „daß das Volk undi die Thora auch ohne das Land existieren und schöpferisch sein können . . „ daß jedoch das Land eines' der Hauptmittel1, wenn nicht das Hauptmiltel zur Wiederbelebung und Vertiefung von Volk und Thora, ist." Freilich: einen jüdischen Staat: braucht das ewige Volknicht; freilich: die Judenfrage wird Palästina, nicht lösen, die unwiderrufliche historische Tatsache der Zerstreuung wird es nicht aufheben. Beide sind nötig, das Zentrum Palästina und der Umkreis der Diaspora, aber „Palästina als Wirklichkeit ist selbst die Pergamentrolle, auf die unsere Geschichte geschrieben und vor uns hingebreitet ist." Und drei große Dinge hat dieses heilige Land uns schon jetzt gegeben: das lebendige Hebräisch, die Rückkehr zum Boden und den mutigen Versuch modernster städtischer Jugend, „eine Synthese zwischen dem Radikalismus ihrer sozialen Anschauung und ihrem überkommenen Judentum zu verwirklichen." Volk, Thora und Land — und nun Thora Weawodah! Besinnen wir uns doch! Hat es' nicht immer zwei Arten von Zionismus gegeben, einen der jüdischen Leerheit, der Verzweiflung, der Negation, der Assimilation, und einen der jüdischen Fülle, oder, um mit Magnes zu reden, den Zionismus, der „aus einer positiven, hoffnungsvollen Beziehung zu der ungeheueren, einzigartigen Tatsache deir Diaspora. .. geboren ist"? Und was darf einzig und allein der Zionismus eines gesetzestreuen Juden sein, jener negative oder dieser positive? Wenn aber nur dieser, so darf unsere Palästinapolitik nicht von der sabbathianischen Angst beherrscht werden, „daß das jüdische Volk ohne Palästina ausstürbe oder dem Untergang geweiht wäre." Kein, frommer Jude kann das glauben! Freilich: Magnes ist kein Orthodoxer, er ist ein Liberaler. Und ebenso wahr: man kann ein System jüdischer Politik, das traditionell heißen dürfte, nicht aus einzelnen aggadischen und ethischen Aussprüchen zusammensetzen, sondern müßte in die Tiefe der Halacha niedersteigen, ohne freilich das zu vernachlässigen, was als consensus omnium der Aggadah gelten darf. Aber vielleicht hängen diese beiden scheinbaren Einräumungen untereinander kausal zusammen? Vielleicht ist Magnes, dieser glühend jüdische Mensch, ein Liberaler geworden oder richtiger: wieder geworden und mußte es werden, weil die Orthodoxie bisher keine Antwort, auf die Frage gegeben hat, was denn jüdische Politik sei, und sich trotzdem in' die Politik verstrickte? Weil sie es dem gesetzlos religiösen Juden H a n s K o h n überließ, die „Politische Idee des Judentums" zu entdecken? Weil sie die alte, alles umfassende, einheitliche Weltanschauungstendenz des großen traditionellen Judentums preisgegeben hat, gerade in den zentralen Lebensgebieten preisgegeben hat, auf die es iii dieser Geschichtszeit ankommt: in Wirtschaft und Politik. Gewiß: jene» Liberalen, jene Untraditionellen, jene Sucher in unserem eigenen Lager — sie haben keine halachisch erweisbare Ansicht über das Wesen jüdischer Politik, sie können ihre glühende Ahnung nicht in das System gesetzlicher Entscheidungen gießen. Aber wo ist denn Euere Antwort, Ihr Sicheren und Festen, Ihr Führer und — Ihr Politiker? Solange Ihr sie nur mit Eueren unguten Taten und Eueren blasphemisch, weil unverwirklicht sie begleitenden Prophetenzitaten gebt, solltet Ihr ehrfürchtig schweigen vor dem Rufe des Außenseiters, vor dem Rufer in den Wrüste. Er tut Euere! Arbeit, er entsühnt Euere Schuld. Oder wollt Ihr dem widersprechen, wenn Magnes. nach kräftiger Betonung der Notwendig-