Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 76 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 76 Z I 0 N Nr. 6/7 erwerb und freie kulturelle Entwicklung; doch zwinge sie ehrliche Menschen nicht, das Selbstbestimmungsrecht in Palästina anders als in der ganzen Welt zu interpretieren. Das war 1921, nach den Peßach-Unruhen. Es folgen drei Jahre rein kultureller Arbeit am! Aufbau der hebräischen Universität, in der Illusion, es sei möglich, sich, bei unverändert fest-, gehaltenen Ueberzeugungen, von der Politik frei halten zu können. Der jüdisch-arabische nationale Antagonismus, der dauernd steigt und schließlich zu den August-Unruhen führt, weckt erneut die Erkenntnis, daß Politik Menschenleben bedeutet und zwingt zum Eingreifen. Das geschieht zunächst in einem Interview und einem Telegramm an den New Yorker „Tog", mit dem .Vorschlag, Palästina weder zu einem jüdischen noch zu einem arabischen Staate, sondern zu einem binationalem Lande zu machen, das vielleicht für immer unter dem Völkerbundsmandate stehen muß. Sollte aber für den Aufbau für eine lange Periode äußere Machtanwendung nötig sein, so würde der Verlust den Gewinn überwiegen. Diese Gedanken werden näher ausgeführt in der Antwort auf einen Artikel des bekannten englischen Araberfreundes und Orientkenners Mr. Philby, der Aufrechterhaltung der Balfourdeklaration, des Mandates und jüdischer Einwanderung im Rahmen der Aufnahmefähigkeit des Landes, sowie jüdischkulturelle Autonomie, jüdische Landansiedlung und den Weiterbestand der Jewish Agency als Voraussetzung für eine demokratische republikanische Regierung mit gewähltem Parlament und Vetorecht des die Streitkräfte allein befehligenden und für die Sicherheit allein verantwortlichen Oberkommissars aufgestellt hatte. In seiner Antwort interpretiert Magnes, der ausdrücklich erklärt, nur für seine Person zu sprechen. Philbys, Begriff einer unabhängigen Regierung dahin, daß dies eine binationale Regierung als Vertretung des „heiligen Landes zweier Völker und dreier Religionen sein müsse". Der Jude muß dem Araber sagen: „Wir wollen keine politische Herrschaft; für niemanden; und der Araber muß dem Juden, sagen: Wir anerkennen das volle Recht des Juden, hier zu sein": In Palästina ist kein Raum für irgendwelche politische Herrschaft, es gehört nicht seinen tatsächlichen Einwohnern, sondern den drei großen monotheistischen Weltreligionen. Alle bisher erwähnten Zitate entstammen Artikeln von Dr. Magnes — mit Ausnahme jenes ersten Zitates aus dem Artikel von Achad Haam — und finden sich in der Broschüre „Wie alle Völker...?", nachdem sie vorher längst an verschiedenen anderen Orten gedruckt waren. Sie sind hier in chronologischer Reihenfolge erwähnt worden, während die Sammlung umgekehrt vorgeht, also rückwärts schreitet. An ihrer Spitze befinden sich Vorworte zur deutschen und zur englischen Ausgabe, mit ihren Forderungen zur Bildung einer jüdischen öffentlichen Meinung, ihrer Feststellung, daß die arabische Frage zugleich auch die jüdische Frage, die Frage nach dem Charakter des Judentums ist, nach ihrem Kampfe gegen den falschen Messianismus, für den sie sich auf Rabbi Kucks Zeugenaussage vor der Untersuchungskommission berufen darf und nach ihrer Absage an die Kriegsparole der „Einheitsfront". Das Vorwort zur englischen Ausgabe hebt noch ausdrücklich, unter Hinweis auf den Inhalt des Heftes, die Tatsache hervor, daß die jetzige Haltung des Verfassers nicht neu ist: „Sie* ist das Resultat einer Weltanschauung und einer Auffassung des ethischen Gehalts des Judentums, keineswegs aber eine taktisch oder strategisch motivierte Stellungnahme." Dann aber folgt der einzige für die Sammlung neu geschriebene Aufsatz, der ihr auch den Titel gegeben hat und der in der Tat der ausführlichste und wichtigste Beitrag in dem Hefte ist. Der Aufsatz „Wie alle Völker...?" faßt zunächst noch einmal zusammen, daß die positiven Forderungen des Zionismus heißen: Einwanderung, Ansiedlung auf dem Lande, hebräisches Leben und hebräische Kultur. Sind sie garantiert, so kann man auf Judenstaat und jüdische Majorität verzichten und einer gesetzgebenden demokratischen Verfassung zustimmen, mit der Aussicht, im Laufe; einer sehr langen Periode einmal eine Million Seelen oder ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl zu werden. W7ie soll das erste Grundrecht, die Einwanderung, gesichert werden? Dadurch, daß nicht die gesetzgebende Körperschaft, sondern der Völkerbund oder das internationale Arbeitsamt die objektive Autnahmefähigkeit des Landes jeweils festsetzt. Wie die Ansiedlung auf dem Lande, der Bodenerwerb? Gleichfalls nicht durch das Parlament, sondern durch aktive Beschäftigung mit der Bodenfrage seitens des Völkerbundes, wobei freilich eingeräumt wird, daß eine kleine Anzahl von Fellachenfamilien durch die jüdische Kolonisation bereits gelitten hat, daß die Lage der Fellachen eines der Kardinalprobleme des Landes ist, daß der Jude kein Recht in Palästina hätte, wenn seine Position von der Niederhaltung des Fellachen abhinge. Dem seii aber nicht so: intensivere Methoden werden die Anbaufähigkeit steigern. Die Sicherung der hebräischen Sprache durch ihre offizielle Gleichstellung ist „ebenfalls konstitutionell von der Einflußsphäre der legislativen Versammlung ausgeschlossen", denn auch das geistige Zentrum ist ohne den Unterbau einer landwirtschaftlichen, industriellen und sonst tätigen