Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 75 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 6/7 ZION Seite 75 Zusammengehens mil den anderen Zionislen die liefen Unterschiede., die zwischen uns und ihnen bestehen, nicht verkennen. Ein Bewußtsein aber nuilJ uns bei unserer Jugendarbeit immer leiten; Nur ein jüdisches Erez-Israel garantiert für die Zukunft ein jüdisches Leben im Gallith! Bernhard Brecher. Für Magnes. Von Dr. Ernst S i m o n. Jerusalem. Sinds alle nicht, die Magnes grollten? Doch wird ihn jeder lesen? Nein! Wir wollen weniger gescholten l'nd fleißiger gelesen sein. So ist man versucht, frei nach Lessings Epigramm über Klopstock zu dichten, wenn man den Lärm um Magnes aufmerksam verfolgt und die in ihm auftretenden Parolen mit dem; Inhalt seiner Autsätze vergleicht. Es gilt beinahe als ein Wagnis, in einer zionistischen Zeitung für ihn das Wort zu nehmen: alles, was mit diesem Xamen in Zusammenhang gebracht, wird, ist sofort von einer trüben Affektwolke umgeben, aus der ein Hagel von Beschimpfungen wie ..Verräter!". „Defaitist!" usw. niederprasselt. Solche allgemeinen Massenpsychosen, seien sie nun positiv oder negativ gerichtet, verraten immer, daß etwas nicht in Ordnung ist und fordern zu besonders nüchterner und ruhiger Prüfung, auf. Sie sei in folgendem versucht, an. Hand der unterdessen auch deutsch erschienenen Broschüre von Dr. Magnes ..Wie alle Völker. . .?, Aufsätze zur zionistischen Politik''. (Kommissionsverlag Buchhandlung „Kedem", Bcrlin-Charlottenburg). I. Am 4. Siwan 5680. also im Frühsommer 1920 schrieb Achad Haam im Vorwort zur Neuausgabe seiner Gesammelten Schriften über die Balfourdeklaration und stellte fest, daß die von der englischen Regierung im Gegensatz zu dem zionistischen Antrag gewählte Formel: „die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina" statt „Errichtung Palästinas als nationale Heimstätte" zu bedeuten habe, die englische Regierung wolle „nichts versprechen, was die gegenwärtigen Einwohner Palästinas schädigen könnte". Diese Formel gebe, dem schwachen jüdischen Volke nur, „was ihm tatsächlich die wahre Gerechtigkeit zusprechen würde", da sein historisches Recht nicht das reale Recht der übrigen Landesbewohner aufhebe. Am 31. Mai 1919 sagte Juda L. Magnes in einer Versammlung der Poale Zion: „Wie mich dünkt, hat keine Friedenskonferenz das Recht, irgendein Land irgendeinem Volke zu geben, nicht einmal das Land Israel dem Volke Israel". Die jüdischen Arbeiter hätten die Pflicht, trotz dieses Danaergeschenkes des englischen Imperialismus mit dem arabischen Volke in Frieden zu leben und in Palästina eine doppelte Synthese sonst widerstreitender Elemente zu verwirklichen: zwischen einem toleranten, liberalen jüdischen Nationalismus und ihrem liefen Sozialismus, sowie zwischen Religion und Sozialismus. Im Jahre 1915 trat Magnes aus dem amerikanischen Zionistischen Executiv-Komittec aus und schrieb bei dieser Gelegenheit Worte, die er im' Jahre 1921 mit Recht als ..nicht nur von heute, sondern von gestern, aber auch von morgen" charakterisierte. Es heißt dort: ..Alles, was zu verlangen wir ein Recht haben, ist. daß es dem Juden gestaltet sei. in Palästina frei einzuwandern, sich anzusiedeln und ihr jüdisches wirtschaftliches und kulturelles Leben zu entwickeln, genau wie andere Völker des Reiches das gleiche Recht haben . . .". Als nach der Konferenz von San Remo im Mai 1020 im Zionismus eine pseudo-messianische Stimmung mit Schofarblascn und öffentlichem Psalmenbeten einsetzte, berief sich Magnes einem Freunde gegenüber auf das Wort aus den „Sprüchen der Väter: „Werdet nicht allzu vertraut mit der Macht!": er meint, das Mandat habe nur sehr wenig Realität, stellt fest, daß es leicht bei der winteren imperialistischen und militaristischen Entwicklung „zu einem verbindlichen Lächeln umgedeutet" werden könne und fragt: „Wo bleibt dann die Erlösung"? Der Imperialismus sei kein Fundament, auf dem man bauen könne, San Remo das Erbe von Versailles und die Verleugnung aller Grundsätze der Demokratie und der Selbstbestimmung. Wenn wir Zionisten im Vertrauen auf die britischen Bajonette die inneren Widerstände unserer arabischen Nachbarn zu ertragen glauben und dann einmal die englischen Notwendigkeiten eine andere Politik vorschreiben werden, so haben wir „nur Haß und Verachtung auf allen Seiten hervorgerufen .. .". Das einzige Hilfsmittel dagegen ist eine freiwillige „jüdische Interpretation" der Balfourdeklaration, das heißt die Erklärung: „Wir wollen nicht, daß die Juden in Palästina eine privilegierte Klasse werden, selbst wenn man uns dies anbieten würde." Die beste jüdische Politik sei Anständigkeit, und jüdische Politiker, die dies als „Idealismus" abtun, kennen das jüdische Leben nicht, seien als Politiker assimiliert und verleugnen die jüdische Tradition der Gerechtigkeit, wofür auch die Ungerechtigkeit der Welt gegen die Juden keine Entschuldigung sei. Diese letzten Worte sind schon 1921 geschrieben und stehen in einem Brief an den „Jewish Chronicle" zugleich mit der Feststellung, daß der ausschließlich diplomatische Kriegs-Zionismus zu Ende sein müsse und wieder einer wirklich unabhängigen jüdischen Politik Platz machen soll, deren Forderungen seien: freie Einwanderung, freier Boden-