Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 73 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6/7 Z I 0 N Seite 73 ohne eine ideologische Verwirrung der Begriffe herbeizuführen. Es ist gewiß tief bedauerlich, daß die Aguda sich dieser Teilnahme bis jetzt verschlossen hat, und man muß wünschen, daß die Freunde einer Verständigung in ihr die Oberhand gewinnen. Der Misrachi sollte aber auch bedenken, daß es sich bei der oft so wegwerfend behandelten nichtzionistischen Orthodoxie um nwoai mwa im« handelt, und er sollte die tiefe' Kluft nicht übersehen, die auch ihn von den religionsfeindlichcn Nationalisten trennt. Er könnte damit auch seinerseits viel zur Beseitigung der unseligen Spaltung innerhalb des gcselzestreuen Judentums beitragen. lrnd ich glaube, durch eine Klärung der Begriffe und eine freimütige Betonung des ideologischen Gegensatzes würde auch sein Einfluß in den zionistischen Kreisen nicht geschmälert werden. Wahrheit und Klarheit sind die Voraussetzungen auch dafür, daß unser Ziel ma uoa m' »nSu1? erreicht werde, daß die Gesamtheit des jüdischen Volkes sich wieder auf dem Boden der Thora zusammenfinde. Zur Diskussion über den „Sinn des Misrachi. Von E 1 f r i e d e Strauß, Hamburg. Es sei mir gestattet, mich zu, der Aussprache über den ..Sinn des Misrachi' :zu äußern, obwohl ich die Probleme, die in diesen Artikeln erörtert werden, nur als Außenstehender betrachte. Den Sinn des Misrachi — da ich ihn zu erfassen suchte — sah ich in seinem Streben, unse.r Land für unser Gesetz zu erringen. Ich sah mich einem Bunde gegenüber, dessen Ziel nichts Zufälliges an sich haben kann, weil es letzthin so alt ist, wie das jüdische Galuth. Die Träger dieser Idee verpflichteten sich zu der hohen Aufgabe, diesen beiden jüdischen Gegebenheiten gerecht zu werden. Die Eigenart ihrer Weltanschauung mußte in der Art, in der jeder einzelne diesen beiden Elementen gerecht zu werden, sucht, bestehen, weil in der Verbindung zweier Gegebenheiten viel vom Persönlichen des Menschen steckt. Daraus ergab Mich die Schwierigkeit, die Ideologie dieser Bewegung scharf zu fixieren. Als ich vergangenes Jahr auf der Tagung in Leipzig die aktuellen Fragen dieser Menschen mitdurchdachte, tat sich mir die Kluft zwischen Theorie und Praxis gewaltsam auf. Ohne große Mühe ließ sich konstatieren, daß die Ansichten der einzelnen Misrachisten nicht — wie ich gemeint hatte — Nuancierungen einer Idee waren. Ich fand vielmehr zwei im Grunde verschiedene Richtungen innerhalb des Bundes: auf der einen Seite den Willen mit allen Gliedern des jüdischen Volkes in Gemeinschaft zu stehen, auf der anderen -Kampfansage gegen alles nicht den Namen „Zionismus" Tragende, hier Thora als Grundlage alles Sinnens und Tuns, dort eine Thora, die erst zur Wirklichkeit werden kann, wenn dasjenige jüdische Volkstum, das Zionismus heißt, sie trägt. Es war nicht einfach, eine beiden Welten gemeinsame Basis zu finden. : Die beiden Artikel von Erich Rosenblüth! und Dr. J. Leibowitz zeigen von neuem in charakteristischer Weise dieselbe Kluft zwischen den Lebensanschauungen zweier Menschen, die doch beide als Misrachisten das Gleiche Programm vertreten. Hält es doch Herr Dr. Leibowitz für erforderlich, den Begriff Thora zu definieren, um sich mit einem Gesinnungsgenossen verständigen zu können. Rosenblüth ist Vertreter der Richtung, die der Thora im Erez wieder ihre alten Rechte verschaffen will. Er betont vor allem die Gemeinschaft mit denen, die die Thora leben und fühlt sich darum doch zur Erez-Israel-Arbeit innerhalb der großen Strömung des Zionismus verpflichtet. Man spürt die tiefe Verwurzelung mit der jüdischen Geschichte, die in seinen Worten zum Ausdruck' kommt. Im Gegensatz dazu hat Dr. Leibowitz ein neues Gebilde in der Idee geschaffen, in welchem jüdisches Volkstum und Thora zu einer Einheit verwachsen sollen. Mit dem Xamen „Thoratreuer Zionismus", den er ihm gegeben hat, will er zum Ausdruck bringen, daß das Volkstum das Charakteristische dieser Fiktion sein soll, die Thora nur das Zufällige, das nach seiner Meinung aus dem verwirklichten Zionismus entstehen muß, mit dem Zerfall des jüdischen Volkstums aber sein Daseinsrecht verliert. Diese verschiedenen Wege bedingen verschiedene Einstellungen zu den Andersdenkenden. Für Rosenblüth, der seine Anschauung in die großen Bewegungen der Zeit einordnet, kann die Beziehung sowohl zur übrigen Orthodoxie, wie zum Zionismus nicht den Charakter des Zufälligen tragen. Dr. Leibowitzs subjektive Anschauung führt ihn dazu, die Motive seiner Gegner nur im Zerrbild zu sehen. Wer sich seiner Idee nicht anschließen kann, ist sein Gegner. Und! er nimmt sich das Recht, den Gegner zu bekämpfen. Ich habe auf diese Spannung innerhalb des Misrachi hinweisen müssen, um von dieser Seite die Frage Esra-Zeire-Misrachi zu beleuchten. Es darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden, daß Rosenblüth Esraführer, Dr. Leibowitz Führer im Zeire Misrachi ist. Bisher hatte ich auf die politische Erziehung jüdischer Jugend zwar nicht mit Freude, aber immerhin mit Verständnis geblickt. In dem Glauben, daß Zeire-Misrachigruppen geschaffen wurden, um wegen der ungeheuren Wichtigkeit der Erez-Israelfrage schon die Kinder eingehend mit ihr vertraut zu machen^ hatte ich sie