Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 71 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139335-3139341--0317-3139807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 6/7 Z I 0 N Seite 71 der in sich die Verknüpfung fühlt» mit der großen Vergangenheit, soll auch heute durch den. Schekel beweisen, daß er eine große Zukunft für unser Volk herbeizuführen mithelfen will. Niemand darf ohne Schekel bleiben, nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind. Es handelt sich nicht um' den kleinen Geldbetrag, den er der Organisation einbringt, es geht um die Kopfzahl, um die Zahl' der Herzen, die in Erez-Israel Aufgabe und Ziel der jüdischen Idee verwirklichen wollen. Es handelt sich heute, darum, der Welt zu zeige n wer wir sind und was wir sind: das jüdische Volk, das um die Durchsetzung seiner historischen Rechte kämpft, Millionen von Menschen, die nicht zurückschrecken vor einer englischen politischen Konjunktur, eine kompakte Masse von Menschen, die auf ihr Recht: pochen und die nicht nachlassen werden es zu fordern bis es durchgesetzt sein wird. Die S c h e k e 1 s a in m 1 u n g sei unser Protest gegen die Suspendierung der Einwanderung, gegen den Shaw-Bericht und gegen die Augustunruhen des vergangenen Jahres. Es gibt heute keine höhere Pflicht für einen Zionisten, als sich am Aufbringen des Schekelkontingents zu bAeiligen. Di? kommenden 'Monate seien ganz dieser Aufgabe geweiht und keiner darf sich ihr entziehen. Hier liegt für alle: eine Arbeit, die direkt dem Aufbau, zugute kommt. Zionisten, Misrachislen. geht und sammelt Schekalim! A. A. Diskussion des Artikels im Mai- Heft des Zion „Um den Sinn des Misrachi". Zur Ideologie des Misrachi. Von Dr. I s a k U n n a , Rabbiner in Mannheim. Bei den Auseinandersetzungen, die in diesen Blättern um den Ideengehalt und die Stellung des Misrachi zu anderen Organisationen geführt wurden, handelt es sich zwar mehr um einen internen Meinungsstreit. Aber dieser Streit ist auch für den Außenstehenden von Interesse, zumal wenn er, wie ich es seit vielen Jahren tue. die Tätigkeit des Misrachi mit innerer Anteilnahme und mit Svinpathie verfolgt. Es sei mir deshalb gestattet, zu jenen Auseinandersetzungen einige Bemerkungen zu machen. Wenn ich dabei genötigt bin Kritik zu üben, so möchte ich von vornherein sagen, daß ich die praktische Arbeit des Misrachi durchaus anerkenne und vor allem in seinem Schulwerk den wichtigsten Aktivposten des gesetzestreucn Judentunis in Erez-Israel sehe. Wir wollen, um das Verhältnis des Misrachi zum allgemeinen Zionismus einerseits, und zur westeuropäischen Orthodoxie andererseits, klarzulegen, die Stellung beider zum Judentum und zu den jüdischen Problemen mit einigen Strichen zu charakterisieren versuchen. Ich spreche dabei von der westlichen Orthodoxie im allgemeinen, weil ja die misrachistische Kritik sich nicht nur auf die Aguda bezieht, sondern auf alle, die sich der ..zionistischen Forderung" verschließen, nur weil die Aguda sich, entgegen ihrer ursprünglichen Idee, zum einseitigen Exponenten des Austrittsgedankens entwickelt hat. Die westeuropäische Orthodoxie ist zweifellos nicht nur in ihren Lebensbedingungen, sondern auch in ihrer Denkrichtung von der Umgebung stark beeinflußt worden. Der Kampf, den sie für ihr Judentum führen muß, ist allerdings in der Plauptsache eine Wirkung des mhs, dessen Folgen die Thora selbst kurz und scharf mit den Worten kennzeichnet: „Ihr werdet dort Göttern dienen, dem Werk von Menschenhänden." (V. B. M., 4., 28.) Die Zerstreuung in andere Länder bewirkte die Unmöglichkeit die pto mnSnn mso zu erfüllen, lockerte also schon die Verbindung zwischen Thora und Erez-Israel. Im Ghetto führten die Juden, noch ihr besonderes Leben, hatten ihr eigenes Schulwesen, ihre eigene Gerichtsbarkeit, ihre besondere Kultur. Mit dem Eintritt in den europäischen Kulturkreis kam neben der Emanzipation und der durch sie bewirkten Verflechtung mit den allgemeinen Interessen der Zusammenstoß mit der allgemeinen Wissenschaft. Es kam — das wichtigste von allem — der Schulzwang, der das jüdische Kind von früher Jugend, an in den Kreis der allgemeinen Bildung hineinstellte und mit fremden Ideen erfüllte. So ist auch die Orthodoxie mehr oder weniger von der Assimilation berührt worden. AVenn allerdings gesagt wird, daß man die Thora nur ,.neben seinem Leben betreiben könne", daß sie dem Juden, der nicht in einer durch sich selbst existierenden Gemeinschaft lebt, nur ein ..geistiger, moralischer oder ästhetischer Sport (!) sein könne"*, so ist das eine ungeheuerliehe Uebertreibung. Wer den Sabbath und die Feiertage in traditioneller Weise hält, wer sich in seiner freien Zeit mit der Thora beschäftigt und auch sonst nach ihr lebt, der ist trotz allem so von ihren Ideen durchtränkt, daß er ein Gegengewicht gegen die zersetzenden und auflösenden Elemente der Umwelt besitzt. Auch das nationale Moment wird zwar verblassen, aber es braucht nicht zerstört zu werden: denn es ist ja durch die min in der verschiedensten Form dafür gesorgt, daß es nicht verschwinden kann. Wir haben ja auch schon andere Perioden in unserer Geschichte gehabt, wo die Juden außerhalb ihres Landes lebten und an der allgemeinerli Kultur den intensivsten Anteil nahmen, wo aber trotzdem! das jüdische Nationalgefühl sich in unverminderter