Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 6-7 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 Z I 0 N Nr. 6/7 Verpflichtungeine unnötige Erklärung, wenn man nicht selbst den Bericht als mit diesen im Widerspruch empfinden würde. Und die Folge? Sie schickt sich an, den Empfehlungen des Berichtes zu: folgen, sie ernennt zur Prüfung derjenigen Punkte des Berichtes, bei denen die Kompetenzüberschreitung der Kommission am eklatantesten ist. Einwanderung und Kolonisationsmöglichkeiten, einen Experten, der offenbar nach Instruktionen arbeitet, die ihn zwingen das P roblem Palästina ganz mit den Augen' der das Problem E r e z-I s r a e 1 nicht ^erstehenden Kommission zu erblicken. Und noch nicht gentig. Die Palästina-Regierung gibt .«der Jewish Agency nach Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes 2300 Zertifikate für Einwanderung jüdischer Arbeiter — die Regierung Englands suspendiert diese Zertifikate auf unbestimmte Zeit und beweist damit den, Arabern, daß der Ausbau des jüdischen Nationalheims im Rahmen wirtschaftlicher Möglichkeiten nicht an erster Stelle englischer Palästinapolitik rangiert. Einige Wochen nachdem der große englische Staatsmann zu atmen aufgehört hat. ein, Bruch der englischen Arbeiterregierung mit der Deklaration, die sein Geist ins Leben rief. Palästina sollte dem jüdischen Volke gegeben werden, dem ganzen jüdischen Volk. Als England in der Balfour Deklaration sich politisch mit der Judenheit zu gemeinsamer Arbeit verband, mag es eine Vision gehabt haben von einem Volk vom 16 Millionen Menschen, das nach 2000 jähriger Unselbständigkeit seine ganze noch ungebrochene Seele hineinlegt in das gigantische Werk nationaler Regeneration, das seine letzten moralischen und seelischen Kräfte einsetzt zur Durchführung dessen, was ihm nie vorher in all der Zeit seiner Wanderung durch die Völker geboten worden, nach dem es aber in all den Jahrhunderten niemals aufgehört hatte, sich zu sehnen, das es zum Inhalt seiner Gebete gemacht hatte, wie niemals vorher ein Volk politische Wünsche in den Mittelpunkt seiner transzendenten Beziehungen zum Göttlichen gestellt hat. Diese Vision, wenn sie bestand, hat sich als trügerisch erwiesen. Die zionistische Bewegung nahm keinen ungeheuren Aufschwung, zum nationalen Gedanken bekannten sich nicht die Millionen, sondern nach wie vor nur Hunderttausende, unter unsäglichen Schwierigkeiten ging der jüdische Aufbau des Landes vor sich. Der nationale Impuls, der alleine Wunder hätte wirken können, erfaßte das Volk nicht. Die neue Agency soll hier nicht bagatellisiert werden, sie ist etwas Großes, aber sie ist ein Ersatz für die nationale Einheit und kann als solcher nicht in eine Reihe gestellt werden mit der durch leidenschaftliche Hingabe wirkenden nationalen Bewegung eines Volkes. Ihr Merkmal ist Leidenschaftslosigkeit, ihre Methode ist eine sehr großzügige, auf edelster Menschlichkeit aufgebaute Philantropie,..sicherlich verbunden mit nationaler Verknüpfung, aber nicht mit völliger, aus Leidenschaft und Hingabe geborener persönlicher Einstellung. Der Nationalismus unserer Agencypartner ist nicht egozentrisch eingestellt, er ist ein Nationalismus für die anderen, die persönliche Konsequenzen aus ihm ziehen wollen. Dieser Nationalismus ist nicht der politische Faktor, mit dem England gezwungen werden kann, zum Geist: der Balfour Deklaration zurückzukehren. Der politische Faktor, mit dem England rechnen muß, bleibt die zionistische Organisation. Ihre Anhängerschaft zu vergrößern ist der einzige Ausweg aus der Sackgasse, in der wir uas anscheinend heute befinden. — Es war ein großer Rechenfehler der radikalen und revisionistischen Führer auf dem Züricher Kongreß, wenn sie behaupteten, die Errichtung der neuen Agency mache einen Strich unter die Entwicklung der zionistischen Organisation, da die Agency deren Funktionen übernehmen würde. Niemals kann die Agency die national e F u n k t i o n des Zionismus übernehmen, neben ihr muß stets wachsend und stärker werdend die rein nationale Organisation bestehen, die der Welt zeigt, daß über palästinophilem Judentum das palästinozenlrische Judentum hinauswächst, wachsend an Zahl und stärker an Intensität. Die Welt muß erkennen, daß der nationale Gedanke auch bei uns auf dem Marsche ist, daß von Jahr zu Jahr sich mehr Juden der nationalen Organisation unterordnen, in die Reihen derjenigen treten, die für sich etwas erwarten von Palästina. Diesen Beweis bieten wir der Welt und geben wir England durch die Zahl der S c h e k a 1 i m1. Waren es im vorigen Jahre 300 000, so müssen es in diesem Jahre 600000 sein: nur das kann auf die Welt, kann auf England imponierend wirken. Wenn wir in diesem Jahre, in dem wir eine so starke politische Niederlage erlitten haben, als Antwort eine vervielfachte Anzahl von Schekalim liefern, dann zeigen wir, daß unsere Menschen nicht abhängig sind von äußeren Erfolgen, daß ein Mißerfolg uns stärker zusammenschweißt, als die Zeit der ruhigen erfolgreichen Arbeit, dann zeigen wir, daß wirklich der große, bergeversetzende Glaube an unsere Zukunft in uns ist, vor dem der englische Staatsmann sich beugte, als er uns seine Deklaration unter Anerkennung der heute noch beistehenden historischen Verknüpfung unseres Volkes mit Palästina gab. Schekelzahlen ist historische Verbindung dea heutigen Juden mit der Vergangenheit, denn auch in alten Zeiten wurde das Volk gezählt durch den Schekel; jeder Jude,