Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 5 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Z I O N Seite 67 seiner Rückkehr wieder praktisch in Kraft setzen wollte, antworteten die Schwestern zuerst mit Vorstellungen, dann mit einer Art Hungerstreik und schließlich' mit dem eigentlichen Streik. Betrachten wir diese Sachlage nüchtern und ruhig, ohne die persönlichen Verunglimpfungen, in denen sich ein Teil der palästinensischen Presse, zum Teil wohl auch aus Haß gegen die Orthodoxie, gefällt, so darf folgendes festgestellt werden: D,r. Wallach war juristisch im Recht, menschlich im Unrecht. Er bestand auf seinem Schein, dessen plötzliche Außerkraftsetzung durch die Schwestern, noch dazu mit den Mitteln des Streiks, zweifellos illegal war. Er konnte auch darauf hinweisen, daß sie die betreffenden Bedingungen durch Unterschrift anerkannt haben. Diese Anerkennung allerdings eine „freiwillige" zu nennen, ist nur dann möglich, wenn man die wirtschaftliche Zwangslage, in der sich die meisten dieser armen, arbeitslosen Mädchen befanden, nicht als Notwendigkeit gelten lassen will. Darüber hinaus ist zu sagen, daß die patriarchalische Arbcitsverfassung, die den erwähnten Bestimmungen zugrundeliegt, in keiner Weist* in unsere Zeit, paßt, daß man mit Gewalt niemand „fromm" machen kann und daß diese Vorgänge nicht nur dem persönlichen Ansehen des selbstlosen und um die sanitären Verhältnisse Jerusalems hochverdienten Arztes mit Recht abträglich sind, sondern auch dem Ansehen der Th'ora. die er zu seinem Teil repräsentiert. In der Zwischenzeit ist der Streik beigelegt worden, die jetzt den Schwestern zugestandenen Arbeitsbedingungen sind besser als die alten es waren. Den in ihrer segensreichen Arbeit ganz aufgehenden Schwestern kann man zu dem erreichten Erfolg gratulieren. Pessach und Nebi Musa. Das mohammedanische Fest „Nebi Musa" ist dem „Propheten Mose" geweiht, der im Kioran bekanntlich als einer der Vorläufer Mohammeds» anerkannt wird. Es ist freilieh kein alles Fest, sondern wurde erst in neuerer Zeit aus, zugegebener Weise, religionspolitischen Gründen eingeführt: mau wollte um die Pessach- und Oslerzeit. Jerusalem nicht allein den Juden und Christen überlassen, die dann zahlreich in die Stadl strömen, und machte den mohammedanischen Anspruch durch eine künstlich organisierte und nun schon zum festen Brauch gewordene Pilgerfahrt gleichfalls geltend, damit allerdings nur einen ursprünglichen Gedanken Mohammeds1 wieder aufnehmend und so an altmoslcmitische Tradition anknüpfend, die bekanntlich ursprünglich Jerusalem und nicht Mekka und Medinu als Hauptwalllahrtsott vorgesehen hatte. Dieser Plan war bald fallen gelassen worden, weil sich die Juden von Jerusalem, entgegen den Hoffnungen Mohammeds, seinem Monotheismus dennoch ntcht anschlössen, und wenn er heute, in der Form des Nebi Musa, eine späte Auferstehung geleiert, hat, so leider wieder mit. einer antijüdischen (.ursprünglich allerdings ebenso antichristlichen) Tendenz. Die ganze Tragik der Beziehungen zwischen Israel Und Jischmaer erhellt aus der Tatsache, daß gerade ein auf den Namen unseres Lehrers Mosche bezügliches Fest heute zu einem Symbol der religiösen Konkurrenz und der nationalen Feindschaft statt der friedlichen Ergänzung werden konnte. Nebi Musa fällt immer genau auf Pe.v>ach, seiner politischen Zielsetzung entsprechend. Es dauert über eine Woche, die von Prozessionen mit Schwerttänzen und Gebetsversammlungen in der Omarmoschee ausgefüllt wird und ist immer von einer gewissen Nervosität begleitet. Diese war in diesem Jahr nach den noch unvergessenen Augustvorgängen naturgemäß größer als sonst, aber auch die militärischen und polizeilichen Schutzmaßnahmen seitens der Engländer waren weit energischer und weit sichtbarer als sonst. Das Jaffator, der Brennpunkt der Prozession, durch das die Teilnehmer aus' Hebron und Jerusalem einziehen, war für die allgemeine Passage gesperrt, so daß man nur auf Umwegen zur Klagemauer gelangen konnte. Englische Maschinengewehre, Panzerautos, ganze Ketten von Soldaten riegelten es ab und bewachten die langsam dahinschreitende Prozession. Schwerttänze waren für die engen Straßen der Altstadt diesmal verboten, auch das Schwerttragen nur einer begrenzten Anzahl von Männern erlaubt. Eine große Menschenmenge, meist Juden, stand vor dem Tor. um zuzu,- Sehen, während auf den Zinnen des Tores viele Araber postiert waren, die Aufschriften und Rufe gegen den Zionismus und für ein einiges Arabien mit Händeklatschen begrüßten. Besonders bemerkenswert ist, daß der zurzeit amtierende christlicharabische Vizebürgernieister Jerusalems die Prozession herzlich begrüßte: ihr ursprünglich ebenso antichristlicher wie antijüdischer Charakter hat sich also eindeutig in einen arabisch-nationalen und antizionistischen verwandelt. Wer am „Feste unserer Freiheit" die englischen Soldaten gesehen hat. der wird wissen, daß dieser Zustand kein dauernder sein kann. Wir müssen alles tun, um ihn zu überwinden —• will's Gott, bis. zum nächsten Pessach. E. S. Konferenz der Arbeitsgemeinschaft misrachistischer Verbände in Köln. Am Ii. Mai fand in Köln eine Zusammenkunft der vor 3 Jahren gegründeten Arbeitsgemeinschaft der west- und mitteleuropäischen Landsmannschaften des Misrachi statt, auf der die Länder Belgien. Deutschland und Holland vertreten waren. Belgien hat die Herren S. Kahan. K. Spingarn- und E. M. Genachowski. Holland die Herren Rabbiner Dr. Ricardo, E. Dasberg. Rüben Cohn und Davidsohn geschickt, von ü e u t s c h 1 a n d nahmen die Herren Alexander Adler. J. Schnelling. Dr. Leibowitz und Dr. Schlesinger an der Konferenz teil. Von Seiten des M e r k a s O t a m i s c h e 1 IIa misrachi war Herr Mosche Sehapiro zugegen. Die Konlerenz befaßte sich ausschließlich mit der Beratung der Lage im Misrachi. die al.- durchaus unbefriedigend angesehen wurde. Man kam dahin überein, daß eine Weltkonlerenz des Misrachi mit größter Beschleunigung einberufen werden muß. um die Organisation neu zu beleben und solche Aenderungcn im Aufbau der Verw altungskörperschalten herbeizuführen, die eine systematische und ersprießliche Arbeit für die Zukunft gewährleisten. Es wurde die folgende Resolution einstimmig gefaßt: Die in Köln versammelten Vertreter der Misrachi Landsmannschalten Belgien, Deutschland und Holland \erlangen vom Merk:»* Olami die Abhaltung einer U'cltkonfercnz laut den Besinn-