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Zion · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 68 (sequence 14)
Language
German
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Seite 68 Z I 0 N Nr. 5 mungen in dem Statut des Weltmisrachi. Sollte aus technischen Gründen die Weltkonferenz im Laufe der nächsten 4 Monate nicht einzuberufen sein, ist der späteste Termin zur Einberufung Ende Dezember 1930. Es wurden ferner eine Anzahl Beschlüsse gefaßt die sich mit der Neugestaltung der Misrachi Organisation und seines Merkas beschäftigen und die der Weltkonferenz zur Beschlußfassung vorgelegt werden sollen. Eine Reihe Empfehlungen an den Merkas hinsichtlich der Vorbereitung der Weltkonferenz wurden angenommen. Es wurde ferner bestimmt, daß die Arbeitsgemeinschaft in Zukunft in jedem Jahre einmal eine Konferenz abhalten soll. Aufruf? Zur J a h r z c i t von Schraucl C h a j i m Landau s. A. Zwei Jahre sind es, daß unser großer Führer Schmuel Chajim Landau s. A. von uns gegangen. Häufig haben wir seiner gedacht in den Kreisen des Zeire Misrachi, bei Tagungen unseres Bundes, bei Zusammenkünften der einzelnen Gruppen; stets von neuem gewannen wir die Ueberzeugung, daß wir ihm unsere Existenz verdanken, dem jugendlichen Träger alter jüdischer Ideale, denen wir von neuem lebendige Form zu geben bestrebt sind, indem wir sie vermählen mit unserer alten neuen Heimat Erez- Israel, sie befruchten durch die Uebernahme der Verpflichtung zu produktiver Arbeit au( geweihtem Boden. Tora wa A w o d a, für uns durch ihn zum Zeichen seines Strebens geworden, schafft neues Leben dort, wo jüdische Lehre drohte, widrigen Zeitströmungen zu erliegen, bringt jüdisches Leben dorthin, wo körperlicher Arbeit jüdischer Geist zu entfliehen drohte. Nicht uns allein, allen, denen der Aufbau von Erez-Israel am Herzen liegt, wollen wir unser Ideal predigen und vorleben, im Geiste des allzu früh von uns gerissenen Führers. Ihm aber glauben wir ein Denkmal gesetzt zu haben, indem wir seinen Namen verbanden mit dem Lande unserer Sehnsucht, mit der Arbeit in Erez-Israel. In der Nähe von Scheich Abrek, der Siedlung der Arbeiter des Hapoel Hamisrachi, dem seine Lebensarbeit galt, soll durch den Landau- W a 1 d späteren Geschlechtern die Kunde gebracht werden von dem Schöpfer unserer Bewegung, sie und uns auffordernd zur Teilnahme am Aufbau jdes Landes. Die Anlange machten wir mit der Schaffung des Waldes an seinem Jahrzeitstage. Zu seinem zweiten Jahrzeilstage fordern wir alle unsere Chawcrim und darüber hinaus alle Freunde des Aufbaus von Erez-Israel in Deutschland auf, durch Spenden für die Pflanzung von Bäumen im Landau- Wald unser Werk zu unterstützen. Das Kontingent für dieses Jahr für Deutschland ist auf 600 Bäume festgesetzt. Sie aufzubringen sollte Ehrenpflicht all derer sein, die Anhänger und Freunde des gesetzestreuen Aufbaus Erez-Israels sind. SPENDET FÜR DEN LANDAU-WALD! Zentrale des Zeire Misrachi für Deutschland. Fridtjof Nansen. Es wird manchen überraschen, in diesen Blättern den Namen eines Nicht} 11 den zu finden und seinem Andenken einen Nachruf gewidmet zu sehen. Ich glaube aber, daß wir uns ehren, indem wir dieses Mannes gedenken, der wie vielleicht kein Zweiter in unserer Zeit Mensch und Bruder genannt werden durfte. Die großen Liebeswerke und Hilfsaktionen dieses edlen Menschenfreundes ließen ihn zum Bruder jedes Menschen werden, und jede Nation darf mit berechtigtem Anspruch in ihm einen nahen Freund, ja beinahe ein Glied ihrer selbst sehen. Diese Dankbarkeit, die andere ihm schulden, müssen auch wir ihm gegenüber bekennen, denn zu wiederholten Malen setzte er sich auch für ■unsere jüdischen Brüder ein, sei es nun, daß er russische Emigranten betreute, sie vor Ausweisung und Drangsalierung in Polen und Beßarabien schützte, sei es, daß er ihnen neue Einwanderungsländer zu erschließen suchte. Und auch art Palästina ist der große Mann, als Mitglied der Mandatskommission, nicht achtlos vorbeigegangen, sondern hat auch diesem werdenden Werk seine Sympathie zuteil werden lassen. Der wahre Zauber dieses großen, fast kindlich reinen Menschen liegt aber in der seltenen und fast seltsamen Verknüpfung zweier scheinbar widersprechender Neigungen: er war ein Abenteurer und ein ethischer Mensch. Aus meiner Jugend entsinne ich mich des ungeheuren Eindrucks, den ich und mit mir viele von seinen Schriften empfingen, die unsere Phantasie in die Polargegenden führten. Von all den großen Forschern und Wanderern ha.t keiner mich je ähnlich beeindruckt wie Nansen. Mit welcher Spannung und welchem Herzklopfen begleiteten wir die „Fram1, auf ihrem Wege! Allel Etappen der Wanderung „Durch Nacht und Eis" machten wir mit größter Anteilnahme mit. Als dann in späteren Jahren der kühne Mann, der ja auch ein großer Gelehrter war, sich als die große sittliche Persönlichkeit entpuppte, da schien es mir nachträglich wie eine Rechtfertigung meiner kindlichen Sympathie, daß sie gerade diesem Manne gegolten hatte. Irgendwie muß doch etwas in seinen Schriften gelegen haben, das vorahnen ließ, welche große sittliche Kraft ihm innewohnte. Die Liebeswerke seiner späteren Jahre geben auch seinem großen Forscherdrange die sittliche Begründung und Rechtfertigung: dieses Streben nach Wissen und Eroberung des Erdballs war nicht prometheisch frevelhaft, sondern war der Versuch, alles menschlichem Wissen Erreichbare zu erfassen: hier war auch Wissensstreben und Erkenntnis Sittlichkeit. Und so schließt sich Nansens Gestalt5 zur großen Einheit: Größe war das wesentlichste Kennzeichen seiner Gestalt, und dieser Größe fehlte in keinem Stadium die sittliche Note. In seinem Leben selbst aber gelangte diese moralische Kraft zu einer Entfaltung, die schließlich das Forschertum in ihm zurückdrängte und sich auf dem Gebiete auswirkte, das ihm wirklich adäquat war, auf dem Gebiet der Menschenliebe. Kindlich, „groß und schaffend ging er durch unsere Zeit und hinterließ Spuren, die nicht verwischt werden können. Gelehrt, produktiv, von dichterischer Kraft und nimmer rastendem Bauen — so wird er in der Erinnerung all derer bleiben, die jahrzehntelang den Mann am Werke sahen. Aber auch die nach uns kommen, können nicht an der historischen Größe Nansens vorbeigehen. Liebe, Verehrung und Anerkennung werden ihm für immer zuteil werden. Dr. Oskar Wolfsberg. Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Verlag des „ZION": Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, Auguststr. 6g.

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