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Zion · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 66 (sequence 12)
Language
German
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Seite 66 Z I 0 N Nr, 5 jüdische Energien erzeugt und heutzutage wie kaum eine andere imstande ist. jüdische Mensehen der Tradition zurückzugewinnen. In diesem Sinne müssen wir tatsächlich die ..Einmaligkeit u n d Eigentümlichkeit der heutigen Situation" in den Mittelpunkt des Judentums stellent d. h. in den Blickpunkt, von dem aus der gesamte Komplex der jüdischen Probleme beleuchtet wird. Damit entfällt Roscnblüths Auffassung, daß alle anderen jüdischen Werte sich diesem Primat etwa unterordnen müßten. Der Misrachi hat von jeher für die Unteilbarkeit von Nationalem und Religiösem im Judentum gekämpft. Es ist eine bedauerliche Eigentümlichkeil unseres Golus-Judentums, wenn wir immer wieder fürchten, daß durch das Hervorheben einer aktuellen Forderung die anderen Werte minderbewertet würden. 6. Und nun unsere Stellung zur nichtzionistischen Orthodoxie: es ist durchaus nicht imimv Lieblosigkeit der einen Partei gegenüber oder gar Liebedienerei der anderen gegenüber, wenn wir bedauerlicherweise sehr oft ein scharfes, kritisches Wort, über die Orthodoxie sagen müssen. Wenn aber wirklich nur die Synthese zwischen Nationalem und Religiösem des Judentums wirkliches Wesen ausmacht, so kann d i e Partei im Judentum, die das Nationale zum Teil negiert, zu mindest aber das Einheitsbewußtsein und das Streben, die verloren gegangene Einheit wieder zu finden, ablehnt, ebensowenig den Anspruch darauf erheben, Volljudentum zu sein wie diejenigen, die da glauben, daß die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes anders als auf der Grundlage der Tradition geschaffen werden kann. 7. Somit besteht auch das Urteil Adlers über die Ablehnung der Jewish Agcncy auf der Knessioh Gedauloh der Agudas Jisrocl in Wien durchaus zu Recht. Die westeuropäische Orthodoxie, die längst schon ihren Frieden mit der modernen Kul- 1111* geschlossen hat, hat kein Recht, aus religiösen Gründen die Mitarbeit am Palästina-Aufbau im Rahmen der großen, umfassenden überparteilichen Organisation der Jewish Agency abzulehnen. Wenn östliche Rabbonim und insbesondere chassidischc Rebbeiim heute noch vor einer gemeinsamen Arbeit mit Andersgesinnten zurückschcucn, so verstehe ich diesen Standpunkt, wenn ich ihn gleichwohl bedauere. Wer jede Berührung mit profanen Werten als unjüdisch empfindet, hat von sich aus Recht, diese Ablehnung überall zum Ausdruck zu bringen und nach ihr zu handeln; wenn aber orthodoxe Gruppen, auch im Osten, sehr oft mit extremen Assimilanten die Möglichkeit einer Zusammenarbeit finden, so ßollten diese auch die Mitarbeit an den großen Gegenwartsaufgaben des jüdischen Volkes nicht ablehnen.* Hoffen wir, daß der jüngst unternommene» Versuch, die nichtzionistische Orthodoxie zur Mitarbeit in der Jewish Agcncy zu gewinnen, zum Erfolg führt. S. Zum Schluß möchte ich noch einer persönlichen Aulfassung Ausdruck geben, die sich dagegen wende!, als ob wir. die gesetzestreue Judenheit in toto nur den Lehrmeister für andere abzugeben imstande sind. Wer die Unzulänglichkeit des einzelnen und auch der Gruppen kennt, wird einschen, daß Licht und Schatten mehr oder minder über alle voneinander differierenden Gruppen im jüdischen Volk verteilt ist. Das Hineinstellen in eine gemeinsame Front: hat doch auch die Wirkung, daß wir von a n d e r e n lernen können. Ich möchte einen Satz Roscnblüths modifizieren: Nur wenn w i r das Streben nach Verwurzelung i n d e r j ü d i s c h c n Tradition, ausgehend von unserem E r c z - I s r a e 1 -1 d e a 1 und d a s E i n s f ü h 1 e n milder gesamten J u - d e n heil entscheidend in den Vordergrund stellen, kann die Mitarbeit i m Z ioni s 111 us und damit die Lösung des J u d e n p r o b 1 c m s zum Gelingen f ü h r e n. Daß diese Erkenntnis sich langsam, aber doch stetig immer mehr Bahn bricht, geht auch aus einem Teil der Rosenblüthschen Ausführungen hervor. Auch Rosenbliith erkennt die tiefe Gemeinschaft mit allen jüdischen Gliedern als bestehend an. Mit dieser Zustimmung ist eine Plattform geschaffen, auf der. wie ich hoffe, sich auch weiter eine fruchtbare Diskussion entwickeln kann. Dr. Werner Silberstein, Berlin. Palästina - Tagebuch. Schwestern-Streik im Schaare-Zedek-Hospital. Eine gewissenhafte Berichterstattung darf auch an unangenehmen und schwer durchschaubaren Ereignissen von Wichtigkeit nicht schweigend vorbeigehen. Deshalb einige Worte über den Streik der Schwestern im Schaare-Zedek-Hospital, das unter der Leitung des auch in Deutschland wohlbekannten streng orthodoxen Arztes Dr. Wallach steht. Die in diesem Krankenhaus beschäftigten Schwestern mußten sich bisher zur Einhaltung eines Reglements verpflichten, das ihre persönliche Freiheit weitgehend beschränkt, selbst zu Freizeiten,1 den Ausgang in die Stadt nur auf die Nachmittagsstunden festsetzt, die Abende und Sabbathe aber ganz ausschließt, dies letzte deshalb, damit sie sich keiner Sabbathverletzung in der Oeffentlichkeit schuldig machen können. Dazu kamen ziemlich harte Arbeitsbedingungen bei einem Lohn, der weit unter dem Durchschnitt etwa der Hadassah-Schwestern liegt. Diese Bedingungen wurden während der Anwesenheit Dr. Wallachs einigermaßen streng überwacht und eingehalten, haben aber offenbar während seiner monatelangen Abwesenheit in Europa eine gewisse Durchlöcherung erfahren. Als er sie nun nach

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