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Zion · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 65

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5 Z I 0 N Seite 65 liehe Unzulänglichkeit der Thora auf den seil' Jahrhunderten verfehlten Verlauf des jüdischen Lebens im Gallith zurückzuführen ist, und daß es unsere Aufgabe und unsere ChancJe ist. die in der Thora verborgenen Potenzen in und durch Ercz- Israel zu aktualisieren. Gewiß haben wir — wie Erich Roscnblüth andeutet — keinerlei absolute Gewähr, daß Erez- Isracl uns bringen wird, was wir erwarten. Dürfen wir aber unser Tun davon abhängig machen, ob uns 51 Prozent Erfolgsatissichten garantiert sind? Wir dürfen beim gegenwärtigen Zustand des Judentums nicht passiv abwarten. Wir haben unsere Kräfte zum Kampfe für die Thora an der einzigen ' Stelle einzusetzen, wo nach menschlichem Ermessen die Möglichkeit eines Erfolges besteht. Manches wäre noch zu den einzelnen von Erich Roscnblüth besprochenen Erziehungsfragen zu sagen, ich muß das auf eine andere Gelegenheit verschieben. Zum Schluß nur noch eine Bemerkung zu den Ausführungen Rosenblüths über politischtaktische Fragen. Roscnblüth wendet sich dagegen, daß der Misrachi die nichtzionistische Orthodoxie als; Gegner empfindet und auch behandelt. Gewiß gibt: es niemand, der nicht wie Erich Roscnblüth dasl Verhängnis, das in der Spaltung des gesetzestreuen Judentums liegt, empfindet. Aber wenn wir aus tiefster Ueberzeugung den Weg des Zionismus als1 den einzig gangbaren Weg des Judentums erkannt haben, so sind diejenigen, die sich diesem Weg aus welchen Motiven immer widersetzen, zu bekämpfen. Dieses und nichts anderes hat Alexander Adler in dem von Erich Rosenblüth inkriminierten Artikel zum Ausdruck gebracht. Zur mlsrachistischen Ideologie. Die vorstehenden Ausführungen Rosenblüths umfassen fast das gesamte Gebiet der jüdischen Probleme, so daß es nur auf breiter Basis möglich wäre, ihnen gegenüber eine andersartige Auffassung zu vertreten. Da ich mir das für eine spätere Gelegenheit vorbehalten will, so möchte ich heute nur zu den verschiedenen, mir besonders wichtigen Punkten, meine gegensätzliche Meinung zum Ausdruck bringen. 1. Die Frage, ob der Misrachi eine eigene jüdische Weltanschauung besitzt oder nicht, ist fast so alt wie der Misrachi selber. Es hat von jeher in ihm die beiden Meinungen gegeben, die einmal in dem Misrachi nur den Zusammenschluß gleichgesinnter Menschen sah, um die Ziele des Baseler Programms praktisch auf dem Boden der Tradition zu verwirklichen, weiterhin die Auffassung, daß der Misrachi eine selbständige Ideologie besitzen müsse, kraft deren er seinen Einfluß auf die gesamte Judcnheit zu gewinnen imstande ist. Ich glaube nicht, daß diese Frage von Organisationswegen entschieden weiden kann. Wie sieh aber historisch die Entwicklung des Misrachi und insbesondere seine kulturelle Arbeil vollzog, .so glaube ich auch, daß er im Laufe der Zeit ein ganz eigenes, selbstverständlich in der Tradition fest verwurzeltes, Gepräge erhalten hat. 2. Diese spezifische Misrachi-Ideologie geht kJavon aus. daß das ganze jüdische Volk, in allen seinen noch so vielartig gestalteten Gliedern eine Einheit bildet, deren Ablehnung jedem einzelnen Teil schaden muß. Der Misrachi sieht in der großen nationalen Plattform des Zionismus die einzige Möglichkeit, heute die großen brennenden Probleme, an deren Spitze der Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina steht, zu verwirklichen. Sicherlich ist damit in gewissem Sinne eine innere Bindung an den Gesamtzionismus im stärksten Maße enthalten. 3. Da aber nach unserer Auffassung die nationale Renaissance des jüdischen Volkes und der Aufbau Palästinas nur möglich ist und von Bestand sein kann, wenn er auf der Grundlage von Thora und Massorah begründet ist, so hat der Misrachi seit dem Jahre 1911 eine eigene kulturelle Arbeit in sein Programm aufgenommen. Roscnblüth ist sicher im L'nrccht. wenn er meint, daß wir in unserer Erziehungsarbeit kein Gegengewicht gegenüber den die Tradition negierenden zionistischen Kreisen geschaffen hätten. Alle, die nicht blind sein wollen, geben zu, daß, was der Misrachi an erzieherischen Werten in Palästina geschaffen hat und noch schafft (ich erinnere nur an die misrachistischen Schulen und Lehrerseminare) des! größten Lobes würdig ist und immer mehr die Anerkennung der gesamten Judenheit sich sichert. 4. Weiß der Misrachi so sehr wohl, daß er notwendigerweise Sonderaufgaben zu erfüllen hat. so sehe ich keinerlei Vorteil in Rosenblüths Forderung, dio. Kluft, die uns von den allgemeinen Zionisten trennt, zu vergrößern. Im Gegenteil, es gibt Beispiele genug dafür, daß nur derjenige, der sich in eine Linie mit letzten Endes Gleichgesinnten stellt, auch die Fähigkeit hat. auf sie einzuwirken. 5. Wesentlich für den Erfolg der jüdischen Erziehung in der Diaspora und in Erez-Israel scheint mir tatsächlich die Forderung, Erez-Israel in den M i t te 1 p u n k t des jüdischen Lebens zu stellen. Ich glaube wirklich, daß das viel zitierte Wort: O'ann Stritt" Njnm K-mx nicht nur im Lande selbst immer wieder seine Richtigkeit beweist, auch in der Diaspora bildet der Gedanke von der ewigen Verbundenheit mit dem Lande unserer Väter und die" Hoffnung und Mitarbeit an dem Wiederaufbau unseres Landes eine Kraftquelle, die ungeheure

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