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Zion · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 59 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Z I 0 N Seite 59 Stattdessen wird heute — im deutschen Misrachi wenigstens — die Tendenz immer deutlicher, die ideellen Unterschiede zu den anderen Zionisten zu verwischen oder unklar zu lassen. Die Gleichheil: vieler äußeren Dinge täuscht uns über das völlige Anderssein ihres Nationalismus, ihrer Auffassung; vom jüdischen Volk, über die ganz andere Bedeutung, die die religiösen Formen, auch dann, wenn sie sie halten, oder das Hebräische, für sie besitzen. M an empfindet diese Kluft gerade dann stärker, wenn man mehr mit ihnen in Berührung kommt und die erwähnten Dinge, etwas bestimmter bei ihnen angewendet sieht. Aus dieser doch äußeren Betrachtung kommt man leicht dazu, die praktische Erfüllung der Formen überhaupt ohne Rücksicht auf ihren Inhalt und auf die Einstellung, die zu ihnen führt, einseitig in den Vordergrund zu schieben. Umgekehrt wird die Kluft zu den nichtzionislischen Orthodoxen besonders stark herausgearbeitet.! Ich zitiere hier eine Stelle aus dem Maiheft des Zion ') ..Die innere Einheit und (ileichgcstimnitheit zwischen uns und der nichtzionistischen Orthodoxie ist so lange nicht größer, denn diejenige zwischen uns und den allgemeinen Zionisten, als erstere nicht ihren ablehnenden Standpunkt dem Klal Jisrael gegenüber aufgibt und die Verpflichtung des Juden auf national-religiöse Denkweise anerkennt." Als ob die Frage unserer Gemeinsamkeit zu ihnen davon abhängt, wie sie sich zum Zionismus stellen, und die Thora nicht vielmehr ganz unabhängig davon eine ewig gültige Forderung an jeden einzelnen stellt! Schafft nicht die gemeinsame Anerkennung der Forderung, wenn sie ernst genommen und wirklich als Mittelpunkt des Lebens gefaßt wird, die entscheidende Gemeinsamkeit zwischen beiden, die auch dann nicht aufhört, wenn sie Konsequenzen, zu denen wir in Beziehung auf die heutige Zeit gekommen sind, nicht anerkennen, da deren Deutung ja eine viel! subjektivere sein muß? Wie ist eine derartige Haltung möglich? Es ist zum großen Teil derselbe Vorgang, der sich bei den allgemeinen Zionisten abspielt. Man fühlt eine innere jüdische Leere und Unbefriedigtheit an der religiösen jüdischen Lebensform und glaubt den Kampf um diese und ihre notwendige Vertiefung auf Erez-Israel verschieben zu können. Als einziger Ausweg erscheint dabei Erez-Israel, und die Arbeit dafür lenkt die Aufmerksamkeit von der eigenen Unzufriedenheit an der doch überall gleiche Geltung beanspruchenden jüdischen Forderung ab. Als ob •) Zion: „Der Monat", Mai 1929; ein noch deutlicheres Beispiel im Oktoberheft, s. weiter unten. nun Erez-Israel imstande ist. hier Wunder zu wirken und nicht vielmehr das, was es uns an jüdischen Werten geben kann, von der Einstellung, mit der wir hinüber gehen und aufnahmebereit sind, abhängt. Bei einzelnen mag eine derartige Auffassung möglich sein, bedenklich wird es erst, wenn sie die vorderen Reihen der Organisation ergreiit. Lind indem man die eigentliche Vertiefung der jüdischen Tradition auf Erez-Israel verschiebt, verliert sich allmählich das Gefühl der Notwendigkeil dafür, zumal die meisten ja doch in S"n bleiben. Ein zweites Moment darf man hier als Ursache aufweisen. Das ist die entscheidende Bewertung der Organisation. Da es in der Politik ganz auf den politischen Augenblickserfolg ankommt, kommt man leicht zu einer Ueberschätzung dieser Frage. Die Frage der politischen Taktik im Augenblick wird alleiniger Maßstab und raubt den Blick für andere Gesichtspunkte. So wird der politische Gegensatz zui Aguda durch das Verschieben des Schwergewichts nach der politischen Seite hin zu einem weltanschaulichen. Ich möchte dies hier nicht einfach als den Gegensatz Esra-Misraehi aufgefaßt wissen, vielmehr entsteht diese Kritik gerade aus einer positivenBcwertung der politischen Organisation und ihrer Arbeit, die aber nur dann verantwortet werden kann, wenn sie im Bewußtsein der Beschränktheit ihre r Bedeutung und der ihr gesetzten Grenzen geführt wird. Auch hier ein, krasses Beispiel. Adler bespricht 2) die Ablehnung der Jewish Agencv durch die Agudah und schreibt hierzu: ..Indem sie erklärte, daß sie selbst nichfeintreten will und deshalb die jetzige Agency keinen Anspruch darauf machen könne, die Vertretung der Gesamtheit der an Erez-Israel interessierten Juden zu sein, hat sie versucht, der für Erez-Israel arbeitenden Judenheit einen Fallstrick zu legen, damit auch andere nicht ausführen sollen, was sie selbst leichtfertig abgelehnt hatte." Wie man auch zu diesem Beschluß stehen mag, sollte man doch zu mindest nicht nur ein Zerrbild der Motive des Gegners geben, sondern auch seine Gründe zu verstehen suchen, nämlich, daß die Agudah glaubte, nur bei einer Trennung der kulturellen und rein wirtschaftlichen Arbeiten sich beteiligen zu können. Was weiter folgt, ist noch bedeutsamer: „Von dieser Auffassung der jüdischen Lebensaufgaben trennt uns Misrachisten eine Welt. Zwischen ihr3) und dem Gedanken jener liberalen Juden, die in den Tagen der nationalen Trauer um jüdisches Blut, das in Erez-Israel geflossen ist, ihre 2} Siehe Oktoberheft daselbst. 8) Von mir gesperrt.

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