Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 54 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 54 Z I 0 N Nr. 4 lieh oder weiblich sind. Aber weiter! Wir sind plötzlieh im Morgengebet. Wer hat den ersten. Sabbathpsalm gedichtet: ,.Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre"? Ein Beduine oder ein Fellache? Kein bodenständiger Fellache, sondern ein Beduine, der mit dem Himmel wandert. Und so geht es fort. Dann Pause. Wieder Xiggunim. Und nun. schon ganz versunken, mystisch plaudernd, ein neues Thema: ..Die Musik des Tcnach". Beethovens ..Die Himmel rühmen . . ." seien christlich: eine Osternacht. Menschenmassen. tausend Glocken. Ebenso Haydns ..Schöpfung". Sains-Saents ..Sintflut". Wo ist der jüdische Musiker, den das Land entbindet und der uns aus jüdischer Seele die wahre Musik der Bibel gibt? Warum ist die Akeda noch nicht komponiert? Er gibt eine Analyse und drängt sich, in der Methode des Midrasch. zwischen die Lücken der Gesehichtserzählung, sie mit musikalischen Paraphrasen füllend. Er erzählt von einer Diskussion im Kownoer Lehrerseminar, wo er früher wirkte: Warum erhebt sich Abraham so zeitig am Morgen? Weil er die Nacht in Verzweiflung zugebracht hat? Oder weil er so felsenfest auf Gott vertraute, wie eine der Schülerinnen meinte, die Tochter des Roseh Jeschiwa? Und plötzlich steht er auf und singt, singt laut und stark — aber es wirkt gar kein bischen lächerlich! — die Melodie, mit dem wir am Rosch-Haschonah- Tage die Akeda leinen. Und sie entscheidet, wie ja auch Raschi. für Abrahams Gottvertrauen. All das ohne Kopfbedeckung. Aber den Gottesnamen spricht er nicht aus. Die Hörer sind hingerissen, erhoben. Und rauchen. Am nächsten Tag habe ich ein Gespräch mit einigen Menschen der Kwuzäh über diesen Freitagabend. Ich versuche zu zeigen, daß es der Rest einer großen Erbschaft ist. das Erbe des ganzen, vollen tausendjährigen Judentums., das Margolin — wie auch Bialik und sein Kreis — noch in sich trägt und von dem! er zehrt und gibt. Was aber wird die nächste Generation haben? Erbschaft von der Erbschaft? Das ist nicht viel. Man bedenkt das Wrort, schweigt, schüttelt den Kopf. * * * Nachbemerkung. Die obigen Aufzeichnungen, wie überhaupt meine Beiträge zu den letzten Heften dieser Zeitschrift beanspruchen keinen geistigen, sondern einen rein dokumentarischen Wert. Nur als solche kann man sie recht aufnehmen. Aber selbst dieser dokumentarische Charakter muß sich noch eine Einschränkung gefallen lassen: wir sprechen hier wesentlich vom Religiösen und Traditionellen, obwohl es durchaus nicht das Einzige und vielleicht auch nicht immer dals Wichtigste ist, was es zu sehen gibt und wovon zu erzählen wäre. Es würde sich lohnen, einmal ein gänzlich unparteiisches Buch herauszugeben, das aber weder für den Misrachi noch für die Aguda noch für die Chalukka Propaganda machen dürfte und heißen müßte: ,,Jüdische Tradition in Palästina". Damit diese Sachbeschreibung aber auch die richtige Perspektive bekömmt, müßte sie im lebendigen Rahmen des nichttraditionellen Palästina richtig darinsfehen. Den kann ich hier aus Raummangel nicht, auch noch geben, darum muß der Leser ihn sich stets ergänzend vergegenwärtigen. E. S. Jüdisch-traditionelle Literatur in der Hebräischen National- Bibliothek. Vorbemerkung: Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf Informationen, die Dr. Bernhard Joel, der Leiter der judaistischen Abteilung an der Hebräischen National- und Universitätsbibliothek, freundlicherweise unserem ]erusalemer Redaktionsmitglied erteilt: hat. Die große hebräische Zentralbibliothek in Jerusalem trägt einen Doppelnamen: National- und Universitätsbibliothek. Diese Bezeichnung weist auf zwei voneinander durchaus verschiedene Funktionen, die allerdings in einer einheitlichen Verwaltung zusammengefaßt sind. Als Nationalbibliothek soll sie das gesamte jüdische Schrifttum aller Arten und Sprachen, möglichst einschließlich der Manuskripte und Archivalien, enthalten und strebt in dieser Eigenschaft nach Vollständigkeit: alles irgendwie erreichbare Material wird ohne Prüfung auf seinen Wert angenommen, aufbewahrt und katalogisiert, wenn es nur irgendwie etwas mit dem. weiten Gebiete des Judentums zu tun hat. Dr. C h ä s a n o w i t s c h. dessen Privatsammlung die erste größere Stiftung für dieses gerade in Jerusalem besonders sinnvolle Nationaleigentum des jüdischen Volkes war, pflegte besonders den Besitz an altjüdischen Büchern, die so von vornherein zum Grundstock der Bibliothek wurden. Auch die Verwaltungen, nämlich die Jerusalemer Bne-Brith- Loge und schließlich die Hebräische Universität, gingen auf dieser Linie weiter. Als Universitätsbibliothek allerdings ist das Institut nicht ausgesprochen judaistisch, wenn auch die Judaistik, dem Aufbau der Universität selbst entsprechend, hier gleichfalls den Rang eines zentralen Faches einnimmt. Alle Abteilungen, unter ihnen also auch die judaistische, werden systematisch auf Grund der Anforderungen der Dozenten sowie zum Teil auch der Studenten und sonstigen wissenschaftlichen Benützer ausgebaut. Speziell für diesen Zweck steht das Bücherkaufbudget der Bibliothek zur Verfügung, während sie als Nationalbibliothek fast ausschließlich von Testamenten, Stiftungen usw. lebt, zu denen, in erfreulich steigendem Maße, allmählich auch die freiwilligen Pflichtexemplare jüdischer Autoren und Verleger treten, Jie ihre Werke der Bibüothek zusenden.