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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 53 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Z I 0 N Seite 53 über ihre Dauer und Stätigkeit zuzulassen, doch bedeutet sie jedenfalls einen verheißungsvollen Anfang. Es würde für die Chaluzbewegung der Diaspora ein allmählich unerträglicher Zustand werden, wenn sich gerade die palästinensische Jugend, wenigstens die der Städte, wieder ausschließlich' städtischen Berufen zuwendete. Diese innere Cha- Huziuth" ist eine notwendige Ergänzung der von außen kommenden. Ihren wichtigsten Kristalisalionspunkt findet sie nun in der „Kwuzah Hachugim" bei Chedera,, die ganz und gar einheitlich aus den beiden erwähnten Gruppen zusammengesetzt ist und einen vorzüglichen Eindruck macht. Dem hat der Jungmisrachi noch nichts Entsprechendes an die Seite zu setzen: hier liegt auch eine der Zukunftsaufgaben des „Kibbuz Rodges", von dem allmählich eine starke Wirkung auf die „Bne Akibah" ausgehen müßte. Einen gewissen Anfang unter den Aelteren bedeutet wohl eine innerhalb des Hapoel Hamisrachi entstandene Organisation zu „intensiver Siedlung", deren Angehörige heute noch meist nicht ländlichen Berufen angehören, sich aber prinzipiell verpflichten, aufs Land überzugehen. Haifa. — Hier gibt ein Empfangsabend des Hapoel Hamisrachi die Möglichkeit, die hiesige Ortsgruppe kennenzulernen. Auch sie hat etwa ioo Mitglieder, darunter nicht wenige aus der neuen Alijah. die einen vorzüglichen Eindruck machen. Der Oberrabbiner steht der Aguda näher und nimmt an den Arbeiten der zionistisch-orthodoxen Gruppen nicht teil; ein Mitglied des Rabbinats aber ist Misrachist. Die (freilich unoffizielle) Seele aller Misrachiarbeit in Haifa ist aber Hermann Struck. Das kam auch an diesem Abend, trotz seiner Abwesenheit, zu sehr herzlichem Ausdruck. Zwei misrachistische Volksschulen, eine Jeschiw'a und manche Ansätze in der Biramschen Realschule suchen auch hier, auf diesem besonders schwierigen Boden, die Tradition zu pflegen. Es fehlt die historische Gewalt Jerusalems und die jüdische Masse Tel-Avivs. Haifa ist Kolonieboden, Xeuland — trotz der Erwähnung im Talmud! — ist Industriestadt, Hafenstadt, Kleinbürgerstadt. So der erste, der zweite Eindruck. Aber vielleicht korrigieren ihn nachhaltigere Beobachtungen. Das Emek. — Meine Vortragstournee führt mich weiter: in die Kvvuzoth des Emek, in „kleine" und „große", in russische und galizische und tschechoslowakische und gemischte. Nachlath Jaakob, Scheich Abrekh und Chittin stehen diesmal leider nicht auf dem Plan; sie werden später leichter erreichbar sein. Aber auch so blieb, von dem Allgemeinen stets abgesehen, manches spezifisch religiös Interessante zu beobachten. In einer Kwuzah z. B. gibt es einige wenige Chawerim. die traditionell leben und alle notwendigen Zugeständnisse von der Mehrheit erhalten haben. Mir war es eine besondere Freude, daß gerade sie zum Tteil besonderes Verständnis für die Gedankengänge des ..Brith Schalom" zeigten. Andererseits sprach ich in Nahalal. dem berühmten Moschaw Owdim, sehr ausführlich mit einem Mann, der in seinem ganz konsequenten Vegetarianismus und Pazifismus auf den Wegen Tolstois und Ghandis geht und dessen Gläubigkeit jeglicher traditioneller Form entraten zu können glaubt. Das ist die Regel, nur daß häufig nicht nur die Religion fehlt, sondern mich die Religiosität, um die Bubersche Unterscheidung zu verwenden. Immerhin gibt das folgende Erlebnis zu denken: Freitagabend in einer Kwuzah. Man nimmfü auf die Gäste insoweit Rücksicht, als man ihren Bedürfnissen entgegenkommt, läßt sich aber in den eigenen Gewohnheiten nicht stören. Beinahe alles raucht, keine Sabbathlichter. kein gedeckter Tisch. Dann aber: ein Vortrag! Ein älterer Lehrer, russischer Jude, genauer: Litwak, bisher der .Naturwissenschaftler von „Mikweh Jisrael", der landwirtschaftlichen Hochschule der Alliance, nun, wegen seiner tiefen Liebe zur Arbeiterschaft und seiner Verbundenheit zu ihrem Werk, freiwillig die sichere, gutbezahlte und angesehene Stellung aufgebend. Wanderlehrer in den Kwuzoth. mit der Anwartschaft, einmal Leiter der geplanten zentralen Höheren Schule der Arbeiterschaft im Emek zu werden, kurz: Margolin spricht. Ueber „Das Naturgefiihl des antiken Juden", an Hand der Psalmen. Vorher müssen Niggunim gesungen werden, der Niggun des Raw und sonstige. Anders fängt er nicht an. Dann geht es los. Er wolle in jeder -Kwuzah eine Chewrath Tehillim", einen Psalmenverein gründen, scherzt er. Und er hätte das Zeug dazu! Wie erklärt er die Psalmen! Aus der Tiefe eines wurzelhaiien palästinensischen Naturgefühls, und doch durchaus religiös. Es ist Freitag abend, aber er spricht von Mincha-Psalmen. Macht nichts! Z. B. Psalm 128: Wie stellt er den Typ dieses jüdischen Landmannes hin, der die Mühe seiher Hände ißt und dem dabei wohl ist. Warum vergleichter sein Weib mit dem Weinstock, die Söhne aber mit den Schößlingen des Oelbaums? Und nun schildert der Lehrer in vollster botanischer Anschaulichkeit und Einfühlung den männlichen, trotzigen, in den Fels dringenden Charakter der Olive, den weiblich anschmiegenden der WTeinrebe. Auch Grammatisches wird dabei klar. Der einzige Germanist unter seinen Hörern denkt, zugleich wehmütig und erfreut, an Jakob Grimms Mythos .vom grammatischen Geschlecht, dem Kernstück seiner „Deutschen Grammatik". Es ist also kein Zufall, ob Wörter männ-

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