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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 52 (sequence 14)
Language
German
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Seit« 52 Z I 0 N Nr. 4 zialen Geistes, der diese Kolonie vorteilhaft vom frommen Petach Tikwah unterscheidet. Auch hier steckt ein schmerzliches Kernproblem der palästinensischen Orthodoxie. Immerhin: es gibt eine schöne Synagoge, einen Ravv, der ein bedeutender Talmudkenner sein soll und dessen Scheur zwischen Mincha und Mariv zu hören ein Vergnügen war. Allerdings wohnten ihm nur etwa zehn alte Leute bei; nur ganz zuletzt kamen noch einige Jungens. Von dem Hapoel Hamisrachi-Kibbuz, der hier neuerdings im Entstehen ist, aber kein Mensch! Obwohl es sich für diese jungen, meist eben eingewanderten, doch schon frei hebräisch sprechenden Burschen sehr wohl gelohnt hätte. Auch hier steckt ein Problem: wer baut die Brücke, wer schafft den Zusammenhang zwischen dem, was es in Palästina „n o c h" an frommen Juden gibt, und dem, was es schon wieder gibt. Vorläufig stehen diese beiden Weifen manchmal beinahe so teilnahmslos einander gegenüber, wie sich leider Traditionelle und Freie meist gegenüberstehen. Ist schon dies unnötig und verderblich, wie erst jenes! Petach Tikwah. — Purim! Am Abend zur Megillah im „Kibbuz Rodges". Es ist schön hier, besonders für jemand, der Betzenrod unci Rodges kennt und liebt. Die Atmosphäre ist mit herübergezogen. Dadurch ist freilich der „deutsche" Charakter der Siedlung, zum Teil auch im Sprachlichen, noch etwas vordringlich. Doch das wird sich geben. Xun sind auch die beiden Leiter, Moses Unna und David Intriligator, in den Vorstand der Petach Tikwah r Ortsgruppe des ,.Hapoel Hamisrachi" gewählt worden, der übrigens beinahe hundert Mitglieder hat und einen eigenen hauptamtlichen Sekretär in ihrem Arbeitsamt beschäftigen muß. Diese Verbindung wird beiden Teilen zugute kommen: man plant vor allem eine regere kulturelle Tätigkeit, die mit' verschiedenen Kursen, darunter auch Talmud, bereits eingesetzt hat. Der Kibbuz selbst steckt noch in den Anfängen; man wohnt noch in. übrigen;? peinlich sauber gehaltenen, Baracken, und auch die reichen noch nicht einmal. Im Eßraum ist eine Seier Thora und ein schönes Betpult: man betet hier gemeinsam. Das Essen war ausgezeichnet: ich mußte, trotz aller Bescheidenheit dieses Anfangs, an Nobels Vermächtnis denken, der noch auf dem Totenbett die Zerspaltung zwischen Orthodoxie und Arbeiterschaft, wie sie auf dem XII. Kongreß so scharf hervorgetreten war, schmerzlich beklagt hatte. Nur solche produktiven Anfänge sind geeignet, die Kluft allmählich zu überbrücken. Das alte Judentum, von dem ich oben sprach, ist in Petach Tikwah besonders sichtbar. Auf dem großen Platz stehen zwei ziemlich geräumige Svnagogen einander gegenüber. In der offiziellen „Großen Synagoge" war vorne am Eingang eine Art Schamasch postiert, der die einzelnen Ankömmlinge, je nach dem, ob sie bereits Schacharith gebetet hatten, die Thoravorlesung oder die Megillah hören wollten, in eines der zahlreichen Minjanim wies, die in den verschiedenen Räumen gleich« zeitig stattfanden: Großbetrieb! Dieser kleine Zug erhellt so recht den Unterschied zwischen westlicher und östlicher „Ordnung": auch dies hier war eine Art von Ordnung, und zwar eine positivanarchistische. Man baut viel in Petach Tikwah, auch Synagogen. Eine z. B. in dem schönen „Ejn Ganim", das übrigens eifersüchtig über seine kommunale Selbständigkeit wacht: ist es doch von den Kreisen des Hapoel Hazair gerade im Gegensatz zu Petach Tikwah gegründet worden, um einer anderen Wirtschaftsgesinnung zum Ausdruck zu verhelfen.. Besonders prächtig ist der Neubau der großen Jeschiwa von Petach Tikwah, deren zweistöckiges Haus mit Lehr- und Schlafsälen sowie einer wirklich wundervollen Synagoge — es ist noch nicht eingeweiht — von einem Bewohner des Dorfes gestiftet wurde. Die Jeschiwa wird von meist ausländischen Bachurim besucht, doch sind auch einige Palästinenser und wenige Petach Tikwaliör in ihr vorhanden. C h e d e r a. — Die Kolonie, zwischen Tel- \iviv und Haifa gelegen, zu Schomron gehörig, ähnelt ein wenig Rechoboth, sowohl landschaftlich wie auch in ihrer sozialen Struktur. Doch ist sie rückschrittlicher, wenn auch ebenso unfromm. Dto; ist ein Trost! Erst seit drei Jahren hat sie einen Rabbiner: die Synagoge ist noch in einer Baracke; doch hat man nun endlich einen Platz für sie erworben und will nächstens an den Bau gehen. Der Raw spricht mit großer Hochachtung von David Hoffmann s. A.. dessen Responsensammlung er kennt und benutzt. Das Wichtigste in Chcdera ist vielleicht die ..Kwuzath Hachugim". „Chugim", „Kreise", heißen die kleinen Gemeinschaftsbünde, die sich am Tel- Aviver Gymnasium mit der Absicht gebildet haben, auch diese „höheren Schüler" mit dem Ideal der landwirtschaftlichen Berufsumschichtung zu durchdringen. Ihnen schloß sich eine parellellaufende Bewegung der Jerusalemer ..Zophim" an, aus deren Kreisen gleichfalls eine wachsende Anzahl junger Menschen zur Landwirtschaft übergeht, und zwar fast ausnahmslos in die Kwuzoth. Sie benutzen fast alle Ferien, um sich in den verschiedenen Kwuzoth vorzubilden, und pflegen dann nach Beendigung der Schule ganz umzusatteln. Die Bewegung ist noch zu jung, um bereits ein Urteil!

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