Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 4 Z I 0 N Seite 51 und desgleichen tat die jüdische Gemeinde Jerusalems zusammen mit dem Jüdischen Nationalrat. Am 15. bot der Sportverband „Makkabi" 30 und die Feuerwehr von Tel-Aviv 20 Freiwillige für Hilfsarbeiten in Nablus an und der Jüdische Ingenieurvereini stellte zwei Mitglieder als Fachmänner bei. Auch Petach-Tikwah schickte inzwischen eine große Ladung Brot nach Nablus. Am 17. besuchte Bürgermeister Dizengoff Nablus, wo hunderte Araber ihn umdrängten, ihm die Hand drückten und den palästinensischen Juden für ihre Hilfe dankten. Bis zum 17., d. h. volle 6 Tage nach der Katastrophe, war trotz aller Aufrufe in der arabischen Presse aus keinem der arabischen Nachbarländer auch nur ein Penny an Hilfsgeldern bezahlt oder gezeichnet worden. Am 19. erließ die Exekutive der Zionistischen Organisation einen Appell zugunsten des Hilfsfonds, wobei das Ergebnis der Palästina- Regierung abgeführt wurde. Die arabische Presse von damals ist der beste Zeuge für den Geist, den die Juden bei dieser Gelegenheit gezeigt haben. Der „FalestiiV-Jaffa stellte in seinem Leitartikel vom 19. Juli 1927 die Haltung der Juden dem Mangel jeden Interesses auf seiten des Mufti von Jerusalem entgegen und zollte volle Anerkennung dem Geist menschenfreundlicher Solidarität*), den die Juden bewiesen, und ihrer großzügigen FI i 1 f e für alle Opfer des Erdbebens ohne Unterschied von Volk und Glauben. Am 21. und 22. schrieben sämtliche arabischen Blätter ausnahmslos im gleichen Sinn. „AI Surat al Mustakkim"-Jaffa rühmt in einem Aufsatz „Jüdische Sympathie" die Hilfe, welche dieserseits von Einzelnen und Institutionen an Geld, Nahrungs- und Arzneimitteln, sowie durch persönliches Eingreifen geleistet wurde, und rügte die Apathie der Nichtjuden. Der Jaffaer Korrespondent des Blattes „Alf Ba"- Damaskus schrieb: «.Man muß bekennen, daß die Juden den Opfern reiche Unterstützung gaben: bevor noch ein einziger Araber in Jaffa daran dachte, hilfreich beizuspringen, schickte schon der Gemeinderat von Tel-Aviv tausende Laib Brot und 3000 Rottel Fleisch, Aerzte, Pflegerinnen. Medikamente und Beileidsdepeschen/ Und nach Anführung der Geldspenden von Nathan Strauß und der Palestine Electric Corporation kommt er zum Schluß: ,.Was die Juden an uns taten, waren, wenn es auch vielfach mit politischer Absicht geschah, immerhin Akte menschlicher Güte, von denen wir nicht wissen, wie wir sie jemals vergelten werden, zumal zur gleichen Zeit den meisten Arabern nicht einmal der Ge- *) Diese und die weiteren Stellen von uns gesperrt. danke an irgendeine Hilfe ihrerseits dämmerte;, damit begannen sie erst, nachdem die Juden ihnen das Beispiel gegeben hatten.' Am 24. hebt „Maraat al Sharq"-Jerusalem seinerseits .den Edelsinn der Juden und die Solidarität hervor, welche sie den anderen Nachkommen Sems bewiesen. Keiner der Erdbebenopfer wird jemals diese humane Gesinnung von Seiten eines Volkes vergessen, das wir für Feinde hielten; wir schätzen diese Gesinnung als den ersten Schritt auf der Bahn gegenseitiger Verständigung. / .Und schließlich erschien am gleichen Tag ein Artikel ähnlichen Inhalts im „Mokattam"-Cairo. Es ist immer peinlich, wenn man seine eigenen Guttaten erwähnen muß: doch die offenkundige Unbilligkeit der in Ihrem Blatt gegen uns Juden gerichteten Bemerkungen wird hoffentlich als eine genügende Rechtfertigung dafür gelten, daß ich die geehrte Redaktion von ..Near East" an einen der zahllosen Fälle erinnere, da die Juden Palästinas ihren arabischen Mitbürgern in einem Geist geholfen haben, der von Ihrer Beschreibung durchaus verschieden ist. Hochachtungsvoll S. Tolkowsky." So freimütig diese Ausführungen Tolkowskys sind, hat er es sich versagt, nachzuprüfen, ob die englischen Kolonisatoren, welche so hohe Anforderungen an das Mitgefühl und den Altruismus der Juden zugunsten der Araber stellen, damals und seither selbst mit ihrem guten Beispiel für das harmonische Zusammenwirken aller Landesbewohner vorangingen. Es wäre eine höchst dankbare Aufgabe, wenn von jüdischer Seite das Verhalten der Palästinaregierung, z. B. gleich zur Zeit der Erdbebenkatastrophe, einer gründlichen Darstellung unterzogen würde: wie man die jüdische Hilfe für die Araber drosselte, wie zur Zeit, da noch die arabischen Leichen unter den Trümmern von Ramleh lagen, nebenbei in Sarafend die smarte Steeple Chase der englischen Garnison vom Start ging. Ein neuer Beleg für das Wahrwort: ..Ihr seht den Splitter im Auge des Nächsten, nicht aber den Balken im eigenen Auge." Dr. E. Z. Palästina-Tagebuch. Reise eines Nichttouristen. Rechobolh — die zweitgrößte von den jüdischen Kolonien, recht wohlhabend, mit schönen Häusern von allerdings meist städtischem Baustil: ein, auch finanziell, wohlgeordnetes jüdisch-autonomes Gemeinwesen. „Wie steht es mit der Religion?" Nicht sehr gut! Und besonders betrübend ist, daß man diesen Mangel an traditionellem Konservativismus fast allgemein in kausale Verbindung bringt mit dem Vorhandensein eines gewissen fortschrittlichen, demokratischen und so-