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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 50 (sequence 12)
Language
German
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Seite 50 Z I 0 N Nr. 4 Unterrichtsstunden nicht streichen zu können* Lieber sollen wöchentlich nur 8 Stunden statt io Stunden Talmud gegeben werden, damit, wie die Dinge nun einmal liegen, den Kindern die Freude an der traditionellen Erziehung nicht durch den Verzicht auf moderne jugendliche Betätigung verringert wird. Man darf auch an der Psyche der Kinder von heute, ihren Wünschen und Neigungen nicht achtlos vorbeigehen. Für die die schulentlassene Jugend aber betreffenden Probleme wäre bei der Schulverwaltung des Misrachi eine geeignete besondere Persönlichkeit als Dezernent nötig: dieser Dezernent hätte seine wohldurchdachten und von der Schulverwaltung genehmigten Vorschläge zur Durchführung zu bringen. So fehlt heute ein Fortbildungsunterricht in enger Fühlungnahme mit der Welt- und Lebensanschauung unserer Thora, und es liegt nahe, daß ein intelligenter Jüngling in dem Streben nach Vervollkommnung die von den nur nationalen jüdischen Kreisen veranstalteten Vortragszyklen mit ihren häufig unjüdischen Anschauungen besucht, und dort beeinflußt wird, weil der Misrachi ihm gleichwertiges nicht bietet. Auch ein geselliger Zusammenschluß dieser jungen Leute muß gefördert werden, denn auch er bildet einen Schutz gegen Abfall von den Lehren, die die Schule in sein Herz zu pflanzen bemüht war. Juden und Araber beim letzten Erdbeben in Palästina. Das Jcrusalemer Tageblatt „The Palesline B-:'- letin" vom 27. März gibt eine interessante Polemik wieder, die sich jüngst zwischen der Londoner Wochenschrift ,.Xear East and India". einem angesehenen und sozusagen halboffiziellen englischen Organ, und Herrn S. Tolkowsky in Tel-Aviv, dem Schwiegersohn des bekannten Zionisten Jizschak Goldberg, abgespielt hat. Zu einer Zeil, da Gesinnung und Haltung der palästinensischen Juden gegenüber den Arabern von Feinden und wohl auch von Freunden vielfach verkannt wird, scheint es am Platz, diese Polemik, welche uns die Erfahrungen der Erdbebenkatastrophe vom Jahre 1927 ins Gedächtnis zurückruft, weithin bekanntzumachen. „Near East'* hatte einen Aufsatz veröffentlicht, welcher den Juden ins Gewissen redete, sie mögen den Arabern nicht nur nebenbei helfen, wie bisher, sondern deren wirtschaftliche Lage durch ein konstruktives Programm zu verbessern suchen. Hierauf sandte Tolkowsky der Redaktion folgenden Brief zu, den sie denn auch mit einer süßsauren Schlußbemerkung abdruckt: .,Mein Herr! Als einer, der seit 20 Jahren in Palästina lebt und der für sich das Verdienst beanspruchen kann, daß er keinen unwichtigen Anteil daran hatte, ein engeres Zusammenarbeiten zwischen Arabern und Juden auf wirtschaftlichem Gebiet zustandezubringen, muß ich ihrem Wunsche, diese Zusammenarbeit zu fördern, vollste Zustimmung zollen. Aber ich darf wohl sagen, daß Sie sehr unschön handeln, wenn Sie weiters bemerken: ,.\Vas die Juden in Palästina für die Araber taten, war meist nur ein Nebenprodukt . . ." So natürlich es ist, daß die Bestrebungen der Juden zuerst und hauptsächlich auf das Wohl des eigenen Volkes gerichtet sind, so klar verstehen wir alle, die im Wirtschaftsleben Palästinas eine Rolle spielen, daß die Entwicklung des Landes in landwirtschaftlicher, industrieller und kommerzieller Hinsicht nur möglich ist, wenn sich in weiterem Maße das Zusammenwirken der verschiedenen Teile der Bevölkerung sichern läßt. Ich könnte Ihnen mit konkreten Beweisen dienen, daß die Juden in unzähligen Fällen sich um dieses Zusammenwirken bemühten, manchmal mit und manchmal ohne Erfolg bei den Arabern, doch in jedem einzelnen Fall kam der Anstoß von den Juden. Was nun ihre Behauptung anbelangt, die Juden hätten nur nebenbei etwas für die Araber getan, scheinen Sie den Geist menschenfreundlicher Solidarität, den die Juden in und außerhalb Palästinas beim Erdbeben vom Jahre 1927 zeigten, ganz vergessen zu haben. Die Opfer dieser Katastrophe waren durch einen merkwürdigen Zufall 1 .st ausschließlich Araber: doch trotzdem eilten die Juden den Opfern zuhilfe, während die arabische Bevölkerung in Palästina und den Nachbarländern völlig passiv blieb und so gut wie nichts für ihre unglücklichen Brüder tat. Das Erdbeben ereignete sich am Nachmittag des ri. Juli 1927. Wenige St'inden später verließen die fünfzehn ersten Freiwilligen Tel-Aviv. um in Ramleh den Verwundeten beizustehen und den Schutt auf der Suche nach Ueberlebenden abzuräumen: hierbei wurde ein junger Jude verwundet. Am gleichen Abend, kaum daß in Tel-Aviv bekannt wurde, Nablus habe Mangel an Nahrungsmitteln, wies der Gemeinderat von Tel-Aviv alle Bäckereien an, die Nacht durchzuarbeiten, und um 3 Uhr früh fuhren schon einige Lorries nach Nablus, wo das Brot zeitig früh von der dortigen Gemeinde verteilt wurde. Am 13. öffnete die hebräische Presse ihre Spalten für Spenden zugunsten der Erdbebenopfer. Am 14. überwies der jüdische Philanthrop Nathan Strauß aus Amerika drahtlich 5000 Pfund Sterling. Am gleichen Tage beschloß der Gemeinderat von Tel- Aviv auf telegraphisches Ansuchen des Nabluser Bürgermeisters um Zelte, dem sofort zu entsprechen. Zugleich legte die jüdische Gemeinde Tel-Aviv/Jaffa unter Vorsitz des Großrabbiners Zeichnungslisten auf

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