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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 49 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Z [ 0 N Seite 49 der Talmud-Thora-Schule und der Jeschiwah mit dem jüdisch-deutschen Idiom als Unterrichtssprache und unter Ausschluß methodischer Elementarfächer, die zweiten haben eine Verbindung von Volksschuld und Talmud-Thora mit hebräischer Unterrichtssprache. Wie sind nun die Resultate der beiden Erziehungsweisen? Wird die Jugend so gefestigt, daß sie den jüdischen Weg ihrer Eltern fortsetzt.? Diese Frage läßt sich selbstverständlich nicht zahlenmäßig beantworten. Die ungefähre Schätzung schon beansprucht intensive, zeitraubende Vorarbeiten und bedeutet daher wahrscheinlich auch eine Geldfrage. Was sich heute sagen läßt, basiert auf den Eindrücken, die man im Verkehr empfängt, die sich hierauf stützenden Urteile aber dürften doch den Tatsachen nahe kommen. Der Unterricht nach der alten Methode ist heute nur im eingeschränkten Maße ein Schutz. Er ist es nämlich nur dann, wenn der junge Mensch auch nach der Schulzeit in dem Milieu seiner Umgebung bleibt und sich um die Vorgänge draußen nicht kümmert. Er braucht nur nach der hebräischen Zeitung oder nach den modernen Büchern in der hebräischen Sprache zu greifen, und das Hebräische versteht er, trotzdem es in seinen Kreisen als profane Sprache verpönt ist, — oder er braucht nur ein Kino zu besuchen, dann ist er schon gefährdet, weil er sich nicht zu orientieren weiß. Oder er hat den Ehrgeiz, als Kaufmann vorwärts zu kommen und kommt mit Metrischen in Fühlung, die einer anderen Welt als der seinen angehören, auch dann weiß er — mag er noch so viel Talmud gelernt haben — von dem Judentum, wie er es gelernt hat. aus keine ruhige, besinnliche, in sich sichere Stellung zu den Dingen zu nehmen. Wenn Erez-Israel heute aussehen würde wie vor fünfzig Jahren! Da gab es keine Zeitungen, die lalmudische Literatur war das hebräische Buch, und die wenigen nichtorthodoxen Juden im Lande blieben den Menschen des orthodoxen Kreises so weltenfern wie die Nichtjuden. Heute aber hat ihre Zahl schon die der Orthodoxen erreicht, man trifft fortgesetzt mit ihnen zusammen und seit dem englischen Regime ist auch das Verhältnis des alten Jischuw zu den Vorgängen unter den Nichtjuden jedenfalls ein interessierteres. Zu den größten Institutionen der auf ihre Sonderstellung und Selbständigkeit bedachten Orthodoxie gehört das Diskinsche Waisenhaus mit einer durchschnittlichen Belegschaft von 250 Knaben. Die Jungen lernen nur Talmud und erhalten zum Teil noch eine Ausbildung in einem Handwerke.""Die Leitung des W'aiscnhausjs sollte ebeh einmal feststellen, wie sich die jüdische Weiterentwicklung) ihrer ehemaligen Zöglinge gestaltet hat; das Resultat einer solchen Feststellung dürfte unbefriedigend sein. Jedenfalls besteht für die verantwortlichen Persönlichkeiten die Pflicht, sich über Wegfc zur Erreichung gesicherterer Erziehungsresultate schlüssig zu werden. Die Schulen des Misrachi sind Volksschulen. Ihnen werden auch Kinder aus Familien zugeführt, die es mit der Beobachtung der Thoragesetze nicht mehr genau nehmen, was also bei diesem Teil' der Kinder eine Kluft zwischen Schule und Haus bedeutet. Die zweite Schwierigkeit entsteht daraus, daß die Kinder sehen, wie ihre Kollegen in den allgemein-zionistischen Schulen den einzigen schulfreien Tag, den Sabbat, zu einem Tage des Sports in seinen verschiedenen Formen machen. Die größte Gefahr entsteht aber erst, wie ja auch bei den orthodoxen Schulen der Diaspora, nach der Entlassung aus der Schule. Wer kümmert sich um diese Jugend? In der Diaspora würde für solche Kinder die Gefahr bestehen, daß sie der Strudel der Großstadt verschlingt: die nichtjüdische Umwelt, in der die Juden nur ein Häuflein darstellen, hat einen starken assimilierenden Einfluß, und dann begegnet die Beobachtung des jüdischen Gesetzes, wie z. B. des Sabbats im Berufe, zahlreichen Widerständen. All das fällt in Erez-Israel nicht in die Wagschale. In Erez-Israel gibt es noch keine Großstadt, keine geistigen Wirkungen von der nichtjüdischen auf di.e jüdische Bevölkerung und keinen Widerstand des Alltagslebens gegen die Thorahut. In den Diasporaländern wird immer und immer wieder versucht, die jungen Menschen der Orthodoxie organisatorisch zu umfassen, in Erez-Israel jedoch ist von solchen Versuchen, trotz der wesentlich günstigeren Bedingungen, kaum etwas zu merken. In Erez-Israel liegt! das Gefahrenelement mehr innerhalb als außerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Das Abwehrniittel der organisatorischen Zusammenfassung der Jugend würde aber auch hier sicher gute Wirkung haben können. Was kann in der Schule selber noch getan werden? Es darf nicht so bleiben, daß Erziehung in einer religiös gerichteten Schule Verzicht auf Ausbildung jugendlicher Körperfähigkeiten in Sport und Spiel bedeutet, daß verminderte Lebensfreude Begleiterscheinung der den Sabbath nach den Grundsätzen der Tradition beobachtenden Schule ist. Man sollte an einem Wochentage die Schule schon um Ii Uhr schließen, den Tag auch ohne Hausaufgaben lassen, um den langen Nachmittag für den Sport zu reservieren. Kameradschaftliche Zusammenschlüsse gleich denen der Zolim bei den anderen, wäre auch bei b?i der Jugend der Misrachischulen zu schaffen. Die Schulleitungen werden glauben, die paar

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