Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 48 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 48 Z I 0 N Nr. 4 deutungen beschränken und der Hoffnung Ausdruck geben, daß ich einmal Gelegenheit haben werde, das alles mit der nötigen Ausführlichkeit zur Darstellung zu bringen. Es wird sicherlich in Deutschland als sehr ketzerisch empfunden werden, aber ich will es doch einmal aussprechen: man klammert sich viel zu sehr bei Erörterung der Frage Thora und moderne Bildung an bestimmte Menschen, die historisch ihre Bedeutung haben, insbesondere mit Rücksicht auf unser Kulturproblem, und an bestimmte Typen von Lösun.- gen. Ich halte den Beitrag Hirschs zur Lösung dieses Problems nicht für so groß wie viele andere das tun. Ich bekämpfe gewiß nicht seine moderner Bildung zuneigende Haltung, aber ich sehe weder in der Tendenz noch in der Leistung irgendetwas, das nur vorbildliche Bedeutung hätte. Insbesondere hat Hirsch nicht erkannt, daß ein großer Unterschied zwischen einer allgemeinen mäßigen Bildung der Masse und einer wirklichen großen Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne bestellt. Das Aristokratische an diesem Problem, wenn ich so sagen darf, das Maimonides eignete, ist in Hirschs Bestrebungen nicht zur Reife gelangt. Damit unterschätze ich nicht seine Bemühung. Hier lag aber eine erzieherische Aufgabe einfachen Grades vor. Das was darüber hinaus, zwar nicht für jeden einzelnen, aber für die Gesamtheit, für das Judentum geistesgeschichtlich notwendig ist, ist eine Auseinandersetzung auf höherer Stufe, wo Homiletik weiß Gott nicht mehr die ausreichende Methode ist, sondern wo beste Kenntnis wissenschaftlichen Denkens, seiner Methodik, aber auch natürlich bestes Wissen um die jüdischen Gebiete selbstverständliche Voraussetzung ist. Diese Dinge bleiben Aufgabe, wo immer wir sind. Sie werden durch Palästina nicht beseitigt, wohl aber, hoffen wir, erleichtert. Daß aber die Situation des einzelnen jüdischen Menschen, der ja auch seine Problematik hat, sich fast mit Sicherheit im Sinne einer Beruhigung ändert, wenn er sich in Palästina ansiedelt, das scheint mir für traditionelle Menschen selbstverständlich, und deshalb ist alles, was Rabbi Binjamin zu dieser Frage sagt, nicht nur zu ihr, sondern auch zu vielem Sozialen, wirklich zutreffend. Hier nützt keine Ironisierung und kein Hinweis auf das zum Teil nicht traditionelle Milieu Palästinas (wie Elias es tut). Wer nicht erkennen kann oder will, was jede Heimat und was insbesondere die jüdische Heimat, dazu noch errichtet mit so viel Energie, Blut und Idealismus, für die seelische und geistige Gesinnung des Einzelnen und der Gruppen bedeutet, dem! mangelt ein Organ, das wir ihm nicht geben können, aber wir möchten verhindern, daß Darstellungen dieser Art, wie etwa bei Elias, allzusehr Gemeingut der Orthodoxie werden und Menschen, die vielleicht auf Grund ihrer seelischen Struktur befähigt sind, zu unseren Erkenntnissen und unseren Entscheidungen zu gelangen, durch Gedankengänge, wie die von Elias abgelenkt werden. Ich muß es auch unterlassen, hier auf Gedankengänge einzugehen, die sich in der Richtung des Lubawitscher Rebben bewegen. Mag er auch mit seiner Abneigung gegen die deutsche Orthodoxie in vielem recht haben, so verkennt er doch völlig, daß hier ein großes geistiges Problem vorliegt» das man nicht dadurch aus der Welt schafft, daß man es nicht sieht. Nicht nur in unserer Gegenwart hat man mit diesen Dingen gerungen, und gerade heute wird man am wenigsten dem durch bloße Xegierung beikomnien. Ich meine, daß die Entwicklung im jüdischen Osten dem Lubawitscher Rebben unrecht gibt. Ich hoffe, daß es nicht dahin kommen wird, daß man eines Tages sagen muß: auch ohne die Bejahung der modernen Kultur ist hier ein Teil des jüdischen Volkes religiös zusammengebrochen. Es müßte doch den religiösen Führern, oder denen, die berufen sein .sollten, religiöse Führer zu sein, zu denken geben. \\Yie stark das jüdische religiöse Leben auch im Osten zurückgeht. Man kann hier nicht immer anklagen und in dem bösen Zionismus oder anderen politischen Bewegungen die Schuld erblicken, sondern muß die Kraft haben, zu sagen, daß die Schwäche der religiösen Judenheit diese absteigende Entwicklung herbeigeführt hat oder hat herbeiführen helfen. Ich habe diese Dinge auch nur deshalb hier noch einmal gestreift, weil ich auch meinerseits zeigen wollte, wie sehr die Frage Rabbi Binjamins an viele Dinge rührt und wirklich eine Schicksalsfrage ist. Es soll die Antwort an Rabbi Binjamin abschließend lauten: der deutsche Misrachi ist wirklich entschlossen mit der Heimkehr ernst zu machen, und wird, wie wir hoffen, von Mal zu Mal nennenswertere Gruppen in die Heimat senden. Die eigene Schwäche und die Schwere der Situation haben das Tempo bisher verzögert. W i r danken Rabbi Binjamin, daß er s eine n M a h n r u f a n uns hat gelange n 1 a s s e n. Er hat manchen zur Besinnung gebracht und dadurch den Weg nach Zion nicht wenigen geebnet. Das Ist verdienstvoll und wird gewiß noch segensreiche Folgen haben. Jugendprobleme in Erez Israel. Von S a 1 y Geis, Tel-Aviv. Es soll von der Jugend der Orthodoxie gesprochen werden. Zwei Kreise sind da voneinander zu trennen, die Einflußsphäre der Agudas Israel und die des Misrachi. Die ersteren verharren bei