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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 46 (sequence 8)
Language
German
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Seite 46 Z 1 0 N Nr. 4 daß die Galuth-Etappe gehalten werden muß und nicht zuletzt von Männern, deren national-religiöse Energie man ganz besonders gerne in Palästina zur Entfaltung kommen sehen würde. Aber noch immer gilt es, die Bewegung in der Golah zu entfachen und am Leben zu erhalten. Noch einen geraumen Abschnitt müssen die hier zu schaffenden Positionen immer erneut behauptet, ja mitunter erst errichtet werden. Es ist leider immer noch nicht so weit, daß die landsmannschaftlichen Organisationen und die Funktionen, die sie ausüben, als Selbstverständlichkeit existieren. Immer wieder müssert stärkste Energien dafür eingesetzt werden, daß das Errungene behauptet wird. Ginge es nur um das Schicksal der Diaspora, so könnte vielleicht der eine oder der andere die. Notwendigkeit dieses Ausharrens in Zweifel stellen. Ich bin freilich der Meinung, daß auch die Diaspora noch, und nicht für kurze Zeit, so bedeutsam ist, daß sie um ihrer selbst willen gestützt werden muß. Die Millionen Juden in allen Ländern müssen als Juden erhalten und, wenn es geht, gefördert werden. Wir können auf keinen Fall, auch als rigoroseste Theoretiker, die Diaspora einen Tag früher freigeben, als Palästina so über alle Zweifel gesichert erscheint, daß dort nicht nur potentiell, sondern auch aktuell fast alle jüdische Kraft gesammelt ist. Aber auch um Palästina willen — und das ist das Entscheidende — bedeutet die Etappe der Golah so unendlich viel: Menschen, Mittel und Resonanz müssen hier immer wieder erneut für das Werk des Aufbaues bereitgestellt, bezw. aufs Neue geschaffen werden. Um dieses Gefälle herzustellen, bedarf es mühseligster Arbeit, deren Wert und entnervende Beanspruchung nicht immer genügend erkannt wird. Ich möchte beileibe nicht in den Verdacht kommen, nun mit einem Mal als Lobredner der Galuth und als Befürworter der besonderen Dignität der Galutharbeit zu gelten. Alles, was ich sagte ist gleichsam nur zur Entschuldigung vorgebracht. Es wäre alles wertlos, wenn nicht immer die Erkenntnis mitschwänge, daß alles seinen Sinn einbüßen würde, wenn nicht die Hauptkraft Palästina gehörte und daß auch schon jetzt die besten Menschen in großer Zahl dorthin müssen. Aber zur Klärung der wirklichen Situation ist es vielleicht nicht unnötig gewesen, diese ziemlich einfachen Verhältnisse noch einmal ins Gedächtnis zurückzurufen. Wir haben doch begonnen, einen Teil dessen zu verwirklichen, was Rabbi Binjamin von uns fordert. Wir haben dank der Mühewaltung einiger besonders ergebener Mitarbeiter — hier muß besonders unser Freund Benno K o h n genannt werden, aber auch andere, insbesondere Zeirim, sind auf diesem Gebiete verdient — unsere Hachscharah so auszugestalten begonnen, daß in absehbarer Zeit die misrachistische Alijah von Deutschland recht ansehnlich sein wird. Indem wir unsere Jungen mobilisieren und es zustande gebracht haben, nicht nur zahlenmäßig, sondern auch qualitativ für die Hachscharah Bedeutsames zu vollbringen — es sind neuerdings Kinder aus Häusern in Hachscharah, die früher gewiß, infolge ihrer patrizischen Tradition, niemals daran gedacht hätten, ihnen diesen Weg zu gestatten — haben wir für die deutsche Judenheit und insbesondere für den deutschen Misrachi den Beginn einer Antwort gegeben. Er genügt nicht, er spricht nicht d i e frei von Verpflichtung, die hier noch nicht die Zelte abbrechen, aber er leistet doch jedenfalls in einer vorläufigen Weise den Beitrag unseres Landes zum Aufbau und zwar hier nicht "Urtaax, sondern "usus.. Ich habe die starke Hoffnung, daß hier keine ephemäre Erscheinung vorliegt, sondern der Beginn einer steigenden Bewegung, die Rabbi Binjamin und alle, die mit Voraussicht den Aufbau des jüdischen Landes erwägen, befriedigen wird. Wenn diese Alijah-Bewegung des deutschen Misrachi und der Menschen, die durch sein Medium nach Palästina gelangen werden, so gesichert sein wird, daß sie als selbstverständlicher Faktor sich hier auswirken kann und wenn auch sonst der Nachwuchs an politischer Führerschaft uns die Ueberzeugung gibt, daß die Zukunft des deutschen Misrachi gesichert ist, dann wird von selbst die ältere Führergeneration leicht den Weg nach Erez-Israel finden. Und nun ein Wort zu der kulturellen und allgemeinen Situation, die die Lage der Orthodoxie gegenwärtig so trostlos in der Diaspora macht. Ich möchte zunächst meiner Ueberzeugung Ausdruck geben, daß uns Misrachisten durch das nationale Ideal, durch die uns unmittelbar vorschwebende Aufgabe der Wiedererrichtung unserer Heimat, ein Teil der seelischen Schwierigkeiten der übrigen Orthodoxie gemildert ist. Es ist noch nicht mit genügender Klarheit erkannt und noch nicht mit genügender gedanklicher Präzision ausgesprochen worden, wie sehr sich nicht nur das jüdische Weltbild für den verändert, der sich zur misrachistischen Arbeit und Anschauung bekennt, sondern wie sehr sich auch das jüdische Schicksal für den national-religiösen Menschen umgestaltet. Vielleicht ist der Zeitraum zu kurz, um zu einem abschließenden Urteil zu gelangen: aber ich glaube, daß mein Instinkt mich nicht täuscht, wenn ich sage, daß die Gefahren der Umwelt, die assimilierenden Tendenzen, wesentlich geringer für Menschen unserer Ueberzeugung sind. Die Gründe und Ursachen dieses Sachverhaltes, so kompliziert sie in ihren Wirkungs-

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