Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 45 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr- 4 Z I 0 N Seite 45 dem Lande zu verwirklichen, nicht geringer, als in den anderen Teilen der zionistischen Organisation. Das Problem der Vereinigung von Thora und profaner Bildung, an das Rabbi Binjamin seine Frage anknüpft, muß hierbei für den einzelnen und für die Gesamtheit nicht hemmend, im Sinne einer Zurückhaltung im Galuth, sondern im Gegenteil, fördernd, im Sinne einer Beschleunigung der Uebersiedlung wirken, wenn einmal erkannt ist, daß nur dort diese Synthese wirklich erreichbar ist. Denn gerade wenn man davon durchdrungen ist. daß sie erreicht werden muß, daß sie aber im Galuth nicht erreichbar ist, muß ja um so stärker das Streben sein, den Versuch in Erez-Israel, unter besseren Bedingungen, zu wiederholen. Hier aber muß, wie es ja einmal bei uns Juden üblich ist, auf die Frage eine Gegenfrage gestellt werden: Sind unsere Führer in Erez-Israel durchdrungen davon, daß die Schaffung dieser jüdischen Kultur unser Ideal sein muß, dann werden wir gemeinsam an diesem Aufbau arbeiten können. Sollten aber, wie aus anderen Stellen des Rabbi Binjaminschen Artikels gefolgert werden könnte, auch sie der Meinung sein, daß diese ganze Lösung nur eine solche sei. die man des Kompromisses mit dem Galuth willen angestrebt hätte, dann müßte die kulturelle Auseinandersetzung nicht nur zwischen dem Mis.- rachi und seinen Gegnern, sondern auch innerhalb des Misrachi erfolgen. Die Bereitstellung der nächsten Ceneration für Erez Israel. Von Dr. Oskar Wolfsberg. Als ich den Aufsatz Rabbi B i n j a m i n s „N u r eine Frag e" betitelt, las, da entstand in mir der Wunsch, daß recht viele, denen es ernst um unsere Sache ist. sich mit seiner Frage auseinandersetzen und eine Antwort geben möchten. Denn die Frage Rabbi Binjamins ist inhaltlich ernst und von ihm mit sittlichem Ernst gestellt. Und so liegt uns die Pflicht ob, mit gleichem Ernst uns mit ihr auseinanderzusetzen und sie nicht mit leichter Gebärde zu erledigen. Es kommt hier nicht darauf an. nachzuweisen, daß in Rabbi Binjamins Gedankengängen das eine oder andere allzusehr zugespitzt und daß nicht alles haltbar ist an dem, was er von der Situation in der Galuth sagt. Die eigentliche Frage, die er an uns richtet, behält ihre große, erschütternde Stoßkraft. Wäre mir der Raum nicht begrenzt, so würde ich mich auch ausdrücklich mit den Ausführungen auseinandersetzen, von denen Rabbi Binjamin ausgeht: die Darlegungen von Dr. Elias und die des Lubawitscher Rebben müßten eingehend kritisch behandelt werden (ich hebe diese beiden Autoren heraus, weil sie sich teils mit besonderer Schärfe, teils mit besonderer Ausführlichkeit geäußert haben, während z. B. die Auerbachsche Abhandlung schon älteren Datums ist). Aber gerade das kann nicht, und hier nicht geschehen, weil dazu eine sehr eingehende Analvse und zwar der Galuth-Situation und ein grundsätzliches Bekenntnis in Fragen der Kultur nötig wäre. Andererseits darf gesagt werden, daß gerade die Situation des Misrachi eine prinzipiell andere ist, als die der übrigen Orthodoxie und gerade in dieser Erkenntnis liegt ein Teil der Antwort, die Rabbi Binjamin gegeben werden kann. Nur im Vorbeigehen möchte ich sagen, daß Elias in seinem zweiten Aufsatz, der bereits polemisch gegen den auch hier zur Debatte stehenden Artikel Rabbi Binjamins gerichtet ist, offenbar den ganzen Aufsatz, wie die Richtung des Binjaminschen Aufsatzes, nicht recht verstanden hat. In ihm scheint Elias zu meinen, daß Rabbi Binjamins Auseinandersetzung hauptsächlich ihm gelte. Das ist sicherlich ein Irrtum, denn Elias' Aufsatz war gewiß nur ein Anlaß zu den von Rabbi Binjamin beabsichtigten Gedankengängen. Es wäre vielleicht deshalb von vornherein besser gewesen, den Elias'schen Ausführungen nicht die Bedeutung im Rahmen des Binjaminschen Artikels beizumessen, wie es geschehen ist. Eigentlich kann nur jeder Misrachist für seine Person Rabbi Binjamin die Antwort geben und dennoch glaube ich, daß es so etwas wie eine Kollektiverwiderung gibt. Diese hat zunächst freimütig und ehrlich zu bekennen, daß wir gefehlt haben, daß tatsächlich die Frage Rabbi Binjamins in uns ein Schuldgefühl weckt und uns empfinden läßt. daß wir nicht das Letzte an Kraft und Leistung eingesetzt haben. Ganz abgesehen von der besonderen Situation der deutschen Orthodoxie im gegenwärtigen Moment ist das Problem der Uebersiedlung. ist unsere Heimkehr nach Zion für uns so unmittelbar gegebene Pflicht, seitdem wir erkannt haben, welche Richtung die jüdische Geschichte genommen hat, daß das Verbleiben wesentlicher Teile des deutschen Misrachi und vor allem auch seiner führenden Gestalten, ein Mangel an Erfüllung ist. Nicht das, was der Einzelne dafür ins Feld führen kann, was ihn persönlich in der Golah festhält, ist als Antwort interessant: denn das individuelle Schicksal und die zufälligen persönlichen Beweggründe sind in diesem Zusammenhang wirklich völlig gleichgültig. Bedeutsam kann nur sein, was gruppenmäßig charakteristisch ist und was mit Vorbedacht, nämlich mit Rücksicht auf jüdische Erwägungen und zionistische Beweggründe uns bisher zurückhielt. Es gehört zu deii tragischen Gegebenheiten,