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Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 44

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 44 (sequence 6)
Language
German
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Seite 44 Z I 0 N Nr. 4 Setzung der Hirsch'schen Einstellung zum Bildungsproblem enthalten, denn auch S. R. Hirsch ging davon aus, daß die positive Einstellung zu den Gütern der Weltkultur ein Kompromiß darstelle, das der Galuthjude schließen müsse. Ganz anders war die Auffassung Esriel Hildesheimers und von ihr aus gesehen, stellt sich das Problem vollkommen anders dar. Um nichts zu verfälschen, möchte ich wörtlich zitieren. Bei der Eröffnung des Berliner Rabbinerseminars formulierte Hildesheimer seinen Standpunkt wie folgt,: „Das Postulat ist die Gütergemeinschaft der ganzen Nation an dem Besitztum der jüdischen Wissenszweige . . . Forschung im Buch Gottes und der es ergänzenden mündlichen Tradition ist für jeden Israeliten, ohne Ausnahme, heilige religiöse Pflicht . . . Schon der berühmte römische Redner und Philosoph hat es ausgesprochen, daß die Wissenschaften alle in gegenseitigem Konnex stehen, wechselseitige Beziehungen zueinander haben. Es muß dadurch ergänzt werden, daß nicht nur die Wissenschaften in diesem Zusammenhang stehen, sondern auch die Wissenschaftlichkeit, d. h. die Empfindlichkeit der wirklichen oder moralischen Person für die verschiedenen Zweige des wissenschaftlichen Gebietes. ,Nichts wahrhaft Humanes ist mir fern", sagt ein anderer römischer Klassiker. Wir müssen dieses als Ergänzung des erstgenannten Satzes betrachten. Wenn wir nun diese Wahrheit für die moralische Person des jüdischen Stammes reklamieren, so brauchen wir wahrlich nicht um Beweise verlegen zu sein, müssen uns vielmehr fast hüten, die volle Wahrheit zu sagen, um nicht der Ueberhebung und des Stolzes geziehen zu werden. So viel dürfen wir doch konstatieren, daß eben dieser jüdische Stamm auf allen Wissensgebieten, wo er nur irgend zur Konkurrenz zugelassen, ein Kontingent stellt, welches das Personenverhältnis weit überschreitet. Worin liegt das Geheimnis dieses großen völkerpsvchologischen Problems? Wir sind über die Lösung nicht im Zweifel, wir haben sie bereits gefunden. Es ist nämlich unmöglich, daß der Wissensdrang von einem Gebiete des Wissens nicht die Brücke schlagen sollte zu den übrigen Wissenszweigen und da, wie wir im Abendgebet sagen, die jüdische Wissenschaft unser Leben und die Länge unserer Tage ausmacht, so wäre es unmöglich, daß dieser Idealismus nicht seine Anker auch in anderen Gewässern des geistigen Weltmeeres auswerfen sollt e." In einem früher einmal von mir gehaltenen Vortrag habe ich dieses Zitat noch um eine Reihe anderer vermehrt, aber ich glaube, daß schon dieses allein genügt, um zu zeigen, daß hier eine andere Auffassung herrscht, als die von Rabbi Binjamin zitierte und daß, wenn wir diese letztere als die eines Kompromisses zwischen Thora und Weltkultur bezeichnen dürfen, die von Hildesheimer vertretene die Forderung einer S y n t h e s c der beiden Faktoren enthält. Intensive Beschäftigung; mit den fremden Wissenschaften, Streben nach Aneignung der Güter auch der fremden Kulturen, ist nicht erforderlich um eines bestimmten Zweckes willen (Vorwärtskommen im Beruf, Standhalten im Lebenskampf etc.), sondern ist erforderlich, weil nur dann von jeder Generation die Thora voll erfaßt werden kann, wenn jedes Geschlecht auf der Höhe seiner Zeit steht und nicht die Augen vor dem verschließt, was seit dem vorigen Geschlecht an Kenntnissen neu gewonnen worden ist. Von diesem Standpunkt aus braucht man sich mit Aeußerungen, wie den im Namen des Lubawitscher Rabbi zitierten nicht auseinanderzusetzen, kann vielmehr nur bedauern, daß ein Mann von seiner sonstigen Größe noch heute glaubt, daß das wahre Judentum sich auch dort entwickle, wo man von der fremden Kultur abgesperrt sei. Niemand von uns wird glauben, daß wir in Deutschland die Lösung mehr als theoretisch gefunden hätten: wir sind vielleicht seit der vorigen Generation auch um die Erkenntnis reicher geworden, daß auch eine solche Synthese im Golus kaum vollziehbar ist. weil die Gewalt der Tatsachen hier verhindert, daß der einzelne in die Lage komm;t:. das Maß beider Gebiete zu erschöpfen, das zu einer vollkommenen Synthese erforderlich wäre; aber wir glauben, daß auch hier, wie überall, schon die Erkenn t n i s eines Weges einen wesentlichen Schritt vorwärts bedeutet und daß jedenfalls die Art und Weise, wie das deutsche Judentum den Emanzipationskampf überstanden hat. nicht möglich gewesen wäre, wenn man nicht den Versuch gemacht hätte, diesen Weg zu beschreiten. Dabei ist, wenn man von der inneren Notwendigkeit dieser Synthese durchdrungen ist, wenn man sie als die wahre jüdische Pflicht ansieht, dieses Ergebnis selbst natürlich nicht ausschlaggebend, wir erwähnen es nur. weil leider die bisherige Entwicklung im Osten zu zeigen scheint, daß auch vom Standpunkt des Ergebnisses aus gesehen es tief bedauerlich ist, daß die führenden Männer dort Bich dieser Erkenntnis noch immer verschließen. Aus diesen Ausführungen wird Rabbi Binjamin die Antwort auf seine Frage erkennen. Im deutschen Misrachi ist sicher das Streben, den Zionismus durch persönliche Verknüpfung des einzelnen mit

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