Mannheim
Compact Memory

Zion · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 43 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3133276-3139335-3139339--0279-3139767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 4 Z I 0 N Seite 43 und als einer der wesentlichsten direkten Gründe, die zum Ausbruch der Unruhen führten, wird sogar die Demonstration der jüdischen Jugend ran der Mauer angeführt. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie die Kommission anscheinend keinerlei Verständnis aufbringen konnte für die Gefühlsmomente, die auf jüdischer Seite mit der Mauer verbunden sind. Das historische Recht, von dem die Balfour-Deklaration spricht, existiert für die Kommission nicht, Recht ist für sie nur das, was durch direkten Besitztitel oder schriftliche Bestätigung von Gerechtsamen nachgewiesen werden kann. So nimmt der Bericht es dem Oberrabbinat sehr übel, daß es der wiederholten Aufforderung zur Beibringung dokumentarischer Unterlagen nicht nachgekommen ist. Daß der Zutritt zur Mauer und das Beten dortselbst zu unseren Rechten gehört, anerkennt die Kommission, aber sie scheint der Ansicht zu sein, daß wenn nicht durch Dokumente erhärtet wird, daß wir in türkischer Zeit Gegenstände zum vorübergehenden Gebrauch zum Gebet mitbringen durften, wir auch heute kein Anrecht darauf hätten. Dabei gibt die Kommission zu, daß ihrer Meinung nach die Maßnahmen der Araber im Zusammenhang mit der Mauer vorgenommen wurden, um die Juden zu belästigen. Dies wird angenommen, sowohl vom Bau der kleinen Moschee an der Innenseite der Mauer, von dem Rufen zum Gebet in der Moschee auf der Mauer selbst, sowie auch von dem Musikspielen, das angeblich zu religiösen Zwecken auf einem der Mauer benachbarten Grundstück seit einigen Monaten praktiziert wird, trotz alledem bringt die Kommission es nicht über sich, ein einziges Wort des Verständnisse s für unsere Ansprüche zu sprechen. Tröstlich für uns sind die Anmerkungen des Kommissionsmitgliedes Mr. S n e 11, die er dem Bericht hinzuzufügen für nötig befunden hat. Daß es gerade das sozialistische Mitglied der Kommission sein mußte, das Verständnis fand für die jüdischen Ansprüche, die von verschiedenen uns gegnerischen Seiten als Unterstützung imperialistischer e nglischer Politik angesprochen werden, entbehrt nicht ganz der Ironie des Schicksals. Es zeigt dies aber auch, wie mannigfaltig die Schwierigkeiten des nüchternen, außenstehenden Beurteilers unserer Absichten und unseres Werkes sind. Angesichts dieses offenbar doch nach Unparteilichkeit strebenden Kommissionsberiehtes müssen wir uns ein für allemal klar machen, daß nur Menschen besonderen Formats ein solches Maß von. Verständnis und Einfühlungsvermögen aufbringen ikönnen, wie es notwendig ist, um unsere Arbeit w irklich zu fördern. Lord B a 1 f o u r. der für uns viel zu früh Verstorbene, hat uns ganz verstanden. Die ganz großen Menschen sind aber stets einmalige Erscheinungen. Doch die Ideen der Großen, Einmaligen werden aufgegriffen von Menschen, die ihnen nachstreben, die Idee wirkt fort und was wirklich ewig an ihr ist wird sich in der Welt durchsetzen. In dieser Ueberzeugung kann uns der Kommissionsbericht nicht kleinmütig machen. Wir haben Größeres überwunden, und in diesen Tagen des Gedenkens, des Auszuges aus Knechtschaft zur Freiheit, können wir ruhigen Herzens uns darauf verlassen, daß auch in diesem Moment jüdischer Geschichte die starke Hand und der ausgestreckte Arm, die unser Geschick leiten, uns helfen werden alle Schwierigkeiten zu überwinden — wenn wir wollen, ist es kein Märchen. Zwei Antworten auf eine Frage ). Unsere Stellung zur Kulturfrage. Von Dr. Arnold Barth. Berlin. In Nr. 2 des „Zion" schreibt Rebbi Binjamin einen höchst anregenden Aufsatz, im Anschluß an drei an verschiedenen Stellen erschienene Artikel, die sich sämtlich mit dem Thema „Gesetzestreues Judentum und profane Bildung" beschäftigen. Eis ist nicht meine Absicht, mich mit diesen Aufsätzen als solchen auseinanderzusetzen und zu untersuchen,, ob Rabbi Binjamin sie in jedem Punkt richtig verstanden hat, oder ob ihm nicht Irrtümer in der Wiedergabe unterlaufen sind; denn es genügt, daß ein Mann von der Intelligenz von Rabbi Binjamin die Aufsätze so verstanden hat, wie es geschehen ist, um jedenfalls eine Auseinandersetzung mit dieser Auffassung als wichtig erscheinen zu lassen. Geht man hiervon aus, so kann man sagen, daß einheitlich, und nur in Nuancen verschieden, die Wiedergabe der drei Aufsatz-Inhalte daraujü hinausläuft, daß die Autoren Auerbach. Elias und Grünberg den Weg der Verbindung von Thora mit allgemeiner Bildung, der in der Wiedergabe jedesmal als der „Hirscfvsche Weg" bezeichnet wird, als recht anfechtbar und vielen Gefahren ausgesetzt betrachten, daß sie aber alle doch zu dem Ergebnis kommen, daß man von diesem Weg nicht abgehen könne, wenn auch Grünberg (nach Rabbi Binjamin) dies lediglich unter der Voraussetzung konzediert, daß wir uns stets dessen lebendig bewußt seien, daß es sich um einen gefährlichen Weg handle, den wir nur um eines Zwanges willen verfolgten. Die vorstehend gekennzeichneten Auffassungen würden in der Tat eine ziemlich konsequente Fort- *) Siehe den Artikel „Nur eine Frage" von Rabbi Binjamin, „Zion", Jahrgang IL, Heft Nr. 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.