Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 3 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 38 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 Z I 0 N Nr. 3 seinen Helfern ganz ähnlichen Anfechtungen ausgesetzt war, wie die ersten Gründer und Sammler der Bibliothek! Andererseits kann Dr. J. Engel in dem darauffolgenden Beitrag der gleichen Festschrift „Die palästinensische Schule in der rabbinischen Literatur" neben der scharfen Gegnerschaft der Jerusalemer Kreise auch das entschlossene Eintreten Rabbi Samuel M o h i 1 e w e r s. eines der Gründer des Misrachi. für das neue Schulwerk würdigen. So finden wir schon hier die gleiche charakteristische Doppelheit, die bis heute die Orthodoxie so unheilvoll spaltet. Vielleicht fällt auf sie ein Schimmer versöhnenden Humors durch die verbürgte Tatsache, die zum Schluß dieses Abschnittes erzählt sei: Einer der greisen und hochbedeutenden Rabbinen. die noch vor ganz wenigen Jahren den Bann gegen die Nationalbibliothek erneut durch ihre Unterschrift bekräftigten, schenkte kurze Zeit darauf eben dieser Nationalbibliothek — seine eigenen Werke. F ü r die J u g e n* d. Die moderne gesetzestreue Schule Palästinas braucht in viel höherem Maße ihr eigenes Schrifttum, als es ihr bisher geworden ist. Deshalb muß jeder, wenn auch noch bescheidene Anfang liebevoll vermerkt werden. Als solcher dürfen z. B. die Erzählungen nach biblischen und (almudischen Stoffen gelten, die der Lehrer am Allgemeinen Lehrerseminar und Verfasser eines soeben erschienenen Buches zur Methodik des Tenachunlerricht.es in Palästina. C. A. S u t a. geschrieben hat. In etwa die gleiche Reihe . gehören die drei bisher vorliegenden Heftchen einer Monographie über ..König Saul" von dem Jerusalemer misrachistischen Schriftsteller Chaim Chan o c h Stein (zu haben durch den Verfasser, per Adresse: Jerusalem. Jeschiwah Raw Kuck). Die Erzählung verwendet sehr geschickt und durchaus im Geiste der Tradition den knappen biblischen Bericht, in dessen Lücken sie sich gleichsam, mit feinem psychologischen Verständnis, eindrängt, um die einzelnen Entscheidungen Sauls und Samuels, von denen die Epik der Bibel selbst meist nur eben das Tatsächliche berichtet, zu motivieren. Die genaue Kenntnis des Landes kommt dem Autor besonders zustatten. Das Buch ist für den Schulgebrauch zu empfehlen, auch für Deutschland, evtl. in Uebersetzung. Der vorhin schon erwähnte, auf dem Gebiet der Schulliteratur besonders rühmlich vertretene, Verlag Omanuth in Tel-Aviv gibt neuerdings, gemeinsam mit dem Erziehungsdepartement der Zionistischen Exekutive, das sich seinerseits mit Lehrerfachausschüssen berät. Quellenhefte. „M e g i 11 o t IV, zur jüdischen Geschichte und Literaturgeschichte heraus. Auch in ihnen spielt naturgemäß das traditionelle Moment eine sehr bedeutende Rolle; so handeln unter den historischen Heften zwei ü.b<-'r Rabbi Jochanan Ben Sakkai nach der Darstellung von Graetz-Rabbinowitz: zwei andere, die die sozialen Verhältnisse in der Zeit des ersten Tempels beschreiben, sind dem Geschichtswerk von J a w i t z in der Bearbeitung von A. G a w i t s c h entnommen. Po a1e - M i s ra c h i s t i s c he Lite rat u r Von der Bücherei ,.T h o r a W a a w o d a" liegen mir zwei Heftchen vor: das erste, von A. I. J e k u t i e 1 i. behandelt in recht tiefgründiger, umfassender, wenn auch knapper Weise, das höchste Problem von ,.Thora und Awoda als Weltanschauung", deren sich ergänzende Funktionen aus der jüdischen Tradition sowohl wie aus Gedanken moderner Philosophen belegt werden. Bedauerlich nur, daß auch diese Schrift, ganz unnötigerweise in den politischen Kampf eingreifend, die Forderung „der jüdischen Mehrheitbetont. Auch über die negative Stellung zum Klassenkampf wäre natürlich manches zu sagen, aber das Büchlein will ja weniger Lösungen geben als Fragen stellen, und das tut es in gescheiter und begründeter Weise. — Das zweite Heft von M e i r Schimon G e s c h u r i ist mehr historisch-praktischer Art und behandelt kurz die Geschichte des Hapoel Hamisrachi „V o tu ersten Straßenbau bis zur Errichtung des Arbeiterhauses". Die vielfältige Tätigkeit der Organisation wird in ihren wirtschaftlichen, kulturellen und organisatorischen Zweigen dargelegt, wobei etwas offizieller Optimismus, wie immer bei derartigen Gelegenheiten, wohl in den Kauf genominen werden muß. Er soll uns nicht daran hindern, uns des Erreichten zu freuen und Kraft zu sammeln für die Ersteigung des großen Berges, an dessen Fuß wir stehen. Einen ähnlichen Charakter, nur in noch strenger berichtender Form, trägt ein größeres Heft, „Zwei Ja h r e", das den Rechenschaftsbericht des Jerusalemer Hauptsekrelariats vom Jahre 5687 gibt und eine Reihe von Sitzungsprotokollen und wichtigen Beschlüssen über Organisation. Arbeit, Ansiedlung. Krankenkasse und Kultur bringt. Gerade für jene uns stets notwendige Spannung der Unzufriedenheit über die große Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit gibt es keine bessere Lektüre als die — alter Beschlüsse. Man sieht daran, wie viel man gewollt und wie wenig man erreicht hat, und nimmt sich vielleicht vor, sich wenig vorzusetzen, dies aber durchzuführen *)._ *) Die in diesem Artikel angeführten Bücher können sämtlich durch das Zentralbüro des Misrachi bezogen werden. Es ist unter der Leitung des Chawer Ingwer vom Zeire Misrachi, Berlin,