Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 3 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 38 Z I 0 N Nr. 3 dem daß wir mir für uns und für den Aulbau unseres National Home zu arbeiten hätten. Aber wie dem auch sei, die Tatsache sieht lest, daß wir dem Lande als solchem gewaltigen Vorteil bisher gebracht haben und es ist nur zu begrüßen, daß der rührige Verlag rvpyni -in?'} daran geht, das gesamte Material, das Herr Hoofien der Untersuchungskommission vorgelegt hat. in einer Sondernummer zu behandeln und dadurch einer weiteren Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation des Jischuw ist immer besonderes Augenmerk auf Tel-Aviv und seine Umgebung zu lenken, weil an diesem Punkte ungefähr ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung Erez-Israels konzentriert, ist. Die Augustereignisse haben in gewissem Sinne belebend auf Tel-Aviv gewirkt. Nach den Unruhen im Jahre 1921 verließen viele Juden ihre Wohnungen in Jaffa, was einen Impuls für den Bau der Stadl Tel-Aviv gab. und verblieben nur mit ihren Geschäften in Jaffa. Die Unruhen im August 1929 verursachten eine starke Abwanderung auch des Handels von Jaffa nach Tel-Aviv. Gaaz bedeutende Handelshäuser ließen entsprechende Gebäude in Tel-Aviv errichten und verließen Jaffa, so daß dieses heute eine stille Stadt geworden ist. Nur die am Jaffaer Hafen gelegenen Zoll- und Lagerhäuser zwingen noch den jüdischen Handel gewisse Beziehungen mit: Jaffa aufrecht zu erhalten. Da jedoch Jaffa keinerlei natürliche Voraussetzungen für einen Hafen hat und der Bau irgendeiner Hafenanlage an den Ufern Tel-Avivs vielleicht vorteilhafter noch als in Jaffa durchgeführt werden könnte, kann mit der Eventualität gerechnet werden, daß auf lange Sicht auch in Bezug auf den Schiffsverkehr Jaffa seine Bedeutung verlieren könnte. Durch die Abwanderung aus Jaffa sind die Bodenpreise und Ladenmieten im Handelszentrum (Merkas Mischari) Tel-Avivs ganz bedeutend gestiegen: es ist nur zu wünschen, daß diese Aufwärtsbewegung in normalen Grenzen bleibt, damit nicht wie im Jahre 1926 bei den Tel-Aviver Wohnungen ein plötzlicher Rückschlag eintritt. Mit dem Anwachsen der Baubewegung in Tel-Aviv hat die Ziegelei „Silikat"" nach langjährigem Stillstand ihre Arbeit wieder aufgenommen und hat durch Herabsetzung der Verkaufspreise der Ziegel den handgemachten Zementziegel. der bisher stark verwendet wurde, fast verdrängt. Vorerst sind im ..Silikat" nur 20 Arbeiter beschäftigt, doch ist ein Anwachsen dieser Ziffer für die nächste Zeit zu erwarten. Der Verband der Industriellen Tel-Avivs hat vor wenigen Tagen in einer Vollsitzung einen scharfen Protestbeschluß gegen die aus den Herren Dr. Hexter, Colonel Kisch und Pinkas Ruthenberg bestehende Leitung des (nach den Unruhen gegründeten) Hilfskomitees gefaßt und seinen Vertreter im Ausschuß dieses Komitees, den Eigentümer der Wirkwarenfabrik Lodzia, Herrn Schenker, aus diesem Ausschuß zurückgezogen, da er bei der Leitung des Komitees absolut kein Verständnis für die Fragen der Tel-Aviver Industrie gefunden hat. Es ist dieses um so bedauerlicher, als mit Ausnahme der sogenannten „ersten Hilfe" dieses Komitee bisher noch nichts Wesentliches für den Aufbau der zerstörten Gebiete und Existenzen getan hat, wiewohl schon mehr als ein halbes Jahr seit den Unruhen verflossen ist; immer noch befinden sich alle Fragen im Stadium der Verhandlungen. Es scheint dieses daran gelegen zu sein, daß auch die gegenwärtige Leitung des Hilfsfonds nicht genügend Vollmachten hat und an Instruktionen, die sie aus Amerika bekommt, gebunden ist. Auf die Dauer geht es aber nicht an. große wirtschaftliche Arbeiten auf Grund von Beschlüssen, die in Amerika gefällt werden, zu führen. In der Spiritus-Industrie hat neuerdings eine Vereinigung der bestehenden fünf Fabriken zu gemeinsamen Einkauf des Rohmaterials und Verkauf des Fertig-Produkles stattgefunden und ist anzunehmen, daß diese Maßnahme das Geschäft: wieder rentabel machen wird. Voraussetzung hierfür ist aber noch, daß die Regierung durch ein entsprechendes Zollgesetz die Erzeugung von Brennspiritus, der bisher nur vom Auslande eingeführt wird, ermöglicht. Die Verhandlungen hierüber ziehen sich schoi> seit zwei Jahren hin; auch in dieser Beziehung malen die Mühlen Englands recht langsam. D. Z. P. Palästina-Tagebuch. Und wieder Tel-Aviv! Wer nach langer Zeit wieder einmal von Jerusalem nach Tel-Aviv kommt, wird, insbesondere jetzt, in der Zeit jüdisch-arabischer Höchstspannung, unmittelbar den gleichsam atmosphärischen Unterschied empfinden, der zwischen beiden Städten herrscht. Der Forlfall einer irgendwie in Betracht kommenden arabischen Bevölkerung macht Tel- Aviv, trotz des nahen Jaffa, zum einzigen Orte Palästinas und der Welt, wo es so etwas wie ..Judenstaat" gibt, mit allen Nach- und Vorteilen. Es ist jedenfalls gut, daß die Leitung der Geschicke des Tischuw und der Zionistischen Organisation im wesentlichen in Jerusalem und nicht in Tel- Aviv liegt, da man in der jüdischen Stadt sich allzu leicht Illusionen über die Existenz oder Nichf:- existenz der Araber machen kann. Heute sei aber etwas anderes in den Mittelpunkt gestellt: ein möglichst genauer, beinahe erlebnis-otcnographischer Bericht darüber, was mir Tel-Aviv in einem etwa 36stündigen Aufenthalt für Eindrücke vom jüdisch-religiösen Leben übermittelt hat. Es sind gewiß zufällige und vereinzelte Eindrücke, aber vielleicht doch nicht ganz ohne symptomatischen Wert. Freitag abend. Die neuerbaute, schöne und einfache, dabei sehr geräumige Synagoge des ,,Moschaw Sekenim" ist vollkommen besetzt, obwohl sie der sich nun allmählich vollendenden „Großen Synagoge"' schräg gegenüber liegt. Wir haben noch Zeit, auch dort noch etwas vom Gottesdienst: zu sehen: es ist ebenfalls ganz voll, bemerkenswert viel junge Leute. Allerdings wieder einmal irgendein Gastspiel irgendeines berühmten Kantors. Uns fällt ein. daß die linksbürgerliche Tageszeitung „Haaretz" gerade um diese Zeit einen Artikel' gebracht hat, der sehr mit Recht auf dieses kantorale Unwesen hinwies. Hoffentlich nützt es was! Sonst aber scheint sich die Synagoge in einer schönen und systematischen Entwicklung zu be-' finden, sie veranstaltet jeden Sabbath nachmittag populär-wissenschaftliche Vorträge religiösen Inhalts, die recht gut besucht sein sollen, leider aber genau zur gleichen Zeit wie Bialiks „Oneg Schabbath" stattfinden und also ein wenig nach