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Zion · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 37 Ein Brief statt eines Artikels. Ueber Kunst wollen Sie etwas von mir wissen, verehrter Herr Redakteur? Davon verstehe ich zu wenig, und ich finde es auch zu langweilig davon zu schreiben. Die Herrschaften, die sich dafür interessieren, mögen doch herkommen und selber sehen — sie werden dann manches Schöne und Neuartige finden, was auf dem Felde der Kunst hier von zahlreichen jungen Künstlern hervorgebracht wird. Aber es gibt noch vieles andere, was das Herz erfreut und wovon man gerne plaudert! Eine der schönsten Volkssitten in Erez-Israel ist das Fest des Chamischa Assar b'Schwalh — das Neujahr der Bäume'. Wie im vorigen Jahre hatte ich auch dieses Jahr die Freude, die etwa I2G Schülerinnen der Misrachi-Mädchenschule unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen in meinem Garten zu begrüßen. Es war ein herzerfreuender Anblick, als die Kinderschar in langem Zuge singend die Straße heraufgezogen kam und sich dann im Garten um die blau-weiße Fahne gruppierte. Die Sonne sandte vorschriftsmäßig ihre schönsten Strahlen herab, Herr Benschab a t. der Direktor der Schule, hielt eine begeisternde Ansprache, in der er die Kinder über das Wesen der Feier und die Bedeutung des Keren Kajemeth aufklärte. Jedes Kind bekam dann einen Blumensteckling — es wurden Reihen formiert, und dann trat ein Kind nach dem anderen heran und pflanzte seine Blume in den Boden. Sie waren stolz, als sie sahen, wie prachtvoll die im vorigen Jahre von ihnen gepflanzten Geranien sich entfaltet hatten. Munteres Geplauder begleitete diese schöne Szene, und wieder kam uns zum Bewußtsein, daß es von all dem Erhebenden, das wir hier dauernd erleben, mit das Wundervollste ist, unsere herrliche Sprache aus Kindermund zu hören. Nach getaner Arbeit, an der sich übrigens auch einige kleine „Kavaliere'' aus unserer Knabenschule mit Pflanzen von Agaven beteiligten, versammelte der Gesangslehrer. Herr Fried m a n n - L w o w, die Kinder um sich, und es erklangen von hellen Stimmen gesungen, die nationalen Lieder der Jugend. Man stelle sich den reizenden Anblick vor, »mitten im Grünen und unter Palmen, mit dem herrlichen Blick auf die blaue Bucht, und man wird ermessen können, daß die oft so schwierige Arbeit des Misrachi auch ihre frohen Zeiten hat, und daß sie wahrscheinlich nicht umsonst war. Es ist der schönste Lohn, eine so lustige Kindereine Büchcrvermittlungsstelle eingerichtet, in der eine Anzahl verschiedener palästinensischer Bücher ständig vorrätig sind. Jedes nicht vorrätige Buch wird kurzfristig durch die Vermittlungsstelle besorgt. Die Redaktion. schar zu sehen, die ganz in den Wegen unserer alten L'eberlieferung erzogen wird. In mustergültiger Ordnung zog dann die kleine Bande ab, und von der Straße noch klang, aus 120 Mündern gebrüllt, ein donnerndes „Toda raba" als Dank für die Bewirtung mit Näschereien. Unter diesen Kindern sind fast 30, die aus Missionsschulen herausgerettet wurden, und es war erschütternd, .als eines dieser kleinen Mädchen in der ersten Zeit beim ,,Schmäh Jisroel" immer ein Kreuz schlug! Fast alle diese 30 Kinder sprachen nur arabisch, lernten dann aber bei uns mit verblüffender Schnelligkeit hebräisch. Außer dem Unterricht gibt ihnen die Schule Kleidung und täglich ein warmes Frühstück. All den braven Misrachistinnen. die uns bei diesem Werke durch Uebcrsendung von Kleidung. Wäsche und Schuhzeug helfen, möchte ich bei dieser Gelegenheit unseren tiefgefühlten Dank aussprechen. Und Ihnen, verehrter Herr Redakteur, und allen Ihren Lesern sende ich herzlichen Misrachigruß! Hermann Struck- Haifa. Aktion der Berliner Frauengruppe. Es wird hierdurch darauf hingewiesen, daß die Berliner Misrachi-Frauengruppe regelmäßige Kleider- und Wäschesendungen für die Schüler der Misrachischule in Haifa eingerichtet hat. Die misrachistischen Frauen an allen Orten werden gebeten, sich dieser Aktion anzuschließen, gut erhaltene Gegenstände in ihren Kreisen zu sammeln und sie an das Zentralbüro des Misrachi zur Weitergabe zu schicken. Korrespondenz in dieser Angelegenheit ist an Misrachi-Frauengruppe. Berlin X 24, Monbijouplatz 10, zu richten. Palästinensische Wirtschaftsnotizen. Während der Dauer der Sitzungen der Shaw"- schen LTntersuchungskommission war einige Tage das Interesse aller den wirtschaftlichen Problemen in Palästina zugewandt, und zwar durch die Zeugenaussagen des Herrn Hoofien. Direktor der Anglo- Palestine-Companv. welcher an Hand von zahlreichem Ziffernmaterial den Segen und den Einfluß der jüdischen Einwanderung auf die allgemeine Wirtschaftslage Palästinas darlegte. Der Zweck seiner Darlegungen lag auch darin, vor der Kommission zu beweisen, daß die Araber nicht nur keine Ursache zu Klagen über Verschlechterung der Wirtschaftslage seit des Inkrafttretens der Balfour-Deklaration haben, sondern im Gegenteil wesentlichen Nutzen aus der jüdischen Einwanderung an Menschen und Kapital ziehen. Es ist wohl bedauerlich, daß wir in Erez-Israel die Gewohnheit des Galuth üben müssen, immer wieder nachzuweisen, daß wir Juden ein Segen für die Umgebung, in der wir leben, sind. Wir dachten, unsere Daseinsberechtigung in Erez-Israel nicht dadurch erkaufen zu müssen, wie dieses ja in den meisten Galuthländern - der Fall ist, daß wir den Nutzen, den wir anderen bringen, aufzeigen, son-

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