Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 3 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139335-3139338--0265-3139752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 32 ZION Nr. 3 jetzt schon nach einer Apologie des Geschickes unserer Brüder zu suchen und durch einen sträflichen geschichtlichen Optimismus die letzte Fähigkeit zum Mitfühlen in sich zu vernichten. Auch wenn wir nichts tun können — das eine können wir: den Gedanken in uns wachhalten, daß dem Volke an Körper und Seele etwas Furchtbares geschieht daß die Besten unserer Nation unter einem furchtbaren Druck leben, daran gehemmt werden, nach ihrem jüdischen Willen zu leben und zu sinnen, aber ohne diese jüdischen Inhalte auch nicht ein Leben leben können, daß dieses Namens würdig ist. Unverdient leidet die russische Judenheit, unverdient sind wir verschont von, einem Verhängnis, das jene so schwer niederdrückt. Wir können nur wenig, vielleicht gar nichts tun, um das Verhängnis zu wenden, aber eines können wir: wir können mxS dtik sein und wir können, wo immer wir sind, zu Gott unsere Gebete senden, daß er diesen Qualen ein Ende setze und, wie er unzählige Male den Vätern geholfen, auch den Söhnen Rettung und Erlösung bringe. Wir können unsere letzte Kraft und Entschlossenheit dem Judentum reichen und in Erez-Israel, und wo es sonst Entscheidungen von Bedeutung für das Judentum gibt, so rastlos für die Wiedergeburt unseres Volkes wirken, daß der von dort ausgehende geistige Einfluß auch unseren russischen Brüdern zugute kommt, und, wenn das auch kein Aequivalent für die in Rußland jetzt täglich erlittene Einbuße sein kann — denn keine nationale Einbuße kann wett gemacht werden — so doch ein gewisser Ausgleich erreicht wird. Der Leidensweg des russischen Zionismus. Von Dr. J. S c h e c h t m a n n. Paris. I. Der russische Zionismus stand an der Wiege der modernen zionistischen Bewegung. Im Verlauf von Jahrzehnten bildete er das Rückgrat der zionistischen Organisation. Die Ideologie, das 'beste und treueste Menschenmaterial und auch die größten Geldbeträge für die zionistischen Fonds kamen aus dem russischen Judentum. Die bedeutendsten kolonisatorischen Positionen in Palästina sind von russischen Juden erobert worden. Die „Bilu"-Bewegung und die erste Immigrationswelle der 8oer Jahre, die uns Rischon Lezion gaben, Petach Tikwah ausbauten, Sichron Jakob, Rosch Pina, Jessod- Hamala und später Ekron und Hedera schufen, sind hauptsächlich von den russischen Zionisten getragen worden. Auch die 2. Alijah der 90er Jahre — sie hat uns Rechoboth und unsere erste Siedlung in Unter-Galiläa, Sedjera, gegeben — kam aus Rußland. Die dritte Alijah, die Einwanderung unserer Jugend, die die Parole des Kibusch Haawodah (Eroberung der Arbeit), den „Haschomer", die Kolonien „Merchawja", „En-Ganim'% „Daganja" schuf, war fast ausschließlich eine russische. Zusammen mit der Jugend kamen auch die ersten Pioniere der ersten und einzigen jüdischen Stadt Tel-Aviv. Der Weltkrieg unterbrach die unmittelbare kolonisatorische Tätigkeit in Palästina. Aber schon bei der ersten Möglichkeit hat der russische Zionismus, als erster, seine besten Menschen nach, Palästina entsendet. Mit dem Dampfer ..Rußland"", kamen im Dezember 1919 600 jüdische Immigranten nach Palästina, die ersten der Nachkriegszeit. Auch die weiteren Einwanderer dieser Alijah kamen hauptsächlich aus den Ländern, die früher zu Rußland gehörten: aus Polen. Litauen, Bcßarabien. Lettland. Der schöpferischen Arbeit dieser Alijah verdanken wir in erster Reihe die Eroberung der Ebene Jesreel. Das sind alles greifbare, unmittelbare kolonisatorische Werte, die das russische Judentum in Palästina schuf. Noch bedeutender sind aber die geistigen Resultate seines Schaffens.. Die Auferstehung der lebendigen hebräischen Sprache ist für immer mit dem Namen des Dünaburger Juden Perelman — Elieser ben Jehuda — verbunden. Die gesamte neuhebräische Literatur, das hebräische Schulwesen, das Haifaer Technikum und die Jerusalemer Universität sind Schöpfungen des russischen Zionismus. Unermeßlich ist . das. was dieser Teil des Zionismus für die Gesamt bewegung geleistet hat. II. Seit zwölf Jahren ist der Platz des russischen Zionismus in der Weltbewegung vakant. Die bolschewistische Revolution, die das russische Judentum in wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Beziehung ruinierte und versklavte, hat auch den höchsten Ausdruck der nationalen und menschlichen Renaissance des jüdischen Volkes, die zionistische Bewegung zu vernichten versucht. Gesetzlich wurde der Zionismus als solcher im bolschewistischen Rußland nie verboten. Das war aber für die kommunistischen Machthaber gar nicht nötig. Alle zionistischen Organisationen, ohne Unterschied der Richtung und Färbung, werden systematisch und rücksichtslos verfolgt. Die zionistische Oeffentlichkeit der freien und demokratischen Länder hat gar keinen Begriff, welchen grausamen und mittelalterlichen Verfolgungen diejenigen russischen Zionisten ausgesetzt sind, die noch den Mut haben, ihre Liebe zum Hebräischen und ihr Bekenntnis zum Aufbau Pa-