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Zion · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 32 (sequence 6)
Language
German
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Seil« 34 ZION Nr. 3 Die Ueberlebenden beneiden oft die Verstorbenen. Sogar in den wildesten und kleinsten Verschickungsorten stehen die Verbannten unter dauernder Kontrolle der G. P. U. Ihre Briefe werden zensuriert; dreimal wöchentlich müssen sie sich bei der lokalen G. P. U. melden. Der leiseste Verdacht eines Spitzels genügt, um den Verbannten ibei 40 Grad Kälte in einen noch entlegeneren Winkel zu verjagen. Manche verbringen drei Jahre in Sibirien und werden dann für drei Jahre nach dem Ural oder nach Kirgisien verbannt. Andere werden wieder, nach drei Jahren, die sie in den Politisolatoren (Gefängnisse für politische Gefangene) verbracht haben, für weitere drei Jahre verbannt. Es ist unmöglich, alle die Leiden und Verfolgungen aufzuzählen, die Hunderte von Zionisten in Rußland auszustehen haben. IV. Und das alles geschieht in der Atmosphäre einer fast vollständigen Gleichgültigkeit seitens der zionistischen Weltbewegung. Der Zionismus hat sich, wenn auch im Bewußtsein der ungeheuren Tragik der Tatsache, damit abgefunden, daß die zionistische Bewegung in Rußland für ihn verloren ist. Geüd kann man jetzt aus Rußland nicht erwarten, politischen Einfluß auch nicht, und die jungen russischen Zionisten sind grundsätzlich ihrem eigenen Schicksal überlassen worden. Man spricht zwar ab und zu mit schmucken Worten über ihren heldenhaften Kampf, man votiert auch einmal eine vorsichtige Protestresolution gegen die Unterdrücker, — im Grunde genommen, betrachtet man aber den Kampf, in dem die russischen Zionisten ohne jeden „praktischen" Nutzen ihr Leben opfern, als eine Art zionistischer Don-Quichoterie, die wohl sehr schön aussieht, die aber unnützerweise Schwierigkeiten schafft. Ein ernsthafter Versuch systematischer Hilfe wurde von zionistischer Seite bisher nicht gemacht. Ab und zu hilft man mit kleineren oder größeren Summen. Aber als integrierender Teil der zionistischen Gesamttätigkeit wird diese Hilfe für den russischen Zionismus nicht aufgefaßt*). *) Unserer Meinung nach wird der Verfasser hier weder dem Ideengang noch den Motiven der zionistischen verantwortlichen Stellen gerecht. Es ist auch unsere Meinung, daß man bisher bei weitem nicht genug getan hat, um den russischen Zionisten zu helfen, in der zionistischen Oeffentlichkeit auch nicht einmal mit ihnen genügend mitempfunden und über Auswege und Hilfsmöglichkeiten nachgedacht hat. Wir wissen aber andererseits, daß sowjetrussischer Innenpolitik gegenüber bisher noch jede, auch die stärkste politische Macht, ihr Unvermögen, Einfluß auszuüben, einsehen mußte. Diese Tatsache ist das verständliche Motiv der anscheinenden Inaktivität unserer offi- Das ist eine unwürdige und auch kurzsichtige Politik. Sie ist einer großen nationalen Bewegung unwürdig, die ihre Helden und Märtyrer nie preisgeben darf, auch dann nicht, wenn die unmittelbare „praktische" Bedeutung ihres Opfermutes augenblicklich gleich Null ist. Diese Handlungsweise ist aber kurzsichtig. Nicht immer wird das russische Judentum in der bolschewistischen Hölle schmachten. Andere, bessere Zeiten werden kommen, und der russische Zionismus wird noch seine frühere Rolle in unserer Weltbewegung wieder zu spielen beginnen. Ist es da nicht eine lebensnotwendige Aufgabe, die Wurzel dieses russischen Zionismus vor Vernichtung zu schützen, seine Vorkämpfer zu stützen, damit sie einen gestählten zionistischen Nachwuchs für eine bessere Zukunft vorbereiten? Die Sorge um den schwer und heldenhaft kämpfenden russischen Zionismus muß zur vornehmsten Pflicht der zionistischen Weltbewegung werden. Unsere jungen Kämpfer dürfen nicht das nagende Gefühl haben, daß sie von ihren glücklicheren Gesinnungsgenossen in Europa und Amerika vergessen worden sind. Alle nationalen Elemente des Weltjudentums müssen dieser zionistischen Jugend zu Hilfe kommen, die in Sowjet- Rußland nicht nur eine engherzige Parteiaufgabe, sondern gleichzeitig auch eine allgemein-nationale Aufgabe erfüllt: die heranwachsende Generation von dem entartenden und entnationalisierenden kommunistischen Einfluß zu retten. Bücher aus Jerusalem Von Dr. Ernst Simon. Thora m i Z i o n. Jerusalem, das einstmals einer der Ausgangspunkte der orthodoxen Publizistik war und in dem sowohl ausgesprochen rabbinische Zeitschriften wie auch aktuelle Periodika erschienen, die von orthodoxen Männern wie etwa Fru m k i n betreut wurden, ist heute ganz ohne ausgesprochen rabbinische Zeitschrift. Es gibt Parteiblätter wie den „H a t o r" des Misrachi, die „N e t i v a" des Hapoel Hamisrachi, den „K o 1 J i s r a e 1" der extremistischen Aguda, und den zionistisch-parteilosen, doch auch nicht ausgesprochen rabbinischen „H ahe d", aber ein ausgesprochenes „Lernblatt" gibt es nicht, oder gab es doch bis ganz vor kurzem nicht. Nun aber ist, unter dem Namen „K o 1 Thor a", Zentrale rabbinische Monatsschrift, das erste Heft einer neuen Zeitschrift erschienen, ziehen Stellen auf dem Gebiete direkter Hilfe für die russischen Zionisten. Trotzdem stimmen wir dem Verfasser darin bei, daß immer wieder und im verstärkten Ausmaß Versuche zur Hilfeleistung auch von offizieller Seite gemacht werden müssen. Die Redaktion.

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