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Zion · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 33 lästinas nicht aufzugeben. Unter der Beschuldigung einer konterrevolutionären Betätigung werden jährlich viele Hunderle und Tausende von Zionisten verhaftet, verurteilt und in die unwirtlichsten Gegenden von Sibirien, Kirgisien, Ural usw. verbannt. Die ältere zionistische Generation in Rußland ist, soweit sie nicht rechtzeitig flüchtete, vollständig vernichtet. Ihr Platz blieb aber nicht unbesetzt. Das erhabenste und erschütterndste Phänomen der gesamten zionistischen Geschichte bilden zweifelsohne jene begeisterten Scharen der zionistischen Jugend in Rußland, die, allen Gefahren und Verfolgungen trotzend, den geistigen Kampf um ihr nationales Erbe nicht aufgegeben haben und das zionistische Ideal in die Herzen derjenigen, zu pflanzen versuchen, die im Gegensatz zu der vorhergehenden Generation von jüdischer Sitte und von jüdischen Lebensaufgaben kaum noch etwas vor sich gesehen und nichts in sich aufnehmen konnten. Diesen wird mit Fleiß und Begeisterung hebräische Sprache, jüdische Geschichte. Palästinakunde, Theorie und Geschichte des Zionismus vermittelt. Die besten Elemente der jüdischen Jugend, alle, die der allgemeinen Entjudung ihren entschlossenen Willen der Selbstbehauptung entgegensetzen, die sich als treue Juden und innerlich freie Menschen ausleben wollen, gehören dieser Gemeinschaft, der gezwungenermaßen jede Organisationsform fehlen muß, an. Opferfreudigkeit, Charakterfestigkeit, tiefe sittliche Gesinnung, mutiges Bekennen zum Judentum sind die Kennzeichen dieser über das ganze weite Rußland zerstreuten Gemeinschaft. In der Atmosphäre der allgemeinen Verrohung, Ideenlosigkeit. Volksabtrünnigkeit und stumpfer Resignation sind diese jungen Zionisten neben denen, die um der Ausübung der religiösen Vorschriften willen ein mehr passives Martyrium auf sich genommen haben, die einzigen, die die jüdisch-nationale Fahne hoch halten und von der unerschütterlichen Lebenskraft des russischen Judentums Zeugnis ablegen. III. Ihr Schicksal ist alles eher als beneidenswert. Die rote Macht und ihre jüdischen Meschorsim, die .Jewsektia", empfinden schon allein das Vorhandensein dieser national und demokratisch gesinnten Jugend als einen Schlag ins Gesicht, der klar beweist, daß der Terror noch nicht alles Freie und Lebendige im russischen Judentum abgetötet hat. Die Zionisten gehören, zusammen mit einer kleinen Gruppe von Sozialdemokraten, zu den wenigen Ueberresten des ehemaligen organisierten politischen Lebens im Lande, und die ganze Wut der G. P. LT: und des gesamten Terror- " apparales der Räterepublik wird gegen sie gerichtet. Spionage, Provokation, Haussuchungen, Razzias, alles wird von den bolschewistischen Machtorganen gegen den Zionismus mobilisiert. Man verhaftet alle, die etwas mit dem Zionismus gemeinsam haben oder je hatten. Monatelang schmachten die jungen Leute in Gefängnissen, ohne sogar zu wissen, wessen man sie beschuldigt, ohne vernommen zu werden, o hne einen Untersuchungsrichter oder Prokuror (Staatsanwalt) zu Gesicht zu bekommen. Oft sind sie gezwungen, eine lärmende und gefährliche Obstruktion zu treiben, um die Beschleunigung ihres Prozesses zu erzwingen. Zu einem regelrechten Prozeß kommt es aber sehr selten. Am häufigsten werden die ..Verbrecher" auf dem administrativen Wege, durch einen Ukas der G. P. U.. für 2, 3, 5 und mehr Jahre nach Tobolsk oder Minusinsk, nach Kasakstan oder Jeniseisk verbannt. Hunderte von Mitgliedern des Hechaluz, des Haschomer Hazair, des Verbandes der Jüdischen Jugend, der Zionisten-Sozialisten und der Hitachduth schmachten in den entlegensten Gebenden des Ural, Sibiriens und Kirgisiens. Vor mir liegt die Liste, die 291 Namen der verbannten Chawerim allein der arbeitszionistischen Gruppen enthält — Jungen und Mädchen. Bei manchen dieser Namen sind Bemerkungen zu finden: „Krank", „herzkrank", „t. b. c.'\ ..schwer magenkrank'*'. Bei der Aufzählung der Verbannungsorte sind andere Bemerkungen zu lesen: ,,1200 Kilometer von jeder Bahnstation entfernt". ..2000 Kilometer von der Eisenbahn entfernt", „die Post kommt viermal jährlich" usw. Die Lebensbedingungen der Verbannten sind außerordentlich schwer. Die Verbannten dürfen nicht in den Städten oder größeren Dörfern des ihnen bestimmten Gebietes wohnen. Sie sind gezwungen, sich einzeln in ganz kleinen, aus wenigen Häusern bestehenden Flecken aufzuhalten. Das Klima dieser Gegenden ist meistens sehr hart und schädlich. Die 12.40 Mark (6 Rubel 20 Kopeken), die jeder Verbannte monatlich von der Regierung bekommt, reichen kaum aus. um die Miete zu bezahlen. Jede Arbeit, jede Verdienstmöglichkeit sind den Verbannten verwehrt. Viele leiden einfach Hunger, werden krank. Medizinische Hilfe ist sehr selten vorhanden. Um einen Arzt in einem benachbarten größeren Orte aufzusuchen, muß die Erlaubnis der G. P. U. eingeholt werden — und das dauert meistens 2—3 Monate. Kein Wunder, wenn manche der Verbannten dieses „Hundeleben" nicht ertragen können. Die einen erliegen einer Krankheit (so ist am 24. Januar 1928 im Dorfe Kartamesch, Ural, Frieda Ewen- Towa an Tuberkulose gestorben), andere begehen Selbstmord (Sawa Pinkowsky), andere wieder werden durch die Wächter grundlos ermordet (Noma Bronstein in Chiwa).

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