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Zion · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 30

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
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Seite 30 Z 1 0 N Nr. 3 kommen konnte, daß Juden mit geradezu sadistischer Wollust darauf hinarbeiten, daß anderen Juden ihr religiöser, geistiger und kultureller Boden unter den Füssen fortgezogen wird, daß eine ganze Klasse von Juden, weil sie früher nicht „produktiv" tätig war, jetzt glatt dem Hungertode ausgesetzt werden soll, daß man sie von der Arbeitsmöglichkeit ausschließt, sie entrechtet vom primitivsten Recht des Menschen, zu arbeiten und als Gegenwert der Arbeit das trockene Brot und ein Dach über den Kopf zu genießen. Denn soweit ist es tatsächlich gekommen. Die J e w - s e k t i a, die von der Sowjetregierung zur Wahrung der Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung eingesetzte jüdische Behörde, nur aus Juden bestehend, führt einen Vernichtungskrieg gegegen das russische Judentum, gegen Religionsübung und deren Hüter, gegen jüdische Erziehung der Kinder, s i e gibt die Initiative zur Beschlagnahme der Synagogen, s i c läßt die Menschen, die lehren und lernen, verhaften und macht ihnen den Prozeß, s i e versucht, im Verein mit ihrem Helfershelfer, der sich mit Schmach und Schande beladenden „jüdischen" Zeitung „Emmes", das Judentum mit Stumpf und Stiel auszurotten. Was können wir tun, um unseren Brüdern in Rußland zu helfen? In erster Reihe, die gesamte Judenheit außerhalb Rußlands zum Verständnis dessen bringen, was sich drüben abspielt. Die entarteten Menschen und den Geist, der aus ihnen spricht, in der ganzen Welt anprangern und bloßstellen. Unseren Abscheu öffentlich kundtun und sie vor der ganzen gesitteten Welt hinstellen als das, was sie in des Wortes eigenster Bedeutung sind, entartet, denn sie wüten gegen Geist, Sitte und Moral des Volkskreises, dem sie selbst entstammen und aus dem sie das, was von ihrer Lebensanschauung Ewigkeitswert besitzt, empfangen haben. Vielleicht, daß dieses einmütige Frontmachen der gesamten Judenheit doch seinen Eindruck auf die besseren Elemente in Rußland nicht verfehlt. Die Tage der „Jewsektia" scheinen nach den letzten Nachrichten aus Rußland gezählt zu sein. Der in diesen Kreisen offenbarte grausame und rücksichtslose Radikalismus scheint selbst den russischen Kommunisten nicht genehm zu sein. Aber das bedeutet noch nicht, daß der Einfluß dieser Menschen völlig aufgehört hat, es bedeutet noch nicht, daß jüdische Religion und jüdisches Volkstum in Zukunft Bewegungsfreiheit genießen werden. Aber vielleicht ist jetzt der Augenblick gekommen, in dem das Weltjudentum seine Stimme erheben muß, um an das Gewissen Sowjetrußlands zu appellieren: Ihr, die ihr erst vor kurzer Zeit selbst von Sklavenketten befreit wurdet, die ihr selber den Druck geistiger Ketten noch gut kennt, hütet euch, den Geist anderer zu knechten, denn jede Schuld rächt sich auf Erden. A. A. Die russische Tragödie. Von Dr. Oskar Wolfsberg. Wir sind gewürdigt worden, Zeugen einer starken Regenerations-Bestrebung im Judentum zu sein. Wir sind verurteilt worden, den ungeheuren Zusammenbruch eines quantitativ besonders großen und qualitativ erstrangigen Teiles der Judenheit mitzuerleben. Kurz ist das Gedächtnis unserer Zeit. Zu viele haben bereits vergessen, welche Blutopfer die russische und insbesondere ukrainische Judenheit bringen mußte; im Kampf und Ringen der politischen Richtungen und der sich ablösenden Systeme in Rußland haben w i r den größten Tribut entrichtet. Nie wird Rußland vergessen dürfen, wie sehr jüdisches Blut den Boden des Landes gedüngt hat. Jene schrecklichen Zeiten des Massenmordes in der Ukraine, dessen Hauptschuld die gegenrevolutionären Bewegungen, die Aktionen Petljuras, Denikins etc. trifft, von dessen Sünde aber auch die bolschewistische Reaktion nicht frei ist, haften nur noch wenigen so im Gedächtnis, daß die Freude am Leben dadurch getrübt ist. Unterdessen war im bolschewistischen Rußland ein Stadium der scheinbaren inneren Stabilisierung erreicht. Man wußte, daß Sowjetrußland kein Boden für das Erstarken des ungebrochenen Judentums sei. Aber man glaubte, daß die Katastrophen innerhalb der Judenheit Rußlands sich mehr oder weniger auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Gesellschaft abspielen. Man hoffte, daß es gelingen könne, durch Hilfe von außen die wirtschaftliche Position der Juden einigermaßen erträglich zu gestalten und dadurch auch den Prozeß ihrer sozialen Umschichtung ein wenig zu beeinflußen. Hier lag natürlich ein Irrtum vor. Es ist nicht möglich, in einer so großen Bevölkerungsgruppe das Leben wieder herzustellen oder auch nur zu sichern, wenn alle ihre nationalen Lebensbedingungen: das traditionell-religiöse Leben, die Teilnahme an den großen jüdisch-nationalen Renaissance-Bemühungen, das im Bezirk der großen Ueberlieferungen sich gestaltende Kulturleben, unlöslich verknüpft mit der hebräischen Sprache, mit staatlicher oder vom Staate begünstigter Gewalt erdrosselt werden. Hier soll in keiner Weise das staatliche Leben Rußlands als solches verurteilt oder die Idee des Bolschewismus für den empirisch-historischen Gang der Dinge in Rußland verantwortlich gemacht werden. Es wäre durchaus ein vollziehbarer Gedanke

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