Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26 Z I 0 N Nr. 2 Einwanderungsbewegung nach Palästina in den letzten 4 Monaten. Ein- Auswanderung Wanderung Ueberschuß von Juden September 603 " 130 473 Oktober 10S6 204 882 November 620 204 416 Dezember 517 128 389 2826 666 2160 Die seit Mitte Juli bis Mitte Dezember 1929 als Chaluzim nach Palästina gekommenen 1610 Einwanderer wurden wie folgt eingeteilt: In landwirtschaftliche Siedlungen: in Jehuda 652 Schomron 438 Emek Jesreel 115 Untergaliläa 87 Obergaliläa 18 1310 In Städten: Tel-Aviv 146 Jerusalem 79 225 Unbekannt: 75 1610 Eine Resolution der Berliner Agudas Isroel zur Palästinafrage. Nach einem Vortrag von Dr. Moses Auerbach über ..Geschichte und Bedeutung der Kaussel Maarowi" in der Berliner Ortsgruppe der Agudas Jisroel wurde die folgende von Dr. Robert Weiß eingebrachte Resolution angenommen: ..Die Versammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die bevorstehenden Verhandlungen der Völkerbundskommission zu einer Klärung der Rechtslage der Kaussel Maarowi führen werden, die von Dauer ist und den Frieden mit dem arabischen Volke wieder herstellt, ohne die Rechte des jüdischen Volkes auf den letzten Rest seines Heiligtums zu schmälern. Die Versammlung erwartet, daß die Verhandlungen der Kommission mit allen jüdischen Organisationen Palästinas gemeinsam geführt werden, und ist der Ueberzeugung. daß gerade im jetzigen Augenblick alles vermieden werden muß. was irgendwie geeignet ist, die gemeinsame Verteidigung der jüdischen, im Mandat verankerten Rechte, zu erschweren." Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man in dem Absatz der Resolution, der von der gemeinsamen Verteidigung der im Mandat verankerten Rechte spricht, eine Ablehnung der Politik erblickt, die der Leiter der politischen Exekutive der Agudas Jisroel, Dr. Pinchas Kohn, in seiner Unterredung mit der Jüdischen Presse-Zentrale als .,die Aguda- Politik" hingestellt hat. Das von Dr. Kohn aufgestellte Programm der Aguda („Palästina als ein Heim der jüdischen Kultur, wie es Achad Haam meint, der jüdischen Religionskultur, wie die Aguda es nennt"), das die Anhängerschaft der Aguda bewußt von direkter Einflußnahme beim Aufbau der jüdischen Heimstätte ausschaltet, wird offenbar von weiten Kreisen gerade der deutschen Aguda nicht mitgemacht. Hier will man praktische Aufbauarbeit und ist nicht mit einer „neuen Interpretation der Baliour-Erklärung im Sinne eines Kulturzentrums" zufrieden, daß der politische Führer der Aguda durch ein „neues white paper" erreichen will. In einem Artikel im „Israelit" nimmt D,r. Robert Weiß in durchaus positiver Weise Stellung zu den Problemen aktiver Palästinapolitik. Auch dieser Artikel distanziert sich deutlich von den in dem Interview Dr. Kohns niedergelegten Anschauungen. Bei der Person des Autors ist anzunehmen, daß es sich hier nicht um die Darlegung eines Einsamen in der Aguda, sondern um diejenige eines Exponenten einer erstarkenden Richtung handelt. Sprechsaal. Thora w'Awoda oder Revisionismus. Infolge der traurigen Ereignisse in Erez Israel strömten viele Juden impulsiv zu der revisionistischen Fahne. Es ist nicht schwer, die Jugend lür die Idee eines nationalistischen Nationalismus zu gewinnen: denn es entspricht dem revolutionären Charakter des Jugendlichen, sich für eine derartige Idee ohne tiefere Auseinandersetzung zu entflammen. Diese Idee hat nicht nur allgemeine zionistische Kreise ergriffen, sondern auch junge Misrachisten stehen derselben sympatisch gegenüber. Um unseren jungen Misrachisten ein klares Bild über den wesentlichen Unterschied zwischen Thora und Revisionismus und Awoda und Revisionismus zu geben, und die Unmöglichkeit des Zusammenschlus es von Thora-w'Awoda-Misrachisten und (Bindestrich) Revisionisten zu begründen, möge nachfolgende Erörterung dienen. Will man eine Idee analytisch beleuchten, so ist es erforderlich, sich die Entstehungs- und die Entwicklungsvorgänge vor Augen zu halten, um den Geist der Idee zu erforschen! — So auch beim Revisionismts. Jabotinski — ein heroischer Träumer — hat seinen Weg zum Zionismus gefunden, wie ein jeder Feldheer bei anderen Völkern den Weg zu seiner Nation. Natürlich hat ein Mann wie Jabotinski, der durch die Schule Westeuropas gegangen und . die Religion nur als Stütze der Schwachen auffaßt den einzigen Weg zur Gründung eines Judenstaates darin sehen müssen, den Faust-Kult als Methode und die Bajonette als Verständigungsmittel einzuführen. Das ist der Weg aller Nationen. Der jüdischen Nation müssen — nach Jabotinski — die nationalen Lebensbedingungen aller Völker wieder zugeführt werden. Darin liegt der wissenschaftliche Irrtum des Revisionismus. Der Revisionismus scheint es vergessen zu haben, daß das jüdische Volk im Gegensatz zu allen anderen Völkern die Macht einer wahren Nation nicht im Schwerte, sondern im Geiste sieht. Charakteristisch für den Revisionismus ist, daß ihr Schöpfer den stärksten Fluch des Galuth darin sieht, daß das jüdische Volk an einem Mangel an militärischem Geiste krankt. Demgegenüber sieht der Misrachismus in dieser von Tabotinski gerügten Krankheit, den Einfluß des Propheten-Geistes auf das Propheten-Volk. Auch wer weiß, daß Jerusalem in Asien liegt und nicht im Himmel, richtet trotzdem in kritischen Momenten beim Aufbau-Werke Palästinas seine Forderungen an die Adresse üei hnnmiischen Macht und stützt sich nicht auf die Schärfe des Schwertes. Mehr noch, wird der Zeire Misrachi, der im Gegensatz zum allgemeinen Misrachi die sozialen Forderungen der Thora als Grundprinzip und Mittelpunkt seiner Weltanschauung auf-