Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 25 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Z I 0 N Seite 25 gegen die Araber propagiert, und selbst die extremsten Vertreter, des Gedankens von nur jüdischer Arbeit bemühen sich gleichzeitig darum, eine Lösung des Problems der arabischen Arbeit zu finden. Bei jenen Waren, die in großen Mengen von den Juden bei Arabern gekauft werden, könnte eine Boykottbewegung auch keine Wirkung haben, weil es sich meistens um lebenswichtige Nahrungsmittel, wie Geflügel, Eier, Gemüse etc. handelt, deren Konsumierung zwingend ist und nur langsam durch Vermehrung der jüdischen Produktion eine teilweise Ueberleitung zu von Juden produzierter Ware stattfinden kann. Im Handel leiden unter dem Boykott in in erster Linie die großen Firmen von Baumaterialien in Jerusalem, da doch die arabische Baubewegung bedeutend ist und sie bisher den größten Teil des Umsatzes dieser Firmen ausmachte. — Schwer betroffen ist auch die Wirk- und S t r i c k w a r e n i n d u s t r i e in Tel-Aviv, die bedeutende Mengen für den arabischen Konsum erzeugte und bei Ausbruch der Unruhen bereits für die kommende' Wintersaison große Lager angehäuft waren. Den vier wesentlichsten Firmen dieser Art in Tel-Aviv bleibt als Folge des Boykotts ein Lager im Werte von 6—8ooo Pfund unverkauft, was für diese verhältnismäßig kleinen Betriebe gefahrvoll und bedrückend ist. Die allgemeine Meinung der Wirtschaftskreise ging dahin, daß es eine wichtige Aufgabe des die FI i 1 i s g e 1 ci e r verteilenden Komitees sei. den Firmen, die unter dem Boykott leiden, durch Gewährung angemessener Kredite zu passenden Bedingungen ihren Bestand zu erleichtern. Leider haben gerade die von der Zionistischen Exekutive zu Rate gezogenen Finanzleute hiesiger Bankinstitute diesem Verlangen wenig Verständnis entgegengebracht in dem Glauben, daß man das durch die Unruhen und den Boykott verursachte und vergrößerte Kreditbedürfnis der Industrie auf rein bankmäßiger Weise durch normale kurzfristige Kredite befriedigen könne. Es ist zwar ein Beschluß gefaßt worden, von den Hilfsgeldern einen Betrag von 15000 Pfund für die Industrie als Leihkapital zur Verfügung zu stellen, doch ist dieser Beschluß bisher nur in ganz geringem Ausmaße in die Tat umgesetzt worden. Von vielen Kennern des Wirtschaftslebens wird das Herannahen einer starken Krise prophezeiht: diese Prophezeihun» ist jedoch mit größter Vorsicht aufzunehmen. Es steht wohl fest, daß dieses Jahr in zwei der wichtigsten Wirtschaftszweige nicht sehr befriedigend sein wird. Einer dieser Zweige ist die Touristik. Die durch sensationshungrige Zeitungen verbreiteten, teils sehr übertriebenen Schreckensnachrichten über die Sicherheitsverhältnisse in Erez-Israel haben viele Touristen abgehalten, jetzt nach Erez-Israel zu kommen; dieser Ausfall ist für viele Wirtschaftsgebiete, wie Hotels, Verkehrsmittel. Andenken- Industrie etc. stark fühlbar, es ist jedoch noch möglich, daß ein Teil des Ausfalles durch ein Anwachsen der Touristenbewegung um die Pessachzeit herum wieder ausgeglichen wird. Ein zweites negatives Moment ist der verhältnismäßig schlechte Orangenmarkt in England. Wohl wurden in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten ernste Bestrebungen gemacht, neue Orangenabsatzgebiete in- und außerhalb Europas zu erlangen, doch ist Erez-Israel heute noch mit dem größten Prozentsatz seiner Orangenproduktion auf den englischen Markt, der bis jetzt keine guten Durchschnittspreise erzielt, angewiesen. Im Vorjahre hat der Großteil der jüdischen Pardeßbesitzer seine zu erwartende Ernte auf den Bäumten an meist arabische Fruchthändler verkauft, eine Erscheinung, die an und für sich nicht wünschenswert ist. Diese Verkäufe geschehen meistens während des Sommers und der Herbstmonate, da aber durch den Ausbruch der L'nruhen die Beziehungen zwischen Juden und Arabern gespannt wurden, hat nur ein kleiner Teil von Verkäufen stattgefunden. Die meisten Pardeßbesitzer bringen daher ihre Ware jetzt selber auf den Markt, so daß die gegenwärtig niedrigen Preise direkt auf den Produzenten wirken, während sie in ähnlichen Fällen in den vergangenen Jahren den Zwischenhändler getroffen haben. Es ist dies zu bedauern, denn an und für sich wäre die Ausschaltung des arabischen Zwischenhändlers und Spekulanten sehr erwünscht: diese Ausschaltung wird auch für die nächsten Jahre sicherlich zunehmen, wenn nicht die schlechten Marktresultate dieses Jahres entmutigend auf den jüdischen Erzeuger wirken und ihn wieder veranlassen werden, seine Frucht noch vor der Reife dem Händler zu verkaufen. Die jüdische Bautätigkeit im Lande hat zugenommen und zwar besonders für kleine Bauten. Es sind neue Arbeitersiedlungen in Jerusalem. Tel-Aviv und Haifa geplant, wozu die nötigen Baukredite aus seinerzeit nach Palästina gebrachten Geldern der amerikanischen Brandeisgruppe gewährt werden können. An größeren Bauten in Tel-Aviv wären zu nennen: der endlich nach langem Kampf und wochenlanger Abstinenz der ganzen Tel-Aviver Bevölkerung von Fleischkost von der Regierung bewilligte Bau eines Schlachthofes in Tel-Aviv: ferner ein eigenes Druck- und Verlagsgebäude der bekannten hebräischen Verlagsfirma Omanuth (so wird für körperliche und geistige Nahrung auf einmal gesorgt). Unter Berücksichtigung dieser zu erwartenden Bautätigkeit sind Verhandlungen im Gange, um das seit langer Zeit stillgelegte Ziegelwerk „Silikat" wieder in Betrieb zu setzen. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern ist eine geringe: die Chaluzim, die in den letzten Monaten ins Land kamen, sind vom Arbeitsmarkt leicht aufgenommen worden. Von Seiten der Privatinitiative sind momentan keine größeren Investierungen in Industrie und Landwirtschaft wahrzunehmen, doch besteht hier allgemein die Hoffnung, daß sich diese durch die Augustunruhen des vergangenen Jahres nicht auf die Dauer davon abhalten lassen wird. Arbeitsgebiete in Erez-Israel zu suchen. Auch erwartet man durch das hoffentlich bald erfolgende Einströmen der amerikanischen Hilfsgelder im Betrage von ungefähr 2 000 000 Dollar, die zum Wiederaufbau und Neuaufbau der zerstörten Städte und Kolonien verwendet werden, eine belebende Wirkung auf die Wirtschaftslage in Erez-Israel. Es ist nur zu wünschen, daß die im Zusammenhang damit vorzunehmenden Aktionen schnell durchgeführt werden. Leider hat es bisher den Anschein, daß die Hilfsaktion zu sehr bürokratisiert ist; auch hier gilt der Satz, den wir den maßgebenden Faktoren dringend empfehlen wollen: bis dat qui cito dat.