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Zion · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 23 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Z 1 0 N Seite 23 diese Anfänge weiterzuentwickeln und, natürlich ohne Nachahmung der nichtorthodoxen Jugend, aber doch mit offenem Blick für das Große und Schöne in ihr, eine echte Synthese jugendlicher Freiheit und traditioneller Bindung zu schaffen, so könnten die Bnei Akiba eine Hoffnung sein. Freilich darf auch hier nicht verschwiegen werden, daß die allzu ängstliche und allzu politische Aufsichtshaltung gewisser älterer Misrachi-Kreise und ihre Stellungnahme, z. B. in der Frage noch so harmloser „Koedukation^, dem Werke keineswegs zum Segen gereichen kann. Vom Hapoel Hamisrachi selber, der ja mit den Bnei Akiba in engster organisatorischer Verbindung steht, ist noch zu berichten, daß er neulich ein gut besuchtes Treffen in Tel-Aviv veranstaltet hat, bei dem die Fragen der politischen Lage im Zionismus und des religiös-sittlichen Niveaus der eigenen Mitglieder in Referaten und Diskussionen geklärt worden sind. Hingegen ist zu bedauern, daß ein Ereignis wie die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien ohne eine Begrüßung seitens der misrachistischen Arbeiterschaft verlief. iprDntPö vb\ p3xi by bnn Im vergangenen Monat hat das jüdische Jerusalem, im größeren oder kleineren Kreise, dreimal um drei sehr verschiedenartige Männer getrauert: um Dr. Masie, um Rabbiner Dr. Schönfeld und um Franz Rosenzweig. Dr. Masie, der als hoher Siebziger starb, war einer der merkwürdigsten Erscheinungen Jerusalems und ganz Palästinas. Arzt, Ingenieur, hervorragender Hebraist und Linguist sowie erfolgreicher Orangenzüchter in einem, vereinigte er auch geistige Gegensätze in sich, die sonst auf sich heftig befehdende Personen aufgeteilt zu sein pflegen: er war hervorragender Talmudist und kritischer Naturforscher, in seiner Jugend sozialistischer Revolutionär und trotzdem religiös traditioneller Jude, der eine der Stützen der Jerusalemer Synagoge „Jeschurun" bildete. Diese ganz außergewöhnliche Spannweite, diese Lebensquantität gleichsam, die hier wirklich schon in Qualität umschlug, kam denn auch ergreifend und eindrucksvoll bei dem Begräbnis zum Ausdruck, an dem sich wirklich ganz Jerusalem, von den Massen des alten Jischuw bis zu den Vertretern der Chaluzim. beteiligte. Von orthodoxer Seite sprachen die Rabbiner Kuck, Berlin, Berman und Raw Slonim von Hebron, der übrigens die Gelegenheit benutzte, um die Menge der Zuhörer für seine unglückliche Stadt aufzurufen. Der Tod Rabbiner Dr. S c h ö n f e 1 d s, der ja nur kurze Zeit als Mitglied der Wieltzentrale des Misrachi und Vorsitzeuder der misrachistischen Schulinspektion in Palästina gearbeitet hatte, schlug natürlich geringere Kreise: immerhin veranstaltete der Misrachi eine besondere Trauerversammlung, auf der gleichfalls die Rabbiner Kuck, Berlin und Berman sprachen. Außerdem erschien eine Würdigung des Verstorbenen aus der Feder von E. M. Lipschütz im „Haarez"". die auch das problematische Verhältnis Dr. Schönfelds zum Misrachi und sein späteres Hinneigen zur Agudah. offen behandelte, aber doch seiner Persönlichkeit voll gerecht wurde. Wohl der größte von den drei Toten, die hier zusammen genannt wurden, Franz Rosenz w e i g, hatte nicht zur Orthodoxie gehört und ihr doch am meisten von allen gegeben. In der Trauerfeier der hebräischen L'niversität kam das symbolisch dadurch zum Ausdruck, daß ein nichtorthodoxer religiöser Jude. Gerhard Scholem, über Rosenzweig sprach und ihn gerade als jüdischen Theologen tief würdigte. Die sehr bedeutsame Rede, die bald auch im Druck vorliegen wird, suchte dem „Stern der Erlösung"- seinen Ort in der allgemeinen und speziell der jüdischen Theologie anzuweisen und fand dabei überraschende Beziehungen des Roscnzweigschen Denkens, das sich selbst freilich als durchaus unmystisch empfand, zur Kabbala, und zwar sowohl in der Konzeption der Sprache als Organon der Offenbarung wie in dem Ernstnehmen der empirischen Zeit für das Denken. Es war durchaus stilgerecht — und doch nur in der hebräischen LTniversität möglich! —, daß sich unmittelbar nach dem ergreifenden Vortrag ein Minjan zu Mine ha und Kaddisch zusammenfand. Von den orientalischen Juden. Um mit Gutem zu schließen, sei nun noch von zwei Familienangelegenheiten erzählt, deren erste eine reine Freude war. während die zweite immerhin zu letzt gut auslief, die ab-r b-ide ihren problematischen Kern enthalten. Einer der Beter unseres Minjan — ohne Minjan wird man nie in Palästina heimisch! — ist ein Jude aus Ninive. Er ist von Beruf Gärtner, vor allem aber Thorajude. und zwar im engeren Sinne des Wortes: mehr bibelals talmudkundig und hat eine besondere Spezialität: Targum. Aber nicht im Sinne des "uS nvr.i sondern derart, daß für ihn das gesprochene Aramäisch eine Art Muttersprache war, in der er gleichfalls die Thora und viele Teile des Teuachs auswendig gelernt hat. (Dieser neue mündliche „Targum" wird jetzt von Dr. Josef Riwlin im Auftrage der hebräischen Universität sprachlich untersucht und lexikalisch bearbeitet.) Diesem babylonischen Juden also, er heißt

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