Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SHt* 22 Z I O N Nr. 2 Schulräumen aufzusuchen. Natürlich wird alles mögliche versucht, um wenigstens einen Notausgang, aus der nachgerade unerträglichen Schwierigkeit zu finden, und es muß dabei dankbar der Intervention der ..Allgemeinen Hebräischen Lehrerorganisalion Palästinas" gedacht werden, die dem Misrachi zur Bezahlung seiner Lehrer unter bestimmten Bedingungen eine Anleihe gewähren will. Aber auch darüber verhandelt man nun schon seit Monaten, ohne bisher zu einem greifbaren Resultat gekommen zu sein. ist schwer zu glauben, daß hier nur Geldmangel mitspricht: es fehlt wohl auch bei der Misrachi-Zentrale an genügender Energie, denn sonst hätte sich durch die Hille der Lehrerorganisation schon längst ein mindestens provisorischer Ausweg finden lassen müssen. Es fehlt wohl auch an Phantasie, die sich die Lage des acht Monate unbezahlten Lehrers, von den dreieinhalb Monaten des vorvorigen Jahres ganz zu schweigen, lebendig vorzustellen in der Lage ist. Hoffentlich wird die Reise Raw Meir Berlins nach Europa und seine dortige Sammeltätigkeit nun endlich eine Wendung zum Besseren bringen, und hotfentlich mahnen auch diese Zeilen die Misrachisten in der Diaspora an ihre Verpflichtungen gegen ihre schwer kämpfenden und leidenden Vorposten in Erez Israel! Der Misrachi in der Exekutive. Die Abreise Raw Berlins hätte es sowieso notwendig gemacht, daß er die Leitung des ,.Keren Haesra" anderen Händen übergäbe, aber andere Entwicklungen haben diesen Wechsel noch beschleunigt. Die Kompetenzstreiligkciten. die bekanntlich zwischen der zionistischen und niehtzionistischen Hälfte der Jewish Ageticy ausgebrochen sind, bezogen sich nicht zum geringsten Teil auf die Verwaltung des palästinensischen Hilfsfonds, die bekanntlich nunmehr einem Dreimänner-Kollegium, bestehend aus dem Nichtzionisten Hexter, dem Delegierten der Zionistischen Exekutive Oolonel Kisch und dem Vorsitzenden des Waad Leumi Pinchas Ruthenberg, übertragen worden ist. Diese Lösung bedeutet einmal eine Schwächung des zionistischen Einflusses innerhalb der Jewish Agency, und darüber hinaus wohl auch eine gewisse Schwächung des misrachistischen Einflusses innerhalb der Exekutive, oder doch eine Begrenzung des misrachistischen Arbeitsgebietes. Auf alle Fälle ist es bedauerlich, daß dieser Hilfsfonds, zu dessert Klienten in so starkem Maße orthodoxe Juden gehören, nun ohne verantwortliche Mitwirkung gesetzestreuer Kreise geleitet wird. Wir zweifeln natürlich nicht einen Augenblick daran, daß die Verteilung der Gelder auch in Zukunft objektiv gehandhabt werden wird, glauben aber, daß die Zus:mmensetzung der jetzigen Leitung bestimmten psychologischen Notwendigkeiten nicht genügend Rechnung trägt. Bnei Akiba und Hapoel Hamisrachi. Die neue Jugendbewegung des Misrachi in Palästina, die ..Bnei Akiba", entwickelt sich erfreulich. In keinem Lande ist es schwieriger, eine Jugendbewegung ins Leben zu rufen, als in Palästina, und in keiner Schicht wiederum schwieriger als innerhalb der Orthodoxie. All die Quellen der Opposition, aus denen sich die typische Jugendbewegung Europas einschließlich der jüdischen n' " rt: Opposition gegen Elternhaus und Schule, gegen Buchwissen und Verslandeskultur, gegen Staat und Gesellschaft, sind für uns entweder gar nicht oder nur in stark abgewandelter Form legitim. Andererseils ist es soziologisch und psychologisch außerordentlich schwer, diese Tradilionswerte der Familie, der Schule, des Buches usw. in eine Bewegung jugendlicher Menschen, wenn auch erneuert und umgeformt. hineinzureiten. Dazu kommen noch soziale Schwierigkeiten: die orthodoxen Schulen z. B. Jerusalems werden zu einem sehr hohen Prozentsatz von Kindern aus orientalischen Gemeinden besucht, die teilweise aus so vernachlässigtem Milieu stammen, daß ihnen gegenüber, wenigstens zunächst, viel eher betreuende ..Jugendpflege" als erweckende .Jugendbewegung" am Platze zu sein scheint. Angesichts all dieser Schwierigkeiten ist es hoch anzuerkennen, welche Leistungen die Bnei Akiba im ersten Jahre ihres Bestehens zu verzeichnen haben. Ihre Jerusalemer Chanukkahi'eier verdient in diesem Zusammenhange auch noch nachträglich erwähnt zu werden, da sie gegenüber der Pessachleier, die kurz nach der Gründung stattfand, einen bedeutenden Schritt auf die jugendgemäße Selbständigkeit zu anzeigte. Damals noch: phrasenreiche Festreden, dauerndes Abnützen der höchsten und heiligsten Worte, unangemessenes Indenmitte'.punktstellen ganz weniger begabter Mitglieder, kurz, nicht jugendliche Form, sondern mehr kindische als kindliche Nachahmung eines politischen Parteifestes. Damals wäre ein Vergleich mit dem geistigen Standard und der inneren Haltung der freigesinnten Jugend Palästinas vollkommen unmöglich gewesen. Auch heute noch würde er nicht zugunsten der Bnei Akiba ausfallen, wie man sich, gerade um weiterzukommen, durchaus klarmachen muß. aber die Situation ist doch sehr verändert. Es gab diesmal wirklich etwas wie natürliche Jugendstimmung und echten Jugendfrohsinn: etwas wie den Anfang eines Kollektivfestes, bei dem nicht einzelne mehr, sondern die Gemeinschaft selbst das Ganze trugen. Gelingt es,