Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2 Z I 0 N Seite 2 t gewillt ist, in einer letzten Endes nicht misrachistischen Frage einer Minorität seinen und der Majorität Standpunkt aufzuzwingen, noch in den Vorverhandlungen mit der Opposition die Fraktion irgendwie festgelegt war, erblickt das Z. B. auch keine Desavouierung darin, wenn eine Minorität einen gegenteiligen Standpunkt vertritt und dementsprechend stimmt. Oder war vielleicht bei dieser Abstimmung nicht eine sachliche Stellungnahme, sondern eine Desavouierung des Zentralbüros beabsichtigt? Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch auf eines hinweisen. Wenn wir in Fragen dieser Art die Majorisierung nicht für richtig hielten, so weisen wir mit noch größerer Entschiedenheit die zukünftige Möglichkeit der ..Minorisierung'* zurück, d. h. wir können es nicht dulden, daß eine Minorität, durch Obstruktion und andere gewaltähnliche Mittel versucht, ihren Willen der Mehrheit aufzuzwingen. Indem Dr. Schereschewsky seit Monaten versucht, durch heftigste Angriffe gegen jede von der Zentrale durchgeführte Arbeit in einer bei uns bisher nicht üblich gewesenen Weise seinen oppositionellen Standpunkt durchzudrücken, versucht er. eine solche Minorisierung herbeizuführen. Wir lehnen nicht nur die Methode, sondern den Versuch überhaupt ab. ad IV. Dr. Schereschewsky knüpft an die Tatsache, daß der Zeire Misrachi in Jena wesentlich dazu beigetragen hat. den Eintritt der Fraktion in den geschäftsfühvenden Ausschuß der Z. V. f. D. herbeizuführen, Bemerkungen, die nicht unwidersprochen bleiben können. Nicht, weil der Zeire Misrachi auf Grund seiner Leistungen Achtung verlangt und Kraft seines zielbewußten Auftretens sich durchzusetzen versteht, erreicht er innerhalb unserer Organisation etwas, sondern, weil w i r, die Allgemeinorganisation, nicht wolle n, daß bei uns irgendetwas geschieht, was den Willen zur Zusammenarbeit von Jugejid und Alter lähmen könnte. Weil wir den allergrößten Wert darauf legen, daß die Wünsche der Jugend, die unsere Jugend u n d unsere Zuk u n f t i s t, Berücksichtigung finden in der Arbeit, die unserer Auffassung nach doch nur eine Arbeit im Interesse dieser Jugend ist. Nicht für uns bauen wir Erez-Israel, sondern für das Geschlecht der Zukunft. Wir. wehren uns gegen den Versuch, eine künstliche Trennungslinie zwischen Alters- und Jugendmisrachi zu ziehen, es gibt bei uns keine Richtung, die die Ansprüche der Jugend gering schätzt. Wir lehnen auch eine Vergewaltigung der einen durch die anderen ab, die der Jungen durch die Aelteren — aber auch das Umgekehrte. Der Geist, der in der Zeire Mis- .rachi lebendig ist und wirkt, ist unser Geist, ihre Energie und Aktivität ist die unsrige. Das Traditionsbewußtsein unserer Jugend muß es ausschließen, daß auch in den Misrachi Kampf und Zwiespalt zwischen jung und alt hineingetragen wird, wie sie im nichtmisrachistischen Lager herrschen. Unsere Jugend hat die Aufgabe, und hat sie bisher erfüllt, in unsere Anschauungen von Judentum und Zionismus, vom Welt- und Menschheitsideal hineinzuwachsen und sie fortzusetzen, zu erweitern, zu verbessern, zu verinnerlichen — alles, was Ihr wollt, aber unser Boden ist es, aus dem Eure Kraft gesogen wird und unsere Kraft ist es. die in Eurer Arbeit sich auswirkt. Da kämpft nicht die Jugend gegen das Alter, sondern sie kämpfen gemeinsam für die Erhaltung und Fortentwicklung einer Idee, es wird kein Sieg von der Jugend dem Alter abgerungen, es wird keine Anschauung des Alters der Jugend aufgezwungen, gemeinsam ringen wir um ein gemeinsames Ziel, in gegenseitiger Achtung voreinander, die wir älteren den jüngeren unbedingt entgegenbringen, die wir aber auch von der Jugend verlangen. Nicht irgendein Erfolg, errungen auf einem Delegiertentag, verpflichtet einen Misrachisten zur Entfaltung von Kraft, zur Vergrößerung der Organisation, zur Vertiefung der Arbeit, unsere Idee v e r p f 1 i c h t e t u n s. das Ewig-Jüdische in ihr zwingt uns zu arbeiten, nicht Voraussetzung für Arbeit sei der Erfolg, sondern ihr Lohn, das uns allen Gemeinsarne, der Gott in uns wird für uns k ä ni p f e n. wir wollen schweigen — und arbeiten. Alexander Adler. Palästina-Tagebuch. Aus der Misrachl.Organisatlon. Die finanzielle Lage der Organisation scheint noch niemals so schwer gewesen zu sein wie gerade jetzt: jedenfalls waren die Gehälter der Misrächi- Lehrer und Beamten noch niemals so stark im Rückstände. Das letzte Gehalt, das ausgezahlt wurde, war, sage und schreibe, das des Monats Mai. und alle folgenden, also: Juni. Juli, August, September, Oktober, November. Dezember, Januar, sind noch nicht bezahlt. Es ist dem Leser schon lästig, all die Monatsnamen hintereinander aufgeführt zu lesen, statt der schlichten Abkürzung: Juni bis Januar; an seinem Mißbehagen kann er sich das weit größere Mißbehagen, ja: die ganze reale Not der misrachistischen Lehrer darstellen, die Monat für Monat. Woche für Woche, Tag für Tag um ihr Gehalt kämpfen, dabei ihre Arbeit weiter tun und von Gläubigern geplagt werden, die nicht selten die Eltern-ihrer Schüler sind und die sich durchaus nicht schämen, sie auch in den