Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 17 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Z I O N Seite 17 kein? Um ein schönes jüdisches Menschenleben zu führen, einfach und bescheiden, doch in seelischer Ganzheit und bei gesundem Körper, in vollkommener Freiheit und ohne äußeren Druck? Oder werden sie auf dem Wege des Dr. Elias und Nathan Birnbaums und der „01imu gehen? Wird auch ihnen das Gallith schmecken, wird auch ihnen Zion nur ein ferner Traum und ein Spielzeug der Seele sein? Das ist meine Frage. Lehren des Jenaer Delegierten- Tages. Von Dr. Simon S c h e r e s c h e w s k y, Berlin. Der diesjährige Delegiertentag der Z. V. f. D. in Jena hat, das müssen auch diejenigen zugeben, die gegen ihn gewesen sind, eine große Bedeutung gehabt. Nicht nur durch die Anwesenheit von Weizmann, — auch sie mag als ein ganz besonderes Symptom gelten —, sondern dadurch, daß hier vor der ganzen zionistischen Welt eine Diskussion ausgetragen wurde in Fragen, um die ein scharfer Kampf in der zionistischen Öffentlichkeit geführt wurde. Die Entscheidung fiel durch die Ablehnung des Mißtrauensvotums gegen die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" mit Zweidrittelmajorität, weil hier, angesichts der zahlreichen, auf ganz anderen Gebieten liegenden Gegensätze gegen die bisherige Leitung, die Politik der Z. V. f. D. gebilligt und die künftige Richtung der zionistischen Außenpolitik bestimmt wurde, soweit die Z. V. f. D. und besonders die J. R. darauf Einfluß nehmen soll und kann. Fragen wir uns nun, welche Bedeutung der Delegiertentag für den deutschen Misrachi gehabt hat. so müssen wir sagen, daß er vielleicht die wichtigste Tagung gewesen ist, an der der Misrachi teilgenommen hat, wenn auch im anderen Sinne, als die Veranlasscr des Delegiertentages in unseren Reihen sich gedacht haben. Vier Tatsachen haben sich auf dieser Tagung deutlich erwiesen: der Mangel einer zielbewußten Leitung, das vollständige Fehlen einer politischen Informierung und Erziehung der deutschen Misrachisten, die Unmöglichkeit, alle Misrachisten auf eine politische Richtung festzulegen, und der entscheidende Einfluß des Zeire Misrachi auf die Haltung des deutschen Misrachi. I. Der Misrachi hatte den Delegiertentag ursprünglich ebenso wie die Radikalen und Kollenscher Gruppe zwecks radikaler Aenderung der Politik der Z. V. f. D. gefordert. In seinem Memorandum an die Exekutive nahm das Zentralbüro des deutschen Misrachi eindeutig gegen die Haltung der Z.V. f.D. und der J. R. Stellung. Die Resolution der Zentralkomiteesitzung, die politische» Charakter trug, wurde gegen eine erhebliche Minorität angenommen. Die Artikel von Dr. Barth, die er ohne Widerspruch des Z. B. veröffentlichte, nahmen in scharfer Weise gegen die Politik der Z. V. f. D. Stellung. Späterhin arbeitete man mit den Oppositionsgruppen aus politischen Gründen zusammen, denn man zog z. B. scharf den Trennungsstrich ihnen gegenüber in anderer Beziehung und man veröffentlichte schließlich gleichzeitig, wenn auch nicht gemeinsam mit ihnen, eine Erklärung zum Delegiertentag. Die Forderung der Koalition wurde erst zuletzt auf Grund der politischen Oppositionsstellung erhoben. Es wurde und sollte der Eindruck erweckt werden, als ob der deutsche Misrachi, der auf dem Boden der Z.K.- Resolution stehe, sich fast vollständig in Opposition zu der Politik der J. R. und der Z. V. f. D. befinde, und nur eine ganz verschwindende Minorität — in der Hauptsache aus Jugendlichen bestehend — anderer Meinung sei. Plötzlich ließ nun aus unbekannten Gründen das Z. B. die scharfe Betonung der Notwendigkeit einer anderen Politik zurücktreten und stellte die Forderung nach einer Koalition in den Vordergrund. Man sagte dabei nicht, mit wem man eigentlich in einer Koalition zusammen gehen wolle, d. h. ob man sie auch dann annehmen werde, wenn damit keine Aenderung der Politik herbeigeführt werden sollte. Man versuchte es den Wählern so darzustellen, als gehe es in Jena nicht um die Frage der künftigen Politik, sondern um die Entscheidung: Koalition oder nicht Koalition. Unter dieser Parole fanden auch innerhalb des Misrachi die Wahlen zum Delegiertentag statt, z. B. in der Berliner Ortsgruppe, wo sie in Anwesenheit der meisten Z.-B.-Mitglieder und unter der Leitung des Vorsitzenden des deutschen Misrachi vorgenommen wurden. Auf dem Delegiertentag wiederum wurde als Sprecher des Misrachi Dr. Barth vorgeschickt, der nun nicht etwa für seine Person, sondern für die Fraktion des Misrachi eine scharfe Oppositionsrede hielt. Die Rede war eine Kampfansage an die bisherige Politik der Z. V. f. D. mit dem Tenor: Fort mit den Männern, die diese verderbliche Politik getrieben haben oder, wenn sie bleiben sollten, dann nur unter solchen Bedingungen, daß sie nicht wie bisher den Kurs der Politik entscheidend beeinflussen können. So konnte nachher Goldmann mit Recht von der einhelligen Opposition der Radikalen, des Misrachi. der Kollenscher- Gruppe und der Revisionisten sprechen. Die Leitung der Misrachi-Fraktion blieb auch weiterhin im engen Kontakt mit den Oppositionsgruppen und brachte sogar eine politische Resolution ein, die