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Zion · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 Z I 0 N Seite 11 einer Persönlichkeit von so unbestrittener religiöser Autorität und von so gewaltiger messianischer Sehnsucht zu hören. Doppelt bedeutsam gerade in dieser Stunde, in der sich die pseudo-messianistische Phrase, die den Zionismus zu einer sabbatianistischen Bewegung zu entweihen droht, im Munde ganzer Organisationen breit macht: so in offiziellen Verlautbarungen des hebräischen Lehrerverbandes, der in seinem Vereinsorgan an leitender Stelle mitteilt, daß nichts anderes als die Wiederaufrichtung des Königtums Davids unser Ziel sei. Dieses religiös noch mehr als politisch unverantwortliche Gerede wird sich, nach Rabbi Kucks Aussage vor der Untersuchungskommission, in Zukunft wenigstens nicht mehr auf die höchste religiöse Autorität im Heiligen Lande berufen dürfen. Man wird zu lernen haben, daß der zionistische Aufbau Erez Israels nur dann eine Vorstufe der endlichen Erlösung werden kann, wenn er um sein durchaus vormessianisches Gesicht sich tägliche, heilignüchterne Rechenschaft ablegt. Noch ein zweites Moment muß aus der Vernehmung der Rabbinen hervorgehoben werden: es betrifft den greisen sephardischen Oberrabbiner Hebrons, der auf die provozierende Frage des Regierungsanwaltes, ob er Zionist sei, die bedeutsame Antwort gab: „Wir Juden in Erez Israel sind alle Zionisten." Diese Worte sind ein Symptom für die psychologische Gunst des Augenblicks in bezug auf die mögliche Einigung der Orthodoxie. Möchte der Augenblick von den rechten Männern und im rechten Geiste genutzt werden! Diskussion über „Jeremia". In unseren Bemerkungen im. vorigen Heft verweilten wir anläßlich der Aufführung des „Jeremia" von Stefan Zweig in der Bearbeitung Avigdor Hameiris bei der Problematik des jüdischen Dramas überhaupt und des biblischen Theaters im besonderen. Unterdessen war nun Gelegenheit, hier im Lande noch mehr über dieses Thema zu reden. Es gehört zu den kennzeichnendsten Eigenheiten des neuen palästinensischen Lebens, daß zwar einerseits keine geregelte Theaterkritik in der Presse stattfindet, daß aber andererseits öffentliche Diskussionen in Massenversammlungen über Dinge des Thealers gang und gebe sind. In einer solchen Versammlung sprach vor kurzem der hebräische Schriftsteller Nathan Bistrizki, Verfasser des Kwuzah-Romans „Tage und Nächte" und, ganz neuerdings, eines historischen Dramas aus der Zeit der Entstehung des Christentums, über die in Palästina aufgeführten biblischen Dramen: „Die Krone Davids", „Jakob und Rachel" und „Jeremia". Einleitend setzte er sehr ausführlich die Stellung zur Bibel auseinander, welche die Grundlage ihrer Dramatisierung im lebenden Hebräisch sein muß: eine Stellung, die sehr genau mit der übereinstimmt, die ich — im „Tagebuch" der letzten Nummer und in meinem Aufsatz „Zeittheater in Palästina" in der „Jüdischen Rundschau" — befürchtet h a b e. Es handelt sich hier um den Versuch, den biblischen Bericht auf solche W7eise in das landschaftliche Bild Palästinas zu stellen, daß er nicht nur von ihm eingerahmt wird, was legitim wäre, sondern als von ihm erzeugt erscheint, was reinster Götzendienst ist. Bezeichnenderweise .wiederholte Bistrizki, der damit nicht nur seine, sondern eine sehr weit verbreitete Meinung im jungen Palästina aussprach, die alte Ketzerthese Renans, daß der jüdische Monotheismus aus dem Einsamkeitserlebnis der Wüste stammt. Dem gegenüber wird es ebenso schwer wie immer wieder notwendig sein, die viel weniger geistreiche, aber dafür richtigere und jüdischere These zu verteidigen, daß der jüdische Monotheismus von dem Einen Gott stammt. Feiern und Feste. So bedrohlich die neue jüdische Kollektivität Erez Israels sich gelegentlich gegen Andersdenkende zeigen kann — siehe die regelrechte Verfolgung der Brith-Schalom-Anhänger! — so beglückend erweist sie sich in der Kunst, sich gemeinsam zu freuen. Der erste C h an ukkah - Abend in T e 1 - A v i v! Was geschieht da? Vor Beginn der Dunkelheit ordnen sich endlose Züge jüdischer Schuljugend, begleitet von dem freiwilligen Aufgebot beinahe aller erwachsener Einwohner der jüdischen Stadt, um dem Anzünden der „Stadt- Menora" beizuwohnen. Tel-Aviv hat nämlich eine elektrische Menora, die im Zentrum der Stadt steht und deren Schein weithin sichtbar ist. Natürlich erfolgt das Anzünden Abend für Abend mit den traditionellen Segenssprüchen, die ungeheure Menge fällt mit „Amen" ein, und dann intoniert das Orchester der Jemeniten, das heute korporativ der freiwilligen Feuerwehr angeschlossen ist, aber schon beinahe seit den ersten Gründungsjahren Tel-Avivs besteht, die alte Volkshymne „Moaus Zur". WTir leiten unseren Festgebrauch, die Menora ans Fenster zu stellen, bekanntlich von einer älteren jüdischen Sitte her, die uns die Midraschim überliefern: Früher habe, als Israel noch in seinem Lande wohnte, jeder jüdische Hausvater das Lichtsymbol in die Tür seines Hauses gestellt, so daß die ganze Straße von den Zeichen der Freiheit erleuchtet war. Diesen Brauch zwar habe man „wegen der Furcht" aufgeben müssen — aber die Fenster sind uns geblieben. In Tel-Aviv kehrte man, wenn auch in moderner, ein wenig technisierter Umformung, wieder zu dem alten Brauch zurück, und das ist schön. Eine Hochzeit in Jerusalem! Was geschieht da? Man begibt sich zunächst in ziemlich geschlossenem Zuge ins Haus eines männlichen Verwandten der Braut, unterwegs von freudigen Zurufen des betreffenden jüdischen Viertels begrüßt. Im Hause dann ist „Kabbalath Panim", Empfang. Das ist eine seltsam formelhaft-formlose Zeremonie, bei der nichts gegessen und wenig gesprochen, schließlich aber Minchah gebetet wird. Dann geht es wieder über die fröhlich belebten Straßen, die dem Zug noch manchen Zuwachs bringen, ins Haus der Braut, wo schon die Frauen warten. Die Braut wird vom Bräutigam mit dem Schleier „bedeckt", die Männer entfernen sich wieder und sammeln sich auf dem Dach einer, etwas hoch gelegenen Zisterne, die wie ein freier Platz, oft auch» von Baumreihen umstanden, über ihre Umgebung emporragt. Dort ist die Chuppah vorbereitet — warum aber dort? Weil die Liebespaare des alten Testamentes sich so häufig am Brunnen fanden, und weil zudem das Wasser ein Hauptsymbol ehelicher Fruchtbarkeit ist. Nun aber kommt die Braut! Tief vom Schleier bedeckt, so daß auch der Neugierigste — und wer ist nicht neugierig bei solcher Gelegenheit! — ihr Gesicht nicht erkennen kann, schreitet sie langsam, von zwei würdigen Frauen geleitet, in die offene Chuppah hinein, wo der Bräutigam schon ihrer wartet. Bevor aber die sieben Worte des Segens gesprochen werden, umschreitet man das künftige Paar dreimal mit brennenden Fackeln oder Hawdalah- Kerzen. Dann entwickelt sich alles ähnlich wie bei uns, nur daß die vielen hunderte von „Zaungästen", die der öffentlichen Freiluft-Trauung beigewohnt haben, nun auch, ungeladeneraber hochwillkommenerweise wieder mit ins Brauthaus ziehen

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