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Zion · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Z I 0 N Nr. 1 Die heute auf dem Karmcl gebauten Häuser haben Wasserleitung von einer nahen Quelle und im letzten Frühjahr ist die Verbindung zur Rutenberg-Station in Haifa gelegt und alle Häuser mit elektrischer Lichtleitung versehen worden. Zahlreiche Hotels und Pensionen sind oben gebaut worden, die in den Sommermonaten von Palästinensern, die früher zur Erholung nach dem Auslande fuhren, frequentiert werden. Es hat sich im Laufe der zionistischen Kolonisationsgeschichte erwiesen, daß Bodenerwerb in Palästina nicht nur eine nationale Aufgabe erster Ordnung, sondern auch für Kapitalisten, die auf lange Sicht Gelder investieren können, eine ausgezeichnete und fruchtbare Kapitalsanlage gewesen ist. Die Bodenpreise in Hadar Hakarmel haben sich, seit dessen Erwerb im Jahre 1912, teilweise verzwanzigfacht. Damals gingen die Käufer von Parzellen in Hadar Hakarmel, wo weit und breit kein Haus zu sehen war, ein recht erhebliches Risiko ein und es gehörte schon ein ungewöhnliches Maß zionistischer Phantasie dazu, sich das, was heute dort entstanden ist. vorzustellen. Es ist über jedem Zweifel erhaben, daß die Menschen, die damals der „Palestine Land Development Co." die Mittel zum Kauf dieser Flächen zur Verfügung stellten, nur zionistisches Interesse und keinesfalls spekulative Phantasie leitete. Heute gehört keine besondere Phantasie mehr dazu, sich die Entwicklung Haifas in den nächsten Jahren vorzustellen. Dem Kenner der Verhältnisse ist es klar, daß, wenn der Hafen ausgebaut sein und seinen ganzen Lärm und Durist entwickeln wird, der hochgelegene Karmel das bevorzugte Siedlungsgebiet von Haifa werden muß. Die Aufgabe der „Palestine Land Development Co." ist, neben ihrer Bodenkautstätigkeit für den KKL., die Voraussetzung für städtische Siedlungen zu schaffen und Kapital für Bodenerwerb und Bautätigkeit ins Land zu ziehen. Von den auf dem Karmel erworbenen Flächen, ist der größte Teil in den letzten Jahren an Zionisten in allen Ländern, wobei Deutschland ein sehr erhebliches Kontingent stellt, abgesetzt worden. Die Bodenpreise sind an den heutigen Preisen des in der Nähe gelegenen Hadar Hakarmel gemessen, recht niedrig. Die Preise der Bauparzellen, die 1000 bis 1500 qm groß geschnitten sind, liegen zwischen 100 und 300 Pfund Sterling und es hat sich im Laufe der Jahre die Praxis entwickelt, daß die Parzellen dort in Ratenzahlungen, über 1 bis 2 Jahre verteilt, erworben wurden. Die Motive der Käufer aus allen Ländern der Welt waren mannigfaltige. Sie wußten, daß sie, wenn sie zur Liquidierung der Bodenbestände der „Palestine Land Development Co." beitrugen, die Möglichkeiten zu neuen Bodenkäufen durch Freiwerdung dieser Kapitalien schufen. Sie wußten weiter, daß jeder, der Boden in Palästina erwirbt, sich und seine Nachkommen aufs engste mit dem Lande verbindet und daß jeder Bodenkauf die Voraussetzung für spätere Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Bauarbeiter und GärtneSr, die mit der Bepflanzung der Grundstücke beauftragt werden, schafft. Sie wußten ferner, daß durch' die Erweiterung unseres Bodenbesitzes die politische und wirtschaftliche Stellung der Juden in Palästina entscheidend gestärkt wird. Und sie wußten zuletzt, daß privater Bodenbesitz eine einwandfreie Kapitalsinvestierung darstellt, deren Wert mit der Entwicklung unseres Landes steigt -unddaß sich besonders auf dem Gebiet städtischer Kolonisation große Aufgaben für fruchtbare Betätigung des Privatkapitals bieten, wie dies die Erfahrung der letzten 20 Jahre schon bewiesen hat. —--- Die „Palestine Land Development Co. Ltd., London — Jerusalem unterhält ein europäisches Zentralbüro im Hause der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W 15, Meinekestraße 10. Interessenten für privaten Bodenerwerb wollen sich dorthin, oder an das Büro des M, i s r a c h i, Berlin N, Monbijouplatz 10, wenden. Palästina - Tagebuch. Die Rabbiner vor der Untersuchungskommission Die Verhandlungen der Untersuchungskommission, die nun endlich, zum Schluß des bürgerlichen Jahres, beendet wurden, brachten, abgesehen von ihrem zionistischen und allgemeinen Interesse, auch einige spezilisch religiöse .Momente, die hier kurz erörtert werden sollen. Die Vernehmung von Rabbi Kuck gestaltete sich aus verschiedenen Gründen zu einem Ereignis von prinzipieller Bedeutung. Zunächst machte es einen großen Eindruck, daß der ehrwürdige religiöse Führer nicht das gleiche Recht für sich in Anspruch nahm, das man dem Mufti zugebilligt hatte, im eigenen Hause unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit verhört zu werden, sondern daß er, und zwar gerade unter Berufung auf die Tradition, „denn die Wahrheit ist weder furchtsam noch schamhaft", darauf bestand, seine Aussagen in voller Oeftentlichkeit zu machen. Wichtiger noch als dieses formale Moment aber ist die Tatsache zu bewerten, daß Rabbi Kuck mit großer begrifflicher Deutlichkeit unsere messianischen Hoffnungen von den Bestrebungen des politischen Zionismus unterschied. Besteht doch eine der größten geistigen und politischen Gefahren des palästinensischen Aufbauwerks in der sentimentalen und unkritischen Verwendung einer pseudomessianischen Phraseologie, die den arabischen Führern einen sehr willkommenen Aufhetzungsstoff gibt und, was schlimmer ist, das Bewußtsein unserer eigenen, jüdischen, historischen Lage verdunkelt. Wir leben in „dieser" Zeit, und nicht in der Zeit des Messias; wir bauen unser Nationalheim, und nicht den dritten Tempel; wir erstreben nicht einmal mehr den „Judenstaat, geschweige denn das „Königreich Davids". Zwar ist Rabbi Kuck nicht der einzige und nicht der erste, der diese begrifflichen Trennungen scharf herausgearbeitet hat: erst neulich hat sie Gerhard Scholem in seiner bedeutsamen Antwort auf einen hebräischen Artikel des sephardischen Dichters Burla hervorragend formuliert; aber es war von geschichtlicher Wichtigkeit, diese Dinge einmal von

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