Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 1 (1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Z I 0 N Seit« 9 nachdem der Jischuw inzwischen stark gewachsen ist, ist auch diese Bewegung entsprechend größer. Eine verstärkte Bautätigkeit muß und wird die natürliche Folge sein. Einen überragenden Anteil an der Bereitstellung von städtischen Böden für jüdische Sch'chunoth, hat die „Palestine Land Development C o." Ltd. gehabt. Diese Gesellschaft wurde im Jahre 1908 gleichzeitig mit dem Palästina-Amt in Jaffa gegründet, und Professor Otto Warburg und Dr. Arthur Ruppin, die damals mit anderen zusammen die Initiative ergriffen, arbeiten noch heute im Direktorium. Die Gesellschaft hätte aber ihre umfangreichen Arbeiten niemals durchführen können, wenn sie nicht die verständnisvolle Mitarbeit von Freunden außerhalb Palästinas gehabt hätte, die die Mittel zur städtischen Kolonisation ihr zur Verfügung stellten. In vielen Fällen geschah dies durch Gewährung langfristiger Hypothekarkredite, in anderen wurden Bodenkäufe, Parzellierungs- und Straßenarbeiten, sowie alle anderen Vorbereitungen für gemeinsame Rechnung durchgeführt. In vielen Fällen hat jedoch die Palestine Land» Development Co. ihr eigenes Kapital (zurzeit sind einige 80 000 Pfund Sterling eingezahlt, von denen zionistische Institute eine starke Majorität besitzen) in die städtischen Bodenkäufe investiert. Der bekannteste dieser Käufe war die Erwerbung großer, jetzt zum größten Teil ausgebauter Flächen in Jerusalem und seiner nächsten Umgebung, die im Jahre 1921 erworben wurden. Es handelte sich damals um Werte von über 200 000 Pfund Sterling und die Entwicklung hat dieser Transaktion, die eigentlich die Kapitalkräfte der Gesellschaft weit überstieg, im Laufe der Jahre recht gegeben. Naturgemäß mußte die „Palestine Land Development Co.£i ständig bemüht bleiben, die investierten Gelder nach entsprechender Vorbereitung der Bauflächen durch Verkäufe, besonders in pio pin wieder flüssig zu machen. Auch diese großen Käufe haben eigentlich nicht genügt, um alle berechtigten Wünsche zu erfüllen, aber immerhin kann man sagen, daß, trotz aller Schwierigkeiten, durch planmäßige Arbeit der „Palestine Land Development Co.<:, die ohne Mitwirkung von Kapitalien aus allen jüdischen Zentren nie geleistet worden wäre, eine große Entwicklung angebahnt worden ist. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß für die nächste Zukunft das Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas in Haifa liegen wird. Dort leben heute schon über 15 000 Juden — und der Hafenbau, den die Regierung in den letzten Monaten endlich in Angriff genommen hat, wird die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, die für die nächste Alijah bestimmend sein müssen. Heute wohnt ein immerhin nicht unbeträchtlicher Teil von Juden in der Haifaer Altstadt in arabischer Umgebung, während andererseits 4—5000 Juden in der prachtvollen Siedlung Hadar Hakarmel sich niedergelassen haben und andere Vorstädte, wie Bath Galim und eine Siedlung auf der Höhe des Karmel, in der Entwicklung sind. Die „Palestine Land Development Co." hat zu der Zeit, als in Haifa nur 2 oder 3003 Juden lebten, schon Vorbereitungen für die Zukunft durch Erwerb von großen Flächen auf dem K a r m e 1 getroffen. Kurz nach dem Kriege gingen zirka 6000 Dunam (zirka 550 Hektar) aus dem- Besitz von deutschen Siedlern in die Hände der „Palestine Land Development Co." über. Der bekannte Städtebauer Richard Kaufmann entwarf die Bebauungspläne, das Gelände wurde in drei Bezirke, den Süd-, Zentral- und West-Karmel eingeteilt, die beiden letzteren in rund iooo Einzelparzellen, während der Süd-Karmel en bloc an rumänische Zionisten, die dort die „Achusah Sir Herbert Samuel" gründeten, überging. Diese Achusah, die durch Autobus mit der Stadt verbunden ist, ist in erfreulichster Entwicklung. Die Siedler arbeiten teilweise in der Stadt, teilweise in der Siedlung selbst und liefern Milch und Gemüse nach der Stadt. Die Arbeiterschaft hat auf dem Süd-Karmel in wundervoller Lage ein Erholungsheim errichtet. Der Karmel ist der einzige Punkt in Palästina, der sowohl Höhenwie Seeklima hat. Seine höchste Erhebung über der Stadt ist zirka 300 m. Wenn in der Stadt Haifa in den heißen Sommertagen eine noch so drückende Hitze ist, so ist die Temperatur auf dem Karmel eine viel angenehmere, nicht nur wegen seiner hohen Lage an sich, sondern auch durch die immerwährende Seebrise, die, vom Mittelmeer kommend, seine Höhen und Hänge bestreicht. Der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre auf dem Karmel ist ein verhältnismäßig hoher, was zu seiner üppigen Vegetation beiträgt. Die Schönheiten des Karmel zu beschreiben, ist hier nicht der Ort, aber die Leser dieser Zeitschrift wissen ja aus dem -p3n daß der Karmel zu allen Zeiten geradezu das Symbol von Schönheit und Fruchtbarkeit gewesen ist. Es sei nur an nn'trn tp VII, 6 erinnert, wo der Liebhaber von Schulamith sagt -jsrm So-oa und an Jeremias II, 7 px bx nan« K*ani naiai nno bzxh Sanan. Während fast alle Parzellen des West-Karmel den Blick auf die breite Fläche des Mittelmeers haben, sieht man von einigen Teilen des Zentralj- Karmel auf die Haifa-Acco-Bucht, die Kishon-Ebene und bis in die Berge von Galil. Die Karmelsiedlung ist durch eine gute Autostraße, die in etwa einer Viertelstunde zur Stadt führt, mit dieser durch einen regelmäßigen Autobusverkehr verbunden. Eine zweite Straße wird in allernächster Zeit vom Hardar Hakarmel auf den Karmel hinauf gebaut werden und die Verbindungen zur Stadt weiter verbessern. Ob der seit langem bestehende Plan Rutenbergs, eine Drahtseilbahn zu bauen, in absehbarer Zeit verwirklicht werden wird, ist unsicher.