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Zion · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 7

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Nr. I Z I 0 N Seite 7 auch, worauf er großes Gewicht legte, stets Gästen/ von fern und nah offen blieb, um ja nicht zu einem sektirerischen Konventikcl zu erstarren. Solange es ging, ließ sich Rosenzweig auch aufrufen; später neigte er nur noch den schönen,* edlen Kopf vor der Thora, die man vor der Vorlesung an seinem Sessel vorbeilrug. Es ließe sich viel aus den Tagen seiner Krankheit erzählen, aber das geht noch nicht an. Und wenn deshalb der Eindruck der vorstehenden Zeilen ein vorwiegend heiterer, beinahe fröhlicher sein mag, so schadet dies nichts und würde auch, trotz des unendlichen Leidens der späteren Jahre, im Grunde durch eine Forlsetzung unserer Erinnerungen nicht verändert werden. Denn dieser Fromme hat Gunst und Qual des Schicksals mit der gleichen tapferen Widerstandsfähigkeit erlragen, die den Kern seiner stahlharten und fruchtbar fortwirkenden Mannesheilerkeit bildete. Das Anrecht auf jüdische Erziehung Von Rabbiner Julius Samuel (Berlin). Während frühere Jahrhunderte in der allgemeinen Pädagogik ihre wesentliche Fragestellung auf das Ziel der Erziehung richteten und in innerer Verbundenheit mit der Erkenntnis des Zieles,, oder, besser gesagt, eines Zieles sich ihren Weg und ihre Methoden wählten, ist es ein besonderes Verdienst des 20. Jahrhunderts und insbesondere der Nachkriegszeit, den ganzen Begriff und die innere Berechtigung der Erziehung einmal in Frage gestellt zu haben. Bei dem Versuch, diese ganze Problematik auf spezifisch-jüdische Verhältnisse, auf den geistigen Bezirk der jüdischen Erziehung zu übertragen, haben wir mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Indem wir uns nämlich in bewußter Ferne zu den Erscheinungen und Terminologien der Zeitlichkeit auf den elementaren und ewigen Begriff des jüdischen Menschen als Ziel jüdischer Erziehung festlegen, müssen wir mit dem Vorwurf rechnen, daß es nicht angängig sei. in der zeillichen Situation des Judentums wirklichkeitsfremde und vielfach feindliche Zielsetzungen zu gestalten. Doch ist unser Erziehungsziel ja keineswegs ein zeitlich wandelbarer, sondern ein historischer Begriff, dessen dauernder Verwirklichungsanspruch unter den verschiedensten Gegebenheiten des Augenblicks daraus in der Tat ein lebensvolles einheitliches Gebilde schuf. Ist aber die Tatsache der Heranbildung des jüdischen Menschen als des absoluten Zieles der Erziehung a's Dauererscheinung erwiesen und als der jüdische Mensch derjenige erkannt, dessen ganze geistige Haltung und sittliche Lebensgestakung aus den Quellen des Judentums fließen, so ist damit bereits für selbstverständlich anerkannt, daß das Ziel seine Berechtigung in sich selber trägt. Daraus ist aber die Berechtigung zur Erziehung als solcher und das Recht zur Wahl dieser oder jener Methode noch keineswegs ersichtlich. Die Frage nach der Berechtigung der Erziehung, die auch von den jüdischen Pädagogen der Gegenwart keineswegs einheitlich beantwortet wird, insbesondere was die Frage der Religion, des konstruktiven Elements jeder Erziehung betrifft, ist mit der Darstellung des sozialistischen Standpunktes, wie ihn etwa B e r n f e 1 d vertritt und jenes Standpunktes, den wir einmal in einem erneuerten Sinn den humanistischen, und als dessen hervorragendsten Interpreten wir B u b e r nennen möchten, keineswegs geklärt. Sie scheint uns ernsthaft anzupochen an die Pforten des jüdischen Seins und in denselben Punkten zu kulminieren, die dem menschlichen Leben in jüdischer Gestalt seinen Sinn geben. Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen, ein Satz, der nicht nur eine Lebenstatsache, sondern auch ein sittliches Postulat enthält. Ein Midrasch von außergewöhnlicher seelischer Tiefe läßt uns hören, daß Wahrheit und Frieden der Schaffung des Menschen widerstrebten, jedoch Liebe und Gerechtigkeit sie förderten. Es ist nun Aufgabe des durchdie Förderung der im Leben der Menschen untereinander schöpferischen Kräfte gewordenen Menschen, diese Kräfte der Gerechtigkeit und Güte hineinzutragen in sein Tun und in seine Motive. Und wie die Schaffung neuen Lebens eine zwangsläufige Regelung und Weckung menschlicher Kräfte darstellt, die ihr Recht in sich selber trägt, so stellt auch der Erziehung erster Schritt, das Schöpferische, beziehungsweise die Weckung des Schöpferischen einen Akt dar, der seinen Selbstand nicht erst zu erweisen hat. Es ist neuerdings fast zum Allgemeingut der jüdischen Kulturkreise. selb>t derer, die die Offenbarung als eine übernatürliche Erscheinung in Fragestellern geworden, daß diese Offenbarung zumindest einen geschichtlichen und kulturellen Einschnitt von ungeheurer Intensität bedeutet. Im Wesen dieser Offenbarung aber liegt es, daß ihr natürliches Blickfeld weit über die Grenzen einer Generation hinaus gerichtet war. Erziehung aber hat etwas vom Wesen der Offenbarung, ihre Werte an eine neue Generation heranbringen, ist ein ähnliches Beginnen, wie die Weitertragung der Offenbarung an einen Menschenkreis, der zu ihrem Träger wird, nicht dank irgendwelcher Wiilkür einer vergangenen Epoche, sondern auf Grund einer historischen und natürlichen Gesetzlichkeit. In der Frage der Methodik aber sehen wir uns vielfach bedrängt von Gegensätzlichkeiten, insofern als der autoritativen Haltung die der Freiheit, der des Individualismus, die des Kollektivismus gegenübergestellt wird. Es gilt den Ausgleich zu finden zwischen der autoritativen Art dessen, was es den Söhnen ..einzuschärfen" gilt und dem Spruche Erziehe den Knaben nach seiner Weise!" Die Gegensätze in den Fragen der Methode also erzeugen eine gewisse Spannung. Ist aber der Ausgleich gefunden und das Ziel klar erkannt, so vollzieht

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